| 20:38 Uhr

Unsere Woche
Wer integrieren soll, braucht Geld und Polizisten

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Zuallererst müssen sich die Saarbrücker sicher fühlen – dann klappt auch der Rest.

Ein Messerstich am Hauptbahnhof bescherte uns den Aufreger dieser Woche. Folge eins: Das Opfer, ein junger Afghane, liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Folge zwei: Diskussionen und Verunsicherung bei vielen Bürgern.


Darum hier noch einmal die wichtigsten Fakten. Tatzeit war Freitag, 19. Februar, 23 Uhr. Die Polizei meldete das Verbrechen am Samstag. Nach Angaben des Opfers war der Stich der Höhepunkt eines Streites zwischen Syrern und Afghanen.

Noch am Samstag forderte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz mehr Polizisten für die Stadt  – „anlässlich der laut Polizei vermehrten Auseinandersetzungen zwischen Syrern und Afghanen in Saarbrücken“. Darauf erklärte Innenminister Klaus Bouillon, laut Statistik sei die Zahl der Verbrechen in Saarbrücken von 2014 bis 2016 gesunken. Die Stadt brauche also keine zusätzlichen Polizisten.



Die SZ fragte die Polizei, nach den „vermehrten Auseinandersetzungen“. Aber das Landespolizeipräsidium wusste nichts davon.

Blick zurück: Am Samstag, 16. Dezember 2017, waren laut Polizei drei Syrer an einem Messerangriff auf einen 22-jährigen Homburger in der Saarbrücker Bahnhofstraße beteiligt. Am Samstag, 9. September 2017, gab es laut Polizei in der Saarbrücker City eine Messerstecherei zwischen „zwei Personengruppen“. Drei Menschen wurden verletzt, einer notoperiert. Die Polizei nahm zwei Verdächtige fest, einen 18- und einen 23-jährigen Syrer. Am Freitag, 24. März 2017, lieferten sich laut Polizei minderjährige Syrer eine Massenschlägerei auf dem Rabbiner-Rülf-Platz. Einer wurde mit einer Rasierklinge verletzt. Am Mittwoch, 28. Dezember 2016, gegen 23 Uhr bedrohte laut Polizei ein betrunkener 19-jähriger Syrer in der Bahnhofstraße Passanten mit einem Messer. Am Samstag, 12. November 2016, wurden laut Polizei bei einer Schlägerei zwischen Syrern und Afghanen in der Lebacher Straße zwei Menschen verletzt. Die Polizei vermutete, dass dort vier junge Syrer mit sieben Afghanen aneinandergerieten. Auch hier war  ein Messer im Spiel.

Aber solche Konflikte gibt es nicht nur in Saarbrücken:  Am Mittwoch, 4. November 2016, endete laut Polizei in Dillingen ein Streit zwischen jungen Syrern und Afghanen ebenfalls mit einer Messerstecherei. Ein 16-jähriger Syrer wurde schwer verletzt.

Und schon am Neujahrsabend 2016 prügelten sich in Malstatt mehrere Afghanen mit zwei Iranern. Ein Beteiligter wurde durch einen Messerstich in den Po ernsthaft verletzt. Fünf Polizeistreifen bereinigten die Situation.

Trotzdem wäre es dumm, aus diesen Meldungen zu schließen, dass alle Flüchtlinge gewaltbereite Kriminelle sind. Aber es ist auch Schwachsinn zu glauben, dass solche Meldungen die Bürger nicht beunruhigen. Wenn eine Stadt so viele Menschen integrieren muss wie Saarbrücken, dann braucht sie Geld für Personal, das sich um diese Leute kümmert und sie im Zaum hält. Viele Flüchtlinge kommen aus Gesellschaften, die vom jahrelangen Bürgerkrieg total verroht sind. Wenn deutsche Städte diese Menschen integrieren sollen, dann brauchen diese Städte Polizisten, die zeigen: „Hier hat der Staat das Gewaltmonopol.“ Dann fühlen sich auch die Bürger wieder besser. Und ohne die Bürger klappt nichts.