Theaterclub AkTiV spielt "Die Wiedervereinigung der beiden Koreas"

Theater im Viertel : „Wir waren wie zwei Hälften. . .“

Saarbrücker Theaterclub „akTiV“ spielt Joël Pommerats „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“.

„Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ – geht’s hier um Politik? Mitnichten: Das gleichnamige Stück des Franzosen Joël Pommerat (Jahrgang 1963) handelt von Liebe. In insgesamt 20 tragikomischen Szenen beleuchtet der Schauspieler, Dramatiker und Regisseur diverse Facetten dieses so mächtigen wie schwierigen Gefühls.

Da dreht sich‘s unter anderem um Geld, Schwangerschaft, Warten, Kinder, Freundschaft und Scheidung. Eine Putzfrau hat sich von ihrem Mann getrennt; eine Mutter erwachsener Kinder beschließt, nach jahrzehntelanger Ehe ihren Gatten zu verlassen. Eine Frau und ein Mann warten gemeinsam auf ihre jeweiligen Partner. Ein Pastor gibt seiner langjährigen Geliebten den Laufpass, und eine geplante Hochzeit wächst sich zum Drama aus.

Auch das Geheimnis des sperrigen Titels wird gelüftet: „Wir waren wie zwei Hälften, die sich verloren hatten und sich wiederfanden. Es war … als wenn Nordkorea und Südkorea ihre Grenzen öffnen und sich wiedervereinigen würden“, hilft ein fürsorglicher Ehemann dem Gedächtnis seiner dementen Frau auf die Sprünge.

Elf dieser Episoden kommen nun auf die Bühne des Theaters im Viertel (TiV): Der Theaterclub „akTiV“ zeigt eine gekürzte Fassung der 2013 uraufgeführten Szenenfolge Pommerats. Ehrenamtlich geleitet wird der TiV-eigene Theaterclub von der Schauspielerin, Theaterpädagogin und Regisseurin Anja Breyer-Hahn. Das Handwerk hat sie an der Theaterwerkstatt Heidelberg gelernt und in Berlin, wo sie eine private Schauspielausildung absolvierte. Drei Jahre spielte sie bei der Völklinger Theatergruppe „Titania“ unter Jürgen Reitz und leitete danach ihr eigenes Ensemble „Theater UnArt“, das mangels Zeit auf Eis liegt.

„Die Wiedervereinigung ...“ ist ihre zweite Produktion mit dem TiV-Theaterclub: Im vergangenen Jahr führte Breyer-Hahn Regie bei Franz Xaver Kroetz‘ „Ich bin das Volk!“, nun hat sie sich wieder einen zeitgenössischen Dramatiker vorgeknöpft. „Ein Stück interessiert mich nur, wenn sich beim Lesen sofort Bilder einstellen“, sagt Breyer-Hahn. Das hängt mutmaßlich mit ihrem Brotberuf zusammen: Von Haus aus ist sie Architektin und fotografiert auch viel – sie denkt in Bildern.

Meist hat sie auch gleich ein Bühnenbild im Kopf und baut flugs drauf los. Außerdem fährt sie die Technik selbst, weil das Licht ja quasi Baustein der Gesamtarchitektur ist. Auch Musik ist ein zentrales Element ihrer Inszenierungen, aber dabei geht sie eher intuitiv vor. Während bei Kroetz Volkslieder ertönten, setzt Breyer-Hahn für den Pommerat auf Johnny Cashs Alterswerk: Die Brüchigkeit seiner reifen Stimme erinnerte sie an die Vergänglichkeit von Liebe.

Es war die Vielschichtigkeit des Pommerats, die Breyer-Hahns Interesse geweckt hat: „Das sind tieftraurige, widersprüchliche Texte“, erklärt sie. „Man könnte das entsprechend depressiv inszenieren, aber das wäre das Schlimmste, was man dem Stück antun könnte.“

Aktuell zählt „akTiV“ neun Aktive zwischen 20 und 70 Jahren. Mitmachen kann jeder ab 18 Jahren. Geprobt wird montags abends, vor Premieren natürlich öfter. Der Monatsbeitrag beträgt 45 Euro (35 Euro für Studierende).

Premiere morgen, Donnerstag, 20. Juni, 19.30 Uhr. Wieder: Fr/Sa 21./22. Juni, je 19.30 Uhr; So 23. Juni, 17 Uhr. Karten zu 12/7 Euro: (0681) 390 46 02. 
www.dastiv.de

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