Was dem Publikum sonst verborgen bleibt

Saarbrücken. Wo ist das Saarländische Staatstheater (SST) zu finden? Für einigermaßen Ortskundige scheint diese Frage leicht zu beantworten: Am Tbilisser Platz befindet sich die Hauptspielstätte - das sogenannte "Große Haus" -, am Landwehrplatz die kleinere Bühne in der Alten Feuerwache und in der Eisenbahnstraße die Sparte 4

Saarbrücken. Wo ist das Saarländische Staatstheater (SST) zu finden? Für einigermaßen Ortskundige scheint diese Frage leicht zu beantworten: Am Tbilisser Platz befindet sich die Hauptspielstätte - das sogenannte "Große Haus" -, am Landwehrplatz die kleinere Bühne in der Alten Feuerwache und in der Eisenbahnstraße die Sparte 4. Wer genauer hinschaut, entdeckt Domizile des SST jedoch auch noch anderswo in der Stadt. Mit Ellen Brüwer, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Staatstheaters, machen wir uns auf zu einer Erkundungstour quer durch die Stadt. Ausgangspunkt ist das Große Haus, Treffpunkt jedoch ist nicht der Haupteingang, durch den man als Theaterbesucher ins Foyer gelangt, sondern der Seiteneingang, durch den die Schauspieler, Musiker, Regisseure, Dramaturgen und sonstigen Mitarbeiter des SST zu ihrem Arbeitsplatz gelangen. Wer gerade Pause macht, trifft sich mit Kollegen in der Kantine im Souterrain, wer auf jemanden wartet, nimmt auf einem der - ziemlich ausgeleierten Sofas - in einer Nische vor dem Treppenhaus Platz. "Bahnhof" nennen die Theaterleute diese Warteecke, denn hier geht es zu wie auf einem Bahngleis: Vor allem vor Proben herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.Neben der Hauptbühne, die man als Zuschauer kennt, befinden sich im Großen Haus noch weitere Bühnen, die zu Probezwecken genutzt werden, nicht zu vergessen: der Ballettsaal, ein großer Raum mit Schwingboden und Spiegelwänden. Hier feilen die Tänzer an neuen Choreografien. Auch die Schneiderei, die Maske und ein kleiner Fundus, in dem die Kostüme für die aktuellen Produktionen in Reih' und Glied an langen Garderobenstangen hängen, finden im Hauptsitz des Theaters Platz. Der eigentliche Fundus mit einem gigantischen Schatz an Kostümen jedoch befindet sich in Gersweiler, einem der Ziele unserer kleinen Rundreise auf den Spuren des SST (ausführlicher Bericht folgt).

Auch am zweiten, allgemein bekannten Sitz des Staatstheaters, in der Alten Feuerwache, gibt es Räume, die dem Theaterbesucher verborgen bleiben: In den Obergeschossen hat das Theater acht Künstlerwohnungen eingerichtet, die es seit September 2010 Regisseuren, Dramaturgen und Schauspielern anbietet, die für einzelne Produktionen verpflichtet werden. Sie finden dort eine Bleibe auf Zeit, in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt und den Spielstätten. Zwei Theaterwohnungen befinden sich auch Am Schillerplatz 2, wo auch die Vorverkaufskasse und zwei Büroräume des SST untergebracht sind. Eine weitere Unterkunft für Gäste bietet das SST in einer Wohnung am Eschberger Weg an. Wer hier unterkommt, hat es nicht weit zur "neuen Probebühne", die das Theater seit Januar 2008 in den Räumen der ehemaligen Telefilm Saar gemietet hat. "Durch die Schließung der Spielstätte Theater St. Arnual im Jahr 2005 hatten wir bei den Proben ein Platzproblem, für das eine Lösung gefunden werden musste", erklärt Ellen Brüwer. Am Eschberger Weg hat das Theater gleich zwei Probebühnen eingerichtet: eine große, die vor allem für Schauspielproduktionen genutzt wird, und eine kleine, die unter anderem von der Sparte 4 genutzt wird.

Letzte Station der "Tour de Théâtre" ist die Heinrich-Böcking-Straße, wo seit 1990 die Theaterwerkstätten beherbergt sind. Theatermaler, Plastiker, Schreiner, Schlosser und Mitarbeiter der Dekoabteilung schaffen hier die Bühnenbilder, die als Kulissen für Opern, Theater- und Ballettvorführungen dienen. "Wir haben insgesamt 24 Mitarbeiter", erzählt Werkstattleiter Peter Frenzel bei einem Rundgang durch die einzelnen Abteilungen. Es ist, als ginge man durch die Werkstatt eines Riesen: In der Dekoabteilung gibt es Garnrollen in Konservenbüchsengröße, auf dem Boden des Malersaals entstehen mit Hilfe besenlanger "Pinsel" Bühnengemälde im XXL-Format. Der Materialverbrauch ist immens: So werden nach Auskunft von Peter Frenzel in der Schreinerei pro Jahr zwischen 25 000 bis 30 000 Meter Konstruktionslatten verbaut. Wenn im Großen Haus oder der Alten Feuerwache der Vorhang aufgeht, und die nach Entwürfen des jeweiligen Bühnenbildners geschaffene Kulisse die Zuschauer in eine andere Welt versetzt, sind die Mitarbeiter der Werkstatt längst schon mit der Herstellung des "Meublements" für die nächsten Produktionen beschäftigt.