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Saarbrücken: Graffiti weg binnen 24 Stunden

Notdürftig übertüncht wurden erst nach öffentlichem Druck extremistische Parolen in der Unterführung am Völklinger Alten Brühl. SZ-Archivfoto: Jenal
Notdürftig übertüncht wurden erst nach öffentlichem Druck extremistische Parolen in der Unterführung am Völklinger Alten Brühl. SZ-Archivfoto: Jenal
Saarbrücken. Vergeblich forderte der Völklinger Sicherheitsbeirat bereits vor Jahren eine schnelle Eingreiftruppe für die Hüttenstadt. Die Stadt Saarbrücken rüstet derweil im Kampf gegen Farbschmierereien an öffentlichen Flächen auf. Mit Stefan Behr vom Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetrieb (ZKE) hat sogar ein „Graffiti-Koordinator“ seine Tätigkeit aufgenommen. Von SZ-Redakteur Peter Wagner

. Bis zu 330 000 Euro aus Haushaltsmitteln will die Stadt Saarbrücken in diesem Jahr im Kampf gegen Farbschmierereien an öffentlichen Wänden und Einrichtungen ausgegeben. Bernd Selzner, Werkleiter des ZKE, kann das Ziel klar formulieren: Jede neue Markierung (im Jargon "Tag" genannt) soll spätestens 24 Stunden nach Entdeckung beseitigt sein, also keine Chance haben zu wirken - weder auf den durchschnittlichen Betrachter, der das Werk als störend empfindet, noch auf den "Künstler", dem man nachsagt, er sähe sein Werk gern möglichst lange. Graffiti gelten grundsätzlich als unerwünscht, "Sachbeschädiger sind keine Künstler", zeigt sich Bezirksbürgermeisterin Christa Piper (SPD) unnachgiebig. Ausnahmen sind die ausdrücklich für Sprayer frei gegebenen Wände. Graffiti an entlegenen Orten sollen ebenfalls belassen werden, wenn der Reinigungsaufwand zu hoch ist.

Der zuständige Ausschuss des Stadtrates hat in seiner jüngsten Sitzung eine Liste von öffentlichen Objekten beschlossen, die mit einem so genannten Permanentschutz versehen werden sollen. Es handelt sich vor allem um Flächen in den belebten Innenstadtlagen, die regelmäßig beschmiert und besprüht werden, so die Berliner Promenade, einige Brücken und deren Pfeiler, die Treppe am Finanzamt, das Rathaus und die Stützwand am Staatstheater. Der Permanentschutz soll eine schnelle und gründliche Beseitigung von Farben erlauben, Faustregel: einmal wegwischen kostet nur ein Zehntel der Reinigung im Vergleich mit einer unbehandelten Wand.

Seit Herbst ist in Saarbrücken ein "Graffiti-Koordinator" benannt. Es ist der ZKE-Mitarbeiter Stefan Behr. Der 50-Jährige aus Saarbrücken ist seit 1978 bei der Stadtreinigung und gelernter Kfz-Mechanikermeister. Er ist Ansprechperson und Berater rund um das Thema Graffiti, er nimmt Meldungen über neue "Funde" entgegen, organisiert die Beseitigung (durch eine spezialisierte Firma mit Jahresauftrag) und erstattet Anzeigen bei Polizei und Staatsanwaltschaft. Wiewohl die Aufklärungsquote bei Sachbeschädigung durch Graffiti "nahe Null" (Selzner) tendiert, will man bei der Verfolgung nicht nachgeben. Stefan Behr verfügt inzwischen über eine Computer-Software, mit der eine Graffiti-Datenbank aufgebaut wird. Jede einzelne "Tat" wird mit Foto und allen bekannten Informationen in einem Stadtplan verzeichnet und ist auf Knopfdruck abrufbar.

Behr hat seit Herbst etwa 40 Meldungen über Graffiti auf den Tisch bekommen, die meisten übrigens von Arbeitskollegen und nicht aus der Bevölkerung. Der "Graffiti-Koordinator" und ZKE-Chef Selzner wünschten sich, dass die Graffiti auch von privaten Flächen möglichst rasch verschwinden.