Reicht das Geld für die Berliner Promenade?

Die Tore, die die weniger schönen Ecken unter der Promenade verbergen sollen, sind zu teuer. Und für die Lücke, die durch den Abriss des Drescher-Hauses im Herbst vergangenen Jahres entstanden ist, ist noch kein Investor gefunden.

Saarbrücken. Die Stadtverwaltung hat alles im Griff. So lautete die Botschaft von Saarbrückens Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer, als der Beton der neuen Berliner-Promenaden-Treppe Mitte Mai Risse zeigte. Da werde nachgearbeitet, bis zum Saar-Spektakel am ersten August-Wochenende sei die Promenade fertig. Nun zeigt sich: Die Stadtverwaltung hat auf der Promenade mehr Probleme als Risse im Beton.Bereits vor fünf Wochen hatte Wandel-Hoefer eingeräumt, dass die Rolltore, die die Parkplätze unter der Promenade abschirmen sollen, nicht bis zum Saar-Spektakel eingebaut werden. Auch nach der zweiten Ausschreibung lagen alle Firmenangebote deutlich über der Summe, die die Stadt für die Tore kalkuliert hatte. "Das geht günstiger", sagte die Baudezernentin. Erst im September wird der Bauausschuss des Stadtrats entscheiden, ob es eine dritte Ausschreibung gibt.

Es wird überlegt, auf die Tore zu verzichten. Nicht nur wegen der Anschaffungskosten. "Vor allem die Wartungs- und Folgekosten wären sehr hoch", erklärte Stadtsprecher Robert Mertes jetzt auf Anfrage. Um die Kosten zu senken, könne womöglich eine einfachere Tortechnik angeschafft werden, sagt Mertes. Alternativ dazu werde über "ein sehr aufwendiges Herrichten der gesamten Unter-Ansichten mit Ausbesserungen, Aufräumen, einheitlichem Anstrich und Graffiti-Schutz" nachgedacht. Im Klartext: keine Tore.

Probleme bereitet der Stadt auch der Verkauf des Grundstücks, auf dem das Drescher- Haus stand. Dazu hat kein Investor ein Angebot abgegeben. Erst als die Ausschreibungsfrist abgelaufen war, haben sich Interessenten gemeldet. Mit denen werde jetzt verhandelt, sagt Mertes. Mit gut zwei Millionen Euro sei der Kaufpreis zu hoch angesetzt, heißt es in Saarbrücker Maklerkreisen. Das Grundstück sei gerade mal die Hälfte wert. Mertes verweist auf den unabhängigen Gutachterausschuss, der den Preis festgelegt habe.

Auch im Bauausschuss war die Berliner Promenade ein großes Thema. Die Antworten Rena Wandel-Hoefers auf die Anfrage der Grünen sorgten für großes Staunen. Denn die Dezernentin teilte mit, im Gegensatz zum Aufzug an der Treppe der Berliner Promenade sei der zweite Aufzug in Höhe der Schifferstraße nicht fahrradgerecht. Das gefiel Grünen-Politiker Guido Vogel-Latz gar nicht.

Stadtsprecher Robert Mertes erklärte dazu: "Die angehobene Schifferstraße ist keine Haupt-Fahrradverbindung." Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen könnten den Fahrstuhl nutzen. Mertes ergänzt: "Auf dem oberen Promenadensteg und in den Gassen sollen Radfahrer aus Rücksicht auf Fußgänger auf der Promenade nur langsam fahren oder schieben."

Mertes musste auch zugeben, dass im Gegensatz zur Treppe der Aufzug an der Wilhelm-Heinrich-Brücke nicht rechtzeitig zum Saar-Spektakel fertig werde. "Die Elektroinstallations-Arbeiten konnten noch nicht abgeschlossen werden, da auch die Rolltore an der Elektronik hängen."

Ein weiteres Thema im Ausschuss war das zurzeit noch fehlende Grün auf der Promenade. Am Saarufer sollen 17 Bäume gepflanzt werden, auf dem Rabbiner-Rülf-Platz 14 Schattenspender, erklärte Mertes.

Warum nur so wenige am Saarufer? "Die Bäume sind angeordnet wie am Staden, so dass sie große Kronen bilden können."

Meinung

Hoffnung in Beton versenkt

Von SZ-RedakteurMartin Rolshausen

In Beton kann man viel verschwinden lassen. Das kennt man aus Mafia-Filmen. Während dort in der Regel Leichen im Beton versenkt werden, beerdigt unsere Stadtverwaltung im Beton der neuen Berliner Promenade gerade ihre Glaubwürdigkeit und die Hoffnung vieler Bürger auf eine gelungene Erneuerung ihrer Stadt.

Ohne die Tore, die die weniger schönen Seiten der neuen Promenade verdecken sollen, bliebe die Sanierung der Promenade halbherziger Murks. Zumal man die alten Bäume, die den Blick auf die Dreckecken unter der Promenade bisher zumindest teilweise verdeckten, schon gefällt hat.

 Die Stadt hat große Probleme, einen Investor für das Drescher-Grundstück zu finden.
Die Stadt hat große Probleme, einen Investor für das Drescher-Grundstück zu finden.

Und wer würde einer Oberbürgermeisterin und einer Baudezernentin, die nicht mal dieses 26-Millionen-Euro-Projekt auf die Reihe kriegen, zutrauen, einen Tunnel im Herzen der Stadt zu graben?