Kinder aus Tschernobyl freuen sich auf Ferien im Saarland

Auch Jahrzehnte nach der Katastrophe von Tschernobyl leiden vor allem Kinder an den Folgen. Seit 1994 können sich die Heranwachsenden, deren Immunsystem geschwächt ist, bei Aufenthalten im Saarland erholen.

"Vor allem hat mir die Gastfamilie gefallen, aber auch der lustige Zauberer, das Karussellfahren und unser Konzert." So beantwortete die 11-jährige Anna Muljuk aus Shitkowitschi in Weißrussland im Sommer 2013 die Frage, was ihr besonders am Erholungsaufenthalt in Deutschland gefallen hat.

Im Sommer 1994 kamen erstmals sieben weißrussische Kinder aus dem durch die Atomreaktorkatastrophe von Tschernobyl verstrahlten Gebiet ins Saarland. Auch 20 Jahre später organisiert die Saarländische Kinderhilfe im Sommer wieder eine dreiwöchige Kindererholung für Kinder aus der Region um Tschernobyl.

Am 26. April 1986 explodiert der Reaktor. Noch heute leiden die Menschen dort unter den unsichtbaren Gefahren der Verstrahlung. "Betroffene dieser Umweltkatastrophe sind insbesondere die Kinder, deren Immunsystem geschwächt ist, und die unserer besonderen Hilfe bedürfen", sagt Peter Chodorski, Vorsitzender der Saarländischen Kinderhilfe - Leben nach Tschernobyl. Seit 1994 konnten fast 900 weißrussische Kinder ihre Ferien bei saarländischen Gastfamilien verbringen. Vom 19. Juli bis 12. August werden wieder dringend Gastfamilien gesucht. "Jede Gastfamilie, die wir für die Kindererholung gewinnen können, bedeutet für ein Kind aus einem weißrussischen Dorf ein unvergessliches Erlebnis und ein wenig Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Deshalb engagieren wir uns für diese Kinder, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen", erklärt Chodorski. Für Abwechslung sorgt ein von der Saarländischen Kinderhilfe organisiertes und finanziertes Ferienprogramm. So standen in den vergangenen Jahren unter anderem die Besichtigung des Flughafens Saarbrücken sowie ein Besuch beim Saarländischen Rundfunk und des Saarbrücker Zoos auf dem Programm. 2013 durften die weißrussischen Kinder mit einem eigens einstudierten Lied beim Benefizkonzert mit dem Bosch Orchester Homburg auftreten. "Wer bei den Veranstaltungen in die leuchtenden Augen der Kinder blickt, der empfindet unmittelbar, wie wohl sich diese Kinder bei uns fühlen", berichtet Herbert Keilbach, dessen Familie bereits seit Jahren weißrussische Kinder aufnimmt.

Info: Peter Chodorski (Tel. (0 68 42) 15 19