Ehrgeiz macht sich breit

Für die Teilnehmer der Laufschule wird es ernst: Der Lauf in Hilbringen steht bald an, die Gruppe trainiert nun schon alle zwei Tage. Vergangene Woche gab es daher Ratschläge von 1500-Meter-Athletin Annett Horna.

Die SZ-Leser trainieren mit 1500-Meter-Läuferin Annett Horna (Mitte, rote Schuhe) und Bundestrainer Werner Klein (3. v. l.). Foto: Ruppenthal. Foto: Ruppenthal

"Ach, das bisschen Regen", sagt Werner Klein und blickt aus dem Vorraum der Mensa an der Saarbrücker Landessportschule auf die Straße, wo der Regen in dichten Schwaden vor sich hintreibt. Die Teilnehmer der Laufschule der Bitburger Brauerei und der Saarbrücker Zeitung widersprechen ihm nicht. Und es scheint, als sei es nicht nur Werner Kleins Autorität als Leichtathletik-Nationaltrainer. Da ist auch viel Entschlossenheit in den Blicken, dem Regen zu trotzen. Vielleicht liegt es auch daran, dass Annett Horna da steht - die deutsche Meisterin über die 1500 Meter.

Sie wird die Gruppe an diesem Abend begleiten und ein wenig aus dem Spitzensportler-Nähkästchen plaudern. Um kurz nach 18 Uhr geht es los - und vom einen auf den anderen Moment tut sich der Himmel auf und die Sonne scheint. Zwei Mal zwölf Minuten mit vier Minuten Geh-Pause stehen dieses Mal an. Eine Strecke und Zeit, die wohl ein Großteil noch vor wenigen Wochen kaum geschafft hätte. "Ich merke, dass die Kondition langsam besser wird", sagt Iris Thiel aus Saarbrücken. Zumal sie die Hausaufgaben, die Klein den Teilnehmern jede Woche mitgibt, nicht einfach nebenher bewältigt. Jeden zweiten Tag läuft die Gruppe. Und es wird noch mehr. "Diese Woche wird relativ stramm", sagt selbst Klein.

Nicht mehr alle Teilnehmer sind dabei, auch wenn Klein mit "deutlich mehr Ausschuss" gerechnet hat. Es spricht für die Verbliebenen, auch wenn der Weg beschwerlich ist. "Ja, es ist schon anstrengend. Aber es ist schon besser geworden", sagt Klaus Bieber aus Homburg. Aussteigen musste Jana Schmidt aus St. Wendel. Ihr war die Doppelbelastung zu hoch. Sie steckt mitten in Prüfungen. Und viel Zeit und Nerven zum Trainieren bleibt da nicht. Aber der Rest beißt sich durch.

Zum Abschluss erzählt Annett Horna von ihrem Leben als Leichtathletin. Da kommen schon einmal 120 Kilometer zusammen, verteilt auf bis zu elf Trainingseinheiten in der Woche. Das sind natürlich Welten zu den Teilnehmern, die staunenden Blickes zuhören. Aber: So groß die Unterschiede zwischen ihnen sind, Horna sagt doch einen Satz, mit dem sie wohl alle etwas anfangen können: "Wichtig ist, dass ihr euer Training an eure eigenen Bedürfnisse anpasst." Schließlich ist auch die Gruppe außerordentlich heterogen, vom über 50-Jährigen bis zu Teilnehmerinnen Mitte 20.

Neben der Kondition hat sich noch etwas verändert. Die meisten hatten zu Beginn der fünf Wochen noch gesagt, dass sie vor allem für sich selbst laufen wollten, für die Gesundheit oder ein angemesseneres Körpergewicht. Und jetzt ist plötzlich auch Ehrgeiz zu spüren. "Ich will doch diese fünf Kilometer schaffen", sagt Thiel entschlossen. Am Sonntag beim Fünf-Kilometer-Lauf in Hilbringen werden sie es wissen. Es ist Regen gemeldet. Stören wird das wohl auch dann niemanden.

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