Neuschwansteins Weg ins Leonardo

Eine lebendige Musikszene lebt nicht nur von und mit den großen Konzerten. Herzstück des kulturellen Stadtlebens sind auch Musikkneipen, die regelmäßig Auftrittsmöglichkeiten bieten. Wir stellen diese Kneipen und ihre Betreiber vor. Heute: das Leonardo in der Saarbrücker Kappengasse.

Vor sieben Jahren übernahm der Unternehmens- und Personalberater Dr. Hans Peter Schwarz (59) das Leonardo in der Kappengasse und erfüllte sich damit einen Herzenswunsch: "Ich wollte schon immer ein eigenes Lokal. Das Leonardo ist mein Hobby. Ohne meine Lebensgefährtin Cornelia, die das Geschäft zum Großteil führt, wäre es auch zeitlich für mich gar nicht zu bewältigen", beschreibt er.

Weil Schwarz jemand ist, der auf sein Herz hört, koppelte er gleich noch eine andere Leidenschaft ans Leonardo: Live-Musik. Seit über einem Jahr veranstaltet er 14-tägig immer montags Konzerte.

Als junger Mann stand Schwarz selbst als Drummer der progressiven Rockband "Neuschwanstein" viele Jahre auf der Bühne. "Wir haben auch eine LP und eine CD Mitte der 70er und 90er-Jahre veröffentlicht", erinnert er sich und verschweigt, dass sich die Alben der Völklinger Band bis heute bei Musikkennern großer Beliebtheit erfreuen und in verschiedensten Musikforen hoch gelobt werden.

Doch die Zeit als aktiver Musiker ist vorbei, nicht aber der Wunsch, jungen Musikern "eine Plattform" zu bieten, "ihre Musik einem interessierten Publikum vorzustellen". Seine Idee: Er engagiert junge, professionelle Musiker der Hochschule für Musik Saar, die hier einen Bachelor-, Master- oder Solisten-Studiengang absolvieren: "Warum sollte man das große Potenzial der Hochschule nicht auch nutzen?" sagt er achselzuckend. "Die jungen Musikprofis und Bands sind bestens ausgebildet und können im Leonardo Live-Erfahrungen sammeln, auf Tuchfühlung mit dem Publikum gehen."

Und es hat noch einen anderen Vorteil: Die Master-Studenten bieten eine große Bandbreite an Musikstilen. "Hier hört man Klassik, Jazz, Pop, Singer-Songwriter, aber auch elektronische Musik und experimentelle Stile. Alles dabei."

Damit der Laden voll ist, führt Schwarz akribisch einen Newsletter. Wer im Verteiler ist, "bekommt eine Menge Mails", sagt er lachend, "zudem machen wir Plakatwerbung, drucken Flyer, informieren die Presse, nutzen Facebook, um auf Konzerte aufmerksam zu machen." Denn ein Selbstläufer sei die Konzertreihe auch nach einem Jahr nicht. "Werbung muss man machen. Auch für so einen kleinen Laden wie das Leonardo."

Durchschnittlich zählt Schwarz etwa 35 bis 40 Gäste, "viel Stammpublikum, aber auch viele, die mit den Musikern befreundet sind". Den unterschiedlichen Musikstilen folgt ein nicht minder buntes Publikum: "Bei mir trifft sich alles: Richter, Ärzte, Angestellte des öffentlichen Dienstes, aber auch Hartz-4-Empfänger. Mir gefällt die Mischung. Allen gemein ist, dass sie es zu schätzen wissen, wenn junge Künstler ihre Musik darbieten. Es sind dann wirklich nur Leute da, die wegen der Musik kommen."

Eintritt verlangt er nicht, aber "am Ende lassen wir einen Hut rumgehen". Etwa 150 bis 200 Euro kämen so als Gage zusammen. Schwarz wirkt zufrieden. "Das Konzept geht auf."

Leonardo, Kappengasse 1. Konzerte immer montags. Kontakt: (06 81) 390 85 05, info@leonardo-saarbruecken.de

leonardo-saarbruecken.de

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