Selbst neue Busse haben Tücken

Acht neue Stadtbusse gehören jetzt zum Fuhrpark der Saarbahn GmbH. Sie erleichtern Behinderten das Einsteigen. Betroffenen genügt das nicht. Sie vermissen Möglichkeiten, den Rollstuhl festzuschnallen.

Acht neue Stadtbusse stehen für den Saarbrücker Nahverkehr bereit. Im August nahm die Saarbahn GmbH die Fahrzeuge in Betrieb (die SZ berichtete). Die neuen Busse seien behindertengerecht, da sie gehandicapten Mitfahrern durch eingebaute Klapprampen und dem Senken der Karosserie auf Bordsteinhöhe den Einstieg erleichtern.

SZ-Leser Hermann Mottweiler reicht das nicht. Er sitzt seit Jahrzehnten im Rollstuhl. Seine Knochen könnten deshalb leicht brechen. Die Busse brauchten daher Anschnallmöglichkeiten an den Rollstuhlplätzen. "Sind die neuen Busse nun wirklich behindertengerecht?", fragt Mottweiler.

Der städtischen Behindertenbeauftragten Dunja Fuhrmann ist nicht bekannt, ob die Stadtbusse Anschnallmöglichkeiten haben. Außerdem gebe es viele Rollstuhlmodelle mit unterschiedlichen Sitzbreiten. Deshalb passe nicht jedes Modell an solch einen Gurt.

"Die Feststellbremse am Rollstuhl müsste während der Fahrt ausreichen. Anschnallmöglichkeiten gibt es in unseren Bussen und Bahnen nicht", sagt Saarbahn-Sprecherin Sarah Schmitt. Gurte gehörten nicht zur Standardausstattung in Nahverkehrsbussen.

Fuhrmann gibt zu bedenken, dass die Feststellbremse allein dem Rollstuhlinsassen bei einer Vollbremsung womöglich nicht genug Sicherheit bietet. Die solle ja nur den Rollstuhl am Wegrollen hindern.

Auch seien neuere Rollstuhlmodelle nicht besser für Bus- und Bahnfahrten geeignet. Seit März 2010 würden Rollstühle zwar nach neuen Crashtestrichtlinien gebaut. Diese seien aber nur für Spezialfahrzeuge gedacht, die Rollstuhlfahrern noch zusätzliche Gurte bieten.

Mit Barrierefreiheit kann aber die Saarbrücker Stadtbus-Flotte durchaus punkten, wie die Pressestelle der Saarbahn GmbH betont. Alle 127 Busse des Unternehmens hätten moderne Niederflurtechnik. Die Busse seien so konstruiert, dass sie sich beim Einstieg um etwa acht Zentimeter senken. Außerdem können Busfahrer Rampen ausklappen.

Das passiere aber nicht immer, sagt Karlfried Thiel. Er sitzt im Elektrorollstuhl und ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Er benötigt die Klapprampe, um in einen Bus einzusteigen. Wenn er, Thiel, jedoch Richtung Winterberg wolle, verweigerten ihm Fahrer oft diese Einstiegshilfe. Dann könne er nicht mitfahren und müsse auf den nächsten Bus warten. 15 Mal sei ihm das schon passiert. Andererseits lobt Thiel aber auch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft vieler Fahrer.

Zu solcher Hilfsbereitschaft seien die Busfahrer der Saarbahn GmbH auch verpflichtet, wie Sarah Schmitt betont. "Vor dem Einsteigen in den Bus sollte sich ein mobilitätseingeschränkter Fahrgast beim Fahrer vorne zu erkennen geben, wenn er Hilfe braucht", sagt sie. Sollte diese Hilfe im vorliegenden Fall ausgeblieben sein, "dann tut uns das sehr Leid". Schmitt: "Ich kann den Fahrgast nur bitten, uns eine Meldung an unser Kundenmanagement zukommen zu lassen, dann können wir diesen Vorgang intern verfolgen."

Und was ist mit Hermann Mottweiler und seinem Wunsch, gefahrlos die Saarbrücker Nahverkehrsbusse zu benutzen? Die Behindertenbeauftragte Dunja Fuhrmann erklärt, dass für Rollstuhlfahrer immer ein gewisses Risiko bleibe, wenn sie den Bus nutzen. Zur eigenen Sicherheit könnten sich Rollstuhlfahrer festhalten und versuchen, "sich einzukeilen". Eine "super Lösung" sei das aber auch nicht.

Mehr von Saarbrücker Zeitung