Die Kunden fragen: Woher kommen die Fernwärme-Zahlen?

Saarbrücken. Eine Wärmebedarfsermittlung ist für die Ein- und Zweifamilienhäuser auf dem oberen Eschberg nicht nötig - das erklärte Christoph Schmitt, Fachbereichsleiter Fernwärmenetze der Stadtwerke Saarbrücken (SWS), am Montagabend bei der Versammlung der Fernwärmekunden (die SZ berichtete)

Saarbrücken. Eine Wärmebedarfsermittlung ist für die Ein- und Zweifamilienhäuser auf dem oberen Eschberg nicht nötig - das erklärte Christoph Schmitt, Fachbereichsleiter Fernwärmenetze der Stadtwerke Saarbrücken (SWS), am Montagabend bei der Versammlung der Fernwärmekunden (die SZ berichtete).Wenn die Eigentümer dieser Häuser ihre Heizung und ihren Warmwasseranschluss mit Fernwärme betreiben und nun den Fernwärme-Anschlusswert (AW) korrigieren lassen wollen, dann empfiehlt Schmitt folgende Richtwerte: für ein Einfamilienhaus mindestens 20 Kilowatt (kw), für ein Zweifamilienhaus, in dem nur eine Familie lebt, mindestens 25 kw und für ein Zweifamilienhaus, in dem zwei Parteien wohnen, 30 kw. Laut Schmitt sind das Erfahrungswerte der SWS, und wer einen niedrigeren AW wählt, der riskiert, dass er manchmal nicht genug warmes Wasser hat. Das bestätigte auch der unabhängige Energieberater Peter Szesni. In den neuen ESLL-Verträgen heißt der Anschlusswert "beauftragte Wärmeleistung", auf dem Preisblatt taucht er als "Leistung" im "Leistungspreis" auf. Ein Bürger erklärte, ESLL habe ihren Kunden ja Anfang Dezember neue, komplett ausgefüllte Verträge geschickt: "Und in dem Vertrag, den ich unterschreiben soll, steht als beauftragte Wärmeleistung schon 15 kw. Woher kommen diese Zahlen? Wer hat die erfunden?" Die Antwort gab ihm der Saarbrücker Ex-Bürgermeister Helmut Müller, der einfach als Fernwärmekunde da war: "Diese Werte wurden beim Erstabschluss festgelegt. Und wenn wir Energiesparmaßnahmen am Haus getroffen haben, wurde das nie berücksichtigt. Auch die SWS haben uns nie darauf aufmerksam gemacht." Mehrere Bürger beklagten, dass sie "jahrelang" höhere AW bezahlt hätten, als sie eigentlich brauchten - und jetzt müssten sie fürs Herunterregeln des AW auch noch 62 Euro an die SWS überweisen. Die Stadtverordnete Edith Eckert, die ebenfalls nur als Kundin da war, stellte fest: "In den neuen Verträgen hat ESLL den Preis für Anschlusswerte ab 20 kw um rund 60 Prozent erhöht." Die Sprecherin der Interessengemeinschaft Eschberger Fernwärmekunden (IEF), Marlene Hoffmann, warf die Frage auf, warum in Völklingen der AW bis zu stattlichen 120 kw generell pro Jahr nur 110 Euro kostet. Hoffmann versprach: "Wir werden uns bei ESLL schriftlich erkundigen, warum das in Völklingen geht und nicht in Saarbrücken."

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