Als Kaiser Karl V. hier rastete

Stöbert man durch alte Saarbrücker Postkarten, dann taucht aus den verschiedensten Zeiten immer wieder ein Motiv auf: die Alte Brücke, die schon vor 466 Jahren die kleinen Städtchen Saarbrücken und St. Johann miteinander verband.

Auf dieser Seite haben wir ein paar der zahlreichen Motive zusammengestellt, auf denen die älteste Brücke des Saarlandes zu sehen ist.

Weiter flussaufwärts, im Bereich des heutigen St. Arnual, hatte es bereits zuvor unter römischer Besiedlung eine feste Brücke gegeben, doch die war im Laufe des frühen Mittelalters verschwunden. Auch an der Stelle der Alten Brücke konnte man schon früher über die Saar gelangen: Kähne waren im Fluss verankert, die mit Holzplanken verbunden waren. Besonders stabil war das offenbar nicht. Jedenfalls soll Kaiser Karl V. (1500-1558) hier zu einer unfreiwilligen mehrtägigen Rast gezwungen gewesen sein, als er infolge eines Hochwassers die Saar nicht überqueren konnte. Das soll der Grund gewesen sein, warum Graf Philipp II. von Nassau-Saarbrücken in den Jahren 1546/47 die Brücke errichten ließ.

Im Laufe ihrer Geschichte erlebte sie kleinere und größere Zerstörungen und Umbauten. So sind heute nur noch acht der einst 14 steinernen Bögen übrig - wobei die meisten der ursprünglichen Bögen nicht über den Fluss führten, sondern, immer kleiner werdend, auf St. Johanner Seite den Höhenunterschied zwischen Flussufer und dem eigentlichen Ort ausglichen.

Der erste Bogen verschwand schon 1763 auf Saarbrücker Seite im Zuge einer Uferbegradigung. Eine "patriotische" Erweiterung gab es 1904: Am mittleren Bogen über der Saar wurde flussabwärts angebaut, um dort ein Reiterstandbild in Erinnerung an Kaiser Wilhelm I. aufzustellen (siehe Artikel rechts). Mit dem Bau des späteren Staatstheaters vor 75 Jahren ging dann der erste kleine Bogen auf St. Johanner Seite verloren.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke stark beschädigt, bei den Reparaturen unmittelbar nach dem Krieg verschwanden auch das Reiterdenkmal und die Bogenverlängerung wieder. Doch viel stärker als der Krieg griffen die Stadtplaner in den Bestand der Brücke und ihres Umfeldes ein: Insbesondere bei einem Luftangriff in der Nacht zum 6. Oktober 1944 wurden große Teile Alt-Saarbrückens zerstört, auch viele Häuser und Geschäfte der im Laufe von Jahrhunderten natürlich gewachsenen "Stadtmitte am Fluss" wurden schwer beschädigt und nicht wieder aufgebaut. Was übrig war, wurde abgerissen.

1961 bis 1963 wurde dort die Stadtautobahn gebaut, gleichzeitig wurde sogar ein Teil des Schlossbergs abgetragen und die Schlossmauer um 17 Meter zurückversetzt, um neben der Autobahn Platz für die spätere Franz-Josef-Röder-Straße zu schaffen. Die Alte Brücke führte dadurch plötzlich ins Leere und wurde kurzerhand durch einen Stahlanbau über die Autobahn hinweg verlängert. Ein Jahrhunderte alter Dreh- und Angelpunkt für den Verkehr, über den zeitweilig sogar die Straßenbahn fuhr, wurde dadurch zur Fußgängerbrücke - die heute allerdings auch nicht mehr für schwereren Verkehr geeignet wäre.

Vier weitere der Bögen auf St. Johanner Seite verschwanden beim Bau von Finanzministerium und Tbilisser Platz. 1973 sollte die Brücke im Zuge der Saarkanalisierung sogar komplett abgerissen werden, da die Bögen für sogenannte Europaschiffe nicht hoch genug waren. Doch letztendlich wurde auf den kompletten Ausbau der Saar bis zum Osthafen verzichtet, was die Brücke rettete.

Zum Thema:

Auf einen BlickDirekt hinter der Brücke links stand auf Saarbrücker Seite das von Friedrich-Joachim Stengel (1694-1787) erbaute "Palais Günderode", dort war der junge Goethe im Juni 1770 drei Tage Gast des Kammerpräsidenten Hieronymus Maximilian von Günderode (was Goethe in seiner Autobiografie "Dichtung und Wahrheit" sehr wohlwollend beschreibt). Das Haus verschwand irgendwann zwischen 1890 und 1910.Auch das erste Saarbrücker Kaufhaus stand direkt an der Schlossmauer hinter der Alten Brücke: Das "Waaren-Haus zur Schlossfreiheit - L.A.Leiner" wurde 1896/97 durch Ludwig August Leiner errichtet. Am 5./6. Oktober 1944 wurde es von einer Brandbombe getroffen, was übrig blieb, verschwand mit dem Bau der Stadtautobahn. mr