1. Saarland

Eine Brücke zu Ehren Barbarossas

Eine Brücke zu Ehren Barbarossas

Saarbrücken. Schon im frühen 19. Jahrhundert wurden an der Saar viele Brücken gebaut - nur in Saarbrücken nicht. Hier ging es erst zum Ende des Jahrhunderts richtig los. So war die dritte der Saarbrücker Brücken die 1894 eingeweihte "Kaiser-Wilhelm-Brücke". Sie verband nun die nach Westen gewachsene Stadt mit Malstatt-Burbach

Saarbrücken. Schon im frühen 19. Jahrhundert wurden an der Saar viele Brücken gebaut - nur in Saarbrücken nicht. Hier ging es erst zum Ende des Jahrhunderts richtig los. So war die dritte der Saarbrücker Brücken die 1894 eingeweihte "Kaiser-Wilhelm-Brücke". Sie verband nun die nach Westen gewachsene Stadt mit Malstatt-Burbach. Eine auf alten Fotos markant wirkende Stahlgitterbrücke war das, die Ende des Zweiten Weltkriegs gesprengt wurde. Ihre Nachfolgerin ist die heutige Malstatter Brücke. Am 19. August 1955 wurde sie für den Verkehr freigegeben.

In Güdingen führte übrigens, fast zwei Jahrzehnte nach dem Bau der "Kaiser-Wilhelm-Brücke" in Malstatt, auch eine "Kaiser-Wilhelm-Brücke" über die Saar. Am 26. April 1913 ist sie in Betrieb genommen worden, war eine der ersten Betonbrücken - und wurde hoch gelobt. Sie sei "das schönste und kühnste Brückenbauwerk im Regierungsbezirk Trier" sagte der Festredner bei der Eröffnung. Alte Postkarten beweisen es: Mit ihren drei Bögen war sie tatsächlich elegant. Aber sie flog auch in die Luft, sogar noch früher als die meisten anderen: Am 3. September 1939, also an dem Tag, als Frankreich Hitler-Deutschland den Krieg erklärte. Ab 1940 gab es eine Notbrücke, dann eine von Pionieren erbaute hölzerne Behelfsbrücke, die 1945 von amerikanischen Soldaten repariert wurde. Eine weitere Behelfsbrücke folgte. Erst 1958 begann der Bau der heutigen Spannbetonbrücke. Sie war 1959 fertig.

Am 1. Juli 1907 wurde die Gersweiler Brücke, die Verbindung nach Burbach, dem Verkehr übergeben. In ihrer jetzigen Form ist sie nach Umbauarbeiten seit 2002 in Betrieb und überspannt Fluss und Autobahn. Aber der größte Brückenbau zu Anfang des 20. Jahrhunderts war die 1909/1910 erbaute "Kaiser-Friedrich-Brücke", die Vorgängerin der heutigen Wilhelm-Heinrich-Brücke. Die renommierte Saarbrücker Firma B. Seibert hat die Stahlbogenkonstruktion mit eingehängter Fahrbahn (und 700 Tonnen Stahlgewicht) gebaut. Bei der Einweihung am 15. Dezember 1910 sagte Verwaltungschef Emil Mangold, der bald darauf zum ersten Oberbürgermeister Saarbrückens ernannt wurde, dieses stolze Bauwerk führe nun "vom Herzen St. Johanns zum Herzen Saarbrückens". Als Namenspatron hatte man sich Kaiser Friedrich I. Barbarossa ausgesucht, weil dieser ähnlich verbindend für die Einheit der Deutschen gewirkt habe, wie man es von der Brücke - zur Verschmelzung der Stadtteile - erwarte.

Aber auch der Kaiser-Friedrich-Brücke war kein langes Leben beschieden: 1944 wurde sie bei einem Bombenangriff beschädigt, schließlich im März 1945 gesprengt. Nach dem Krieg behalfen sich die Saarbrücker mit einer Notbrücke aus Pontons. Die Bürger mussten sich aber ausweisen, um passieren zu dürfen: St. Johann war amerikanisch, Alt-Saarbrücken französisch besetzt.

1949 wurde dort eine stählerne Fußgängerbrücke errichtet, die bis 1962 funktionierte, dann an anderer Stelle noch über Jahre gute Dienste getan hat:

Von 1964 bis 1993 diente das von den Saarbrückern gern "Kummersteg" genannte Brücklein in Kleinblittersdorf als "Freundschaftsbrücke" ins französische Großblittersdorf. 1993 wurde es durch eine neue Brücke ersetzt. tb