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Wahrzeichen im Wasser

Saarbrücken. Die Geschichte der "Alt Brigg" zwischen St. Johann und Alt-Saarbrücken geht aufs 16. Jahrhundert zurück. Dazu gibt es eine Legende: Im März 1546 wollte Kaiser Karl V. die Saar überqueren. Aber nirgends war eine Brücke. Der Fluss führte Hochwasser. Und die Fähre konnte nicht fahren. Da soll der Kaiser den Saarbrücker Grafen Philipp II Von SZ-Mitarbeiterin Traudl Brenner

Saarbrücken. Die Geschichte der "Alt Brigg" zwischen St. Johann und Alt-Saarbrücken geht aufs 16. Jahrhundert zurück. Dazu gibt es eine Legende: Im März 1546 wollte Kaiser Karl V. die Saar überqueren. Aber nirgends war eine Brücke. Der Fluss führte Hochwasser. Und die Fähre konnte nicht fahren. Da soll der Kaiser den Saarbrücker Grafen Philipp II. zum Bau einer Brücke zwischen dem Schloss und der Stadt St. Johann veranlasst haben. Die "Alte Brücke" entstand von 1546 bis 1548. Prächtig muss sie gewesen sein mit ihren 14 Bogen. Heute sind nur noch acht zu sehen. Zwei unterhalb des Schlosses sind der Autobahn zum Opfer gefallen. In St. Johann sind vier verschüttet, zum Teil schon zur Zeit Stengels überbaut worden. Die erhaltenen Brückenteile haben Möchtegern-Künstler mit viel Silberfarbe besprüht, wie fast alle anderen historischen Bauwerke.


Die Brücke hat aber noch allerlei weitere Veränderungen erlebt. 1904 wurde ihr ein Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. verpasst, das aber nur noch auf alten Postkarten zu sehen ist. 1814 ist die "Alt Brigg" - so heißt sie im Volksmund, seit es die "Neue Brücke", die heutige Luisenbrücke, gibt - von den Franzosen gesprengt worden. Dann 1945 von den Deutschen selbst. Sie wurde 1946/46 für den Fahrverkehr in Stand gesetzt. Aber wer kann sich heute vorstellen, dass sich noch in den frühen 60er Jahren des 20. Jahrhunderts der Autoverkehr über dieses schmale Brücklein zwängte?

Dann folgte zwischen dem 19. November 1961 und 1964 der Bau der B 406, der heutigen Stadtautobahn. Der Saarlauf wurde bei St. Johann um eine Bogenbreite verschoben, die Schlossmauer um 17 Meter zurückversetzt. Und die "Alt Brigg" stand verloren da und hatte keinen Anschluss mehr.



Sie bekam dann ihr schmales Anhängsel, den Metall-Steg, den die Saarbrücker als "Flaschenhals" bezeichnen. Seither ist sie, versehen mit blauem Geländer, eben nur noch Fußgängerbrücke, und selbst als solche manchmal überfordert: Beim Weihnachtsmarkt oder an Silvester, wenn sich Menschenmassen drüber wälzen möchten, muss sie regelmäßig gesperrt werden. Nicht nur des schmalen "Flaschenhalses" wegen, sondern auch aus bautechnischen Gründen: Die Brücke ist nur mit Sandstein verkleidet, der Kern ist aus Stampfbeton - und rissig.

Aber von allen Saarbrücker Brücken ist die "Alt Brigg" die einzige, die auch von Architekten, Historikern, Malern und Schöngeistern gelobt wird. Sie ist schon auf vielen Bildern und mehreren Briefmarken zu Ehren gekommen.

Dennoch wäre sie fast abgerissen worden: Als 1974 bis 1978 die Saar kanalisiert wurde, war ja auch die Fortführung des Kanals bis zum Osthafen angedacht. Womit das Schicksal der Brücke besiegelt gewesen wäre. < wird fortgesetzt