In der Kirchbergschule singen und spielen Kinder der Welt

Lichterfest : Hier singen und spielen die Kinder der Welt

Das Lichterkonzert der Kirchbergschule in Malstatt wird jedes Jahr größer und war in diesem Jahr erstmals öffentlich.

Freitag in Malstatt: Draußen ist es mehr als ungemütlich, es stürmt, es regnet, der Wind pfeift einem um die Ohren. Da wirkt die Kirche St. Josef, durch deren Fenster nicht nur Licht, sondern auch ein Versprechen auf Wärme, etwas Heimeligkeit nach außen strahlt, wie ein Fels in der Brandung.

Stimmengewirr dringt nach draußen, drinnen muss es voll sein. Die stille, bedächtige Atmosphäre, die sonst so in Kirchen herrscht, sucht man hier allerdings vergeblich: Kinder wuseln durch die Bankreihen, Lachen, aufgeregte Rufe, Eltern versuchen in den vollen Reihen noch einen Platz zu finden. Die Menschen hier haben sich nicht zum Gottesdienst zusammengefunden, sondern zum Lichterkonzert der Kirchbergschule.

Als Annina Casalino, stellvertretende Schulleiterin der Kirchbergschule das Mikro ergreift, wird es stiller. Mit viel Witz und Charme führt sie durch das Konzert, bei dem jede Klasse entweder alleine oder gemeinsam mit anderen Klassen und Stufen ein Lied vorträgt. In den Pausen zwischen den Stücken werden sie dabei von der Schülerband der katholischen Fachschule für Erziehung unterstützt.

„Jetzt sitzen sie alle ganz brav da“, sagt Casalino zu Beginn, in der Generalprobe habe allerdings noch ein riesiges „Tohuwabohu“ geherrscht. An der Aufregung könne die plötzliche Stille der Kinder wohl nicht liegen, immerhin seien sie schon Profis, so Casalino.

Und das stimmt, wer jetzt in die vierte Klasse geht, ist schon so etwas wie ein alter Hase im Lichterkonzert-Geschäft, das findet nämlich schon zum vierten Mal statt. Einen Adventsmarkt gab es an der Kirchbergschule schon lange.

Die Idee, diesen dann um ein Konzert zu ergänzen, stammte aus dem Kollegium. Gesagt, getan. Da die Aula der Schule zu klein war, fand das Lichterkonzert zunächst in der evangelischen Kirche in Malstatt einen Platz. Doch auch dort wurde eben jener Platz dann irgendwann eng. Seit letztem Jahr findet das Lichterkonzert in der größeren katholischen Kirche St. Josef statt.

Annina Casalino träumt schon einmal einen Schritt weiter: „Vielleicht müssen wir nächstes Jahr in die Congresshalle“, lacht sie. In diesem Jahr hat sich das Lichterkonzert auch erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: Von der reinen Schulveranstaltung ist es jetzt zum Teil der Reihe „Adventszauber“ des Stadtteils geworden.

Die Eltern aus nicht-christlichen Familien dazu zu bewegen, für eine Veranstaltung in eine christliche Kirche zu kommen, habe lange und beständige Überzeugungsarbeit gekostet, erklärt Casalino im Gespräch. „Man musste ihnen klar machen, dass es ein Schulkonzert, kein Gottesdienst ist – immer und immer wieder“, erklärt sie weiter.

Derzeit besuchen Kinder aus rund 50 Nationen die Kirchbergschule, dementsprechend groß ist die Religionsvielfalt. Um allen eine Teilhabe zu ermöglichen, versucht die Kirchbergschule das Lichterkonzert möglichst überkonfessionell zu halten. Zusammenkommen in der Vorweihnachtszeit, ja, „Lieder in denen beispielsweise Jesus vorkommt, versuchen wir allerdings zu vermeiden“, erklärt Casalino. Vielmehr wolle man die Themen „Licht, Hoffnung und Liebe“, die letztlich für alle Religionen gelten, in den Mittelpunkt rücken.

Die Auswahl der Lieder mutet daher fast wie eine Reise durch die Nationen der Schule an: „Zamena“ ist ein afrikanisches Friedens- und Willkommenslied, „Samba die Natale“ entführt uns nach Italien, während „Gatatumba“ ein traditionelles andalusisches Weihnachtslied ist.

Doch auch klassische Weihnachtslieder für Kinder wie „Ich schenke dir ein Weihnachtslicht“ sind vertreten, genau wie eine ganz eigene Interpretation des Chart-Erfolgs „Human“ des Künstlers Rag ‚n‘ Bone Man, mit der großartigen Textzeile „jeder Mensch macht auch mal Fehler – Schüler, Eltern und auch Lehrer“. „Alle sind richtig“, ruft ein Kind vor diesem letzten Stück, als alle Kinder ihren Platz gefunden haben. „Ganz genau: Alle sind richtig“, wiederholt Casalino. Während das Kind die richtige Position auf der Bühne meint, spricht Casalino wohl von etwas ganz anderem.