Christian Greuter aus Saabrücken erzählt von seinem Weg zum Tennis-Weltmeister der Senioren

Tennis-Weltmeister aus Saarbrücken : Der Titel war ein hartes Stück Arbeit

Christian Greuter aus Saarbrücken kämpfte sich überraschend ins Finale bei den Tennis-Weltmeisterschaften der Senioren und gewann das Endspiel sogar. Das Erfolgsgeheimnis ist die akribische Planung des neuen Weltmeisters.

Schon kurz nach der Begrüßung auf der Anlage des TC Halberg Brebach, zu dem er vom TC Rotenbühl wegen der „optimalen Trainingsbedingungen“ wechselte, kramt Christian Greuter aus seiner Tasche seinen „Schatz“ hervor. Rund 200 Gramm schwer, an einem grünen Kunststoff-Band befestigt. Zwar nicht aus echtem Gold, dennoch genauso bedeutsam: die Medaille, die Zeugnis seines größten Erfolges ist, dem Gewinn der Tennis-Weltmeisterschaften der Altersklasse M 55. Sein ursprüngliches Ziel? „Die dritte Runde ist drin, hatte ich mir gesagt“, berichtet Greuter.

Szenenwechsel: Es ist der 17. August 2019. Lissabon, Portugal. Christian Greuter hat sich bei den Senioren-Weltmeisterschaften der Klasse M 55 bis ins Finale durchgearbeitet. Dort steht er dem Franzosen Franck Hervy, Weltmeister von 2015, Finalist von 2016, gegenüber. Zwei Sätze später hat er geschafft, was er vorher kaum für möglich gehalten hätte. 6:3 und 6:3 besiegt er den Franzosen. Christian Greuter ist Weltmeister. Ohne überhaupt einen Satz verloren zu haben. „Unfassbar“, staunt er auch noch Wochen nach dem Titelgewinn, nach dem er erst einmal einen ausgiebigen Urlaub eingelegt hatte.

Vielleicht aber doch gar nicht so unfassbar. Seine Turnier-Vorbereitung begann etwa ein Jahr zuvor. „Sie fängt im Oktober an. Du musst in der Wintersaison schon relativ weit sein, so dass du im März Turniere spielen und Leistung bringen kannst“, sagt Greuter und konkretisiert: „Du brauchst ungefähr zehn Matches oder drei, vier Turniere, dass du weißt, wie es bei der Weltmeisterschaft läuft. Den kompletten Höhepunkt hatte ich auf die WM ausgerichtet.“ Wie extrem die Vorbereitung ausfiel, wird erst bei einem genauen Blick deutlich. Im Frühjahr spielte er drei „Grade 2“-Sandplatz-Turniere, von denen er zwei gewann. Es folgten vier weitere, höher bewertete Wettkämpfe. Alle gewann er ohne Satzverlust. Unter anderem siegte der Saarbrücker bei den Europäischen Meisterschaften im Juni im österreichischen Pörtschach. Doch die  Turnier-Serie ist nur ein kleiner Teil seines Erfolgsgeheimnisses, das in Wirklichkeit gar kein so großes Geheimnis ist.

So konsequent, wie er seinen Grundsatz „der Körper ist dein Kapital“ verfolgt, tun das wohl die wenigsten. Er rattert herunter: „Ich habe keinen Alkohol mehr getrunken, keinen Kuchen mehr gegessen, keinen Zucker. Wenn ich drei Stück Kuchen esse oder Fisch und Gemüse, ist das ein dramatischer Unterschied bei der Leistung.“ Wichtig sei ihm aber, das betont er ausdrücklich, dass er selbst keinen Absolutheitsanspruch auf die richtige Ernährung habe. Die müsse jeder Athlet für sich erkennen. „Ich war dreimal pro Woche im Fitnessstudio. Ich bin jede Woche beim Masseur gewesen und bei meinem Heilpraktiker in Ensheim“, sagt er. Die Wiederholungszahl bei einzelnen Sätzen von Übungen im Fitnessstudio lag teilweise bei 60 oder mehr. Dazu regelmäßige Physiotherapie-Termine. Zu den Turnieren im Ausland hatte er teilweise einen eigenen Physiotherapeuten mitgenommen.

Doch selbst da hat der Drang nach Perfektion noch kein Ende. „Alle Schläger müssen gleich sein. Gleiches Gewicht, gleiche Balance, gleiche Dicke vom Griff. Da wird alles optimiert bis aufs Hundertstel. Du merkst, wenn das Griffband 1,2 oder 1,5 Millimeter dick ist“, sagt er: „Du merkst schon, wenn der Schläger an der Kopfseite fünf Gramm schwerer ist. Dann die Vibrastops, es gibt welche mit vier und mit zwei Gramm. Dadurch wird das ganze System geändert. Die Dicke der Seiten, wenn du mit einer 1,25er- oder 1,3er-Dicke spielst. Ich habe das akribisch vorbereitet.“

Noch ein Beispiel gefällig? „Meine Schuhe, sobald die Sohle ein wenig runter ist. Ein normaler Tennisspieler würde die noch spielen. Ich verbrauche pro Saison in etwa zehn Paar. Da wird alles optimiert bis zum Geht nicht mehr.“

Finanziert hat er sich all das – die Saison kostete im Gesamten rund 40 000 Euro – übrigens aus eigener Tasche. Nicht von den Preisgeldern. Die seien selbst bei den Senioren-Weltmeisterschaften „quasi inexistent“. „Aber ich habe ja mein Leben lang nur gearbeitet. 70, 80 Stunden die Woche. Ich hatte gar keine Zeit, Geld auszugeben“, sagt er und lacht. Früher arbeitete der inzwischen 55-Jährige – bei seinem Titel war er noch 54 – in der Baustoffbranche. Seit zehn Jahren ist Greuter als Unternehmensberater selbstständig.

Christian Greuter will im nächsten Jahr versuchen, seinen Titel zu verteidigen. Foto: Christian Greuter

Das alles klingt verrückt? Das streitet der Weltmeister auch gar nicht ab. Aber am Ende steht ein Erfolg für die Ewigkeit. „Das ist der größte Titel, den man in der Klasse erreichen kann.“ Aber noch einmal wird er einen solchen Aufwand nicht betreiben, „Ich hab den Titel ja“, sagt er und lacht. „Nur als Titelverteidiger werde ich wohl einmal zur WM fahren.“