Der Maler Willi Hoffmann-Güth und die Freude am Impressionismus

Interview : Wann ist ein Bild wirklich fertig?

Der renommierte Maler über seine Arbeit und die Kunst des rechtzeitigen Aufhörens. Ausstellung am Staden.

Man versteht, weshalb Gernot Neuheisel immer wieder die Pastellimpressionen von Willi Hoffmann-Güth in seiner Galerie am Staden ausstellt. Denn der Saarbrücker Maler versteht es, Stimmungen so gekonnt einzufangen, dass sie eine wunderbar lebendige Präsenz entfalten. Er ist ein Autodidakt und doch ein Meister seines Fachs, der zu höchsten Ehren kam, als er Anfang der 80er Jahre erst in die Pastel Society London und dann in die Pastel Society of America aufgenommen wurde. Die SZ begleitete ihn bei einem kleinen Rundgang durch die aktuelle Ausstellung seiner Werke der letzten drei Jahre.

Herr Hoffmann-Güth, Sie sagen, dass die Impression für Sie das Wichtigste ist. Sehen Sie sich als Impressionist?

Hoffmann-Güth: In gewisser Weise schon. Doch die Impressionisten wollten ja das Motiv direkt und unvermittelt so einfangen, wie sie es sahen. Ich wähle mein Motiv zwar ebenfalls nach dem ersten Eindruck, bringe vor Ort heute aber immer häufiger nur das grobe Gerüst aufs Papier. Im Atelier gestalte ich es dann in einem aufwändigen Arbeitsprozess in vielen Schichten; dabei vermischen sich Impression und Emotion, und auch der Zufall ist ein ständiger Begleiter. Früher hatte ich ein fertiges Bild im Kopf, heute ist das anders. Ich bin offener geworden und zeige in meinen Bildern auch mehr Personen als früher.

Ihre Werke sind ja durchwirkt von unendlich vielen Farbnuancen. Können Sie die Töne irgendwie mischen?

Hoffmann-Güth: Nein, Pastellkreide kann man nicht so einfach mischen wie Acryl-, Öl- oder Aquarellfarbe. Ich habe an die 5000 verschiedene Pastellkreiden zur Hand, auf die ich immer wieder zurückgreife. Jedes Motiv verlangt nach anderen Tönen, die ich in verschiedenen Arbeitsgängen aufbringe. Das Licht wiederzugeben, ist natürlich auch immer eine große Herausforderung.

Sie haben keine Kunstschule besucht und sich doch immer weiter entwickelt. Was ist Ihr Geheimrezept?

Hoffmann-Güth: Learning by doing. Ich bin eine kämpferische Natur und verfolge meine Ziele mit Hartnäckigkeit und Ehrgeiz. Das war schon so bei meiner beruflichen Entwicklung: Nach der Volksschule – ich sollte damals das familieneigene Lebensmittelgeschäft übernehmen – machte ich das Abitur am Abendgymnasium. Tagsüber habe ich gearbeitet. Da mein Vater gegen ein Kunststudium war, wurde ich Diplomkaufmann und habe mich bis zum Marketingdirektor und Leiter der Unternehmensplanung der Karlsberg Brauerei hochgearbeitet. In Öl habe ich schon seit meiner Jugend gemalt, bis mein Onkel mich für die Pastellmalerei begeisterte. 1974 habe ich meinen ersten Pastellkasten gekauft und begonnen, mit Pigmenten, unterschiedlichen Bindemitteln und Bildgründen zu experimentieren. Als ich dann in die elitäre Pastel Society London als eines der 60 Mitglieder aufgenommen wurde, war ich nicht nur hochzufrieden. Ich lernte auch wichtige Künstler wie Ken Paine, Matt Bruce und Norman Battershill kennen, mit denen ich zusammen malte. Dabei habe ich unendlich viel gelernt.

Was ist für Sie die größte Herausforderung der Malerei?

Hoffmann-Güth: Zu wissen, wann ein Bild fertig ist. Denn es geht mir ja vor allem um die Impression und die Lebendigkeit einer Szene, also um etwas Flüchtiges, das festgehalten werden soll. Und das ist schnell verdorben, wenn man zu viel macht. Schließlich möchte ich auch etwas schaffen, was den Menschen Freude macht, ihnen ein wenig von meiner freudigen Gestimmtheit übermittelt.

Willi Hoffmann-Güth mit einem älteren Bild. Er malt stets auch Saarbrücker Motive. Foto: Traudl Brenner

Willi Hoffmann-Güth PSA „Pastellimpressionen“. Bis zum 12. Oktober. Galerie am Staden, Bismarckstr. 62, Di, Mi, Fr 15-19 Uhr, Do, Sa 9-13 Uhr.

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