Unnötige Operationen wegen falscher Diagnosen? Pathologe unter Verdacht

Kostenpflichtiger Inhalt: Unnötige Operationen : Im Saarland droht ein neuer Arzt-Skandal

Eine Chefärztin des Klinikums Saarbrücken wirft einem Pathologen schwere Fehler vor. Die Folge seien unnötige Operationen bei über 20 Patienten gewesen.

Ein niedergelassener Facharzt für Pathologie und Rechtsmedizin aus dem Saarpfalz-Kreis steht im Verdacht, in den vergangenen drei Jahren zahlreiche Fehldiagnosen abgegeben zu haben. Nach Untersuchungen von Gewebeproben, die ihm andere Ärzte oder Kliniken zugestellt hatten, kam es angeblich vorwiegend zu falschen Krebsbefunden. Diese Diagnosen des 60-jährigen Pathologen hätten in mehr als 20 Fällen zu Operationen von Patienten geführt. Bei Untersuchungen des bei diesen Operationen entnommenen Gewebes habe sich herausgestellt, dass die Eingriffe nicht notwendig gewesen seien. Rosemarie Weimann, Chefärztin für Pathologie am Klinikum Saarbrücken auf dem Winterberg, fielen diese angeblichen Unregelmäßigkeiten auf. Sie schlug Alarm und erstattete mit Unterstützung der Klinikleitung Strafanzeige. Zugleich wurden die Aufsichtsbehörden informiert.

Auf richterliche Anordnung durchsuchten Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei am Freitagabend Praxis und Privatwohnungen des Mediziners. Dies bestätigte Michael Görlinger, leitender Oberstaatsanwalt, auf Anfrage. Ermittelt werde wegen Verdachts der fahrlässiger Körperverletzung: „Das Ausmaß des Verfahrens ist derzeit noch nicht zu überblicken.“ Bei den Durchsuchungen wurden Gewebeproben, Patientenakten und weitere Unterlagen beschlagnahmt.

Nach SZ-Informationen soll es nach möglichen Fehldiagnosen neben dem Saarbrücker Klinikum auch in mehreren anderen saarländischen Krankenhäusern zu unnötigen Operationen gekommen sein. Das Winterberg-Klinikum hat laut Pressesprecherin Kristin Schäfer seine betroffenen Patienten informiert. Darunter soll auch ein Mann sein, dem nach einer Fehldiagnose des Pathologen die Prostata entfernt wurde.

Das Gesundheitsministerium teilte mit, dass dem Facharzt noch am Freitag ein vorläufiges Berufsverbot erteilt wurde. In einer Stellungnahme heißt es: „Die bisher vorliegenden Erkenntnisse begründen nach Auffassung der Approbationsbehörde die Unwürdigkeit zur Ausübung des ärztlichen Berufs.“ Der betroffene Pathologe war am Wochenende für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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