Bürgerinitiative kämpft gegen Abholzen von Wald in Gersweiler

Kostenpflichtiger Inhalt: Bürgerinitiative Pro Wald : Klimaschutz gegen Wirtschafts-Interessen?

In Gersweiler kämpft eine Bürgerinitiative gegen eine Firmenerweiterung, weil Bäume gefällt werden müssten. Die Stadt hält die Erweiterung für sinnvoll.

Wenn die Frauen und Männer der Bürgerinitiative „Pro Wald“ über die Firma Woll reden, dann entsteht daraus schnell Ärger. Nicht mal so sehr über die Maschinenbaufirma selbst, vielmehr über die Saarbrücker Stadtverwaltung und den Stadtrat. Die Stadt, so stellt es sich für die Initiative dar, will dem Unternehmen im Gersweiler Wald in der Nähe der französischen Grenze gut zwei Hektar Wald zur Erweiterung des Firmengeländes zur Verfügung stellen. In einer Stadt, deren Stadtrat gerade erst den Klimanotstand ausgerufen hat, sei das der falsche Weg, zumal der Wald auch Tieren als Lebensraum diene.

Wenn Sebastian Kurth von der Firma Woll Maschinenbau GmbH spricht, gerät er ins Schwärmen. „Ein absolutes Vorzeigeunternehmen, in Gersweiler verwurzelt und hochengagiert“, lobt der leitende Wirtschaftsförderer der Stadt Saarbrücken. Während andere deutsche Maschinenbauer in jüngster Zeit schwächeln, brumme bei Woll das Geschäft. Kurth: „Dank Spezialisierung auf Sondermaschinenbau mit individuellen Lösungen wächst das Unternehmen seit Jahren und beschäftigt in Gersweiler fast 300 Mitarbeiter.“ Die entwickeln, fertigen und liefern Montagelinien und Produktionsanlagen zum Beispiel für die Automobilbranche und die Medizintechnik, ziehen auch Aufträge aus Frankreich und aus Nordafrika an Land.

Und weil der Laden so gut läuft, will die Firma, 1960 von Walter Woll als Handwerksbetrieb für Metall- und Stahlbau gegründet, an seinem Firmensitz an der Krughütter Straße in Gersweiler erweitern. Eine neue Produktionshalle, etwa 100 mal 100 Meter groß, soll gebaut werden. Wieviel Geld die Firma dafür in die Hand nimmt, kann oder will Kurth nicht genau sagen, aber soviel steht für ihn fest: „Es ist ein großes Millionenprojekt mit Bedeutung für das ganze Saarland.“

Wie der Saarbrücker Baudezernent Heiko Lukas im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung betont, hat der Stadtrat dieses Vorhaben in seiner Sitzung am 5. Februar einstimmig unterstützt. Das Familienunternehmen gehe ganz transparent vor, beteilige die Bürger. Derzeit bereitet die Stadt laut Lukas die Offenlegung des Bebauungsplanes vor, in seiner Sitzung am 29. Oktober könnte der Stadtrat darüber entscheiden. Dann wäre sechs Wochen Zeit, um Bedenken und Anregungen zum Bebauungsplan zu äußern. Nach der Abwägung landet der Vorgang dann wieder im Stadtrat. Kurth sagt: „Ziel der Firma Woll ist es, die neue Halle Ende 2020/Anfang 2021 in Betrieb zu nehmen.“

Für das Gebäude muss Wald gerodet werden. Gerhard Lucas, Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt, spricht von einer Fläche von ungefähr 2,2 Hektar. „Der Wald, der weichen muss, wird an anderer Stelle in Gersweiler ausgeglichen, in Abstimmung mit der Obersten Forstbehörde“, sagt der Baudezernent. Auch der Artenschutz werde berücksichtigt. Mit der neuen Produktionshalle sei der Erweiterungsspielraum an der Krughütter Straße ausgereizt, betont Kurth. Und widerspricht damit Kritikern des Projektes, die vermuten, diese Erweiterung werde nicht die letzte der Firma Woll sein.

Die Bürgerinitiative schlägt vor, die Firma dorthin umzusiedeln, wo Platz ist, ohne dasss Bäume gefällt werden müssen - ans Brebacher Ohr zum Beispiel. Die Stadtverwaltung hält das für keine gute Idee. Daniel Altemeyer-Bartscher, stellvertretender Leiter des Stadtplanungsamtes: „Es geht hier nicht um Umsiedlung, sondern um eine Erweiterung am Standort Gersweiler.“ Eben dort, wo die Firma Woll gegründet wurde und bleiben möchte.

Dagegen will die Bürgerinitiative kämpfen. Sie fordert den Stadtrat auf, das Projekt „im Sinne der Gesundheit, des Klima-, Arten- und Naturschutzes“ zu stoppen, und den Regionalverband, eine Änderung des Flächennutzungsplans abzulehnen.

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