Ermittlungen im Arztskandal: Nach Vorwurf gegen Pathologen: Krisenstimmung bei Aufsichtsbehörde und Kammern

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Fahnder schleppten nach Durchsuchung mehr als 100 Kartons mit Beweismaterial aus Praxis und Wohnung. Berufsverbot trifft auch angestellten Arzt.

Die Praxis des 60 Jahre alten niedergelassenen Pathologen, dem eine Chefärztin des Klinikums Saarbrücken serienweise Fehldiagnosen vorwirft, bleibt wohl bis auf weiteres dicht. (Wir haben ausführlich berichtet). Gunter Hauptmann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) des Saarlandes, erklärte gegenüber der Saarbrücker Zeitung, das von der Approbationsbehörde angeordnete vorläufige Berufsverbot für den Arzt treffe auch dessen angestellten Assistenzarzt. In der Praxis dürften keine Gewebeproben von Kassenpatienten untersucht und befundet werden. Zuletzt hatte der Mediziner in einem Quartal über 8000 Untersuchungen abgerechnet. Das Gewebematerial hatten in der Regel niedergelassene Fachärzte oder Hausärzte eingeschickt.

Die KV wird per Eilfax kurzfristig alle niedergelassenen Mediziner über das verhängte Berufsverbot informieren, um sicher zu stellen, dass alle Mediziner, die den Arzt mit der Begutachtung von Gewebematerial beauftragt hatten, auf dem aktuellen Stand der Dinge sind und gegebenenfalls auf betroffene Patienten zugehen können. Das Gesundheitsministerium wird die Kliniken im Land anschreiben.

Der Vorwurf von Fehldiagnosen, die in über 20 Fällen zu angeblich nicht notwendigen Operationen führten, hat derweil im zuständigen Gesundheitsministerium, bei der Aufsichtsbehörde sowie bei KV und Ärztekammer des Saarlandes für Krisenstimmung gesorgt. Martin Partzsch, Justitiar der Ärztekammer und deren Geschäftsführer Michael Hoffmann teilten auf Anfrage mit, dass auch die Schweizer Behörden informiert werden. Der Pathologe, so heißt es, war auch bei den Eidgenossen für ein Institut aktiv. Sämtliche Privatärzte im Saarland werden, so die Kammerspitze, über die Vorgänge ebenfalls schriftlich unterrichtet, damit sie möglicherweise betroffene Patienten ansprechen können. Partzsch: „Es wird alles gemacht, um die Patientensicherheit wieder herzustellen.“

Derweil wartet auf die Kriminalisten und die Staatsanwaltschaft, die am Freitagnachmittag Praxis und Wohnungen des Mediziners durchsuchten, ein Mammutverfahren. Mehr als 100 Umzugskartons mit beschlagnahmten Gewebeproben und Unterlagen wurden mit zwei Lkw abtransportiert. Die Auswertung wird wohl Monate dauern. Es ist davon auszugehen, dass die Staatsanwaltschaft, die wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt, wiederum einen Gutachter mit der Überprüfung der einzelnen Diagnosen beauftragen wird.

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