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"Zeit ist Hirn" bei Schlaganfällen

Püttlingen. "Noch vor 30 Jahren galten Schlaganfälle als gottgegeben", erinnert sich Dr. Helmut Jäger (Foto: SZ). Er ist ärztlicher Direktor des Knappschaftskrankenhauses Püttlingen und Chefarzt der Neurologie. Das ist die Abteilung, in der Schlaganfall-Patienten schon seit exakt einem Vierteljahrhundert in Püttlingen behandelt werden

Püttlingen. "Noch vor 30 Jahren galten Schlaganfälle als gottgegeben", erinnert sich Dr. Helmut Jäger (Foto: SZ). Er ist ärztlicher Direktor des Knappschaftskrankenhauses Püttlingen und Chefarzt der Neurologie. Das ist die Abteilung, in der Schlaganfall-Patienten schon seit exakt einem Vierteljahrhundert in Püttlingen behandelt werden.Im Gegensatz zur erwähnten früheren Meinung weiß Jäger sich heute im Einklang mit neuesten Forschungsergebnissen bei der so genannten Lyse-Behandlung von Schlaganfällen. Danach ist klar: Gottgegeben war gestern. Die erfolgreiche Behandlung ist heute möglich. Allerdings: "Für kaum eine andere Krankheit ist schnelles Eingreifen so wichtig wie für den Schlaganfall", sagt Jäger. Verstopfe eine Gehirn-Arterie durch Fett- oder Kalkablagerungen, werden umliegende Areale nicht mehr mit Blut und Sauerstoff versorgt. Je mehr Zeit verstreiche, umso mehr Gewebe gehe für immer verloren, erklärt der Mediziner und formuliert einen einprägsamen Grundsatz: "Zeit ist Hirn!"Für Patienten und ihre Angehörigen dürfte somit die Botschaft klar sein: Leichte Lähmungen, Seh- oder Sprachstörungen, Kribbeln in den Extremitäten oder ein "schiefer Mund", die "wie aus heiterem Himmel kommen", sollten Patienten oder Angehörige keine Sekunde zögern lassen, sofort den Notarzt anzurufen oder sich gleich in die Neurologie fahren zu lassen.Durch neue Medikamente hätten sich die Chancen für Mediziner erhöht, erfolgreich die Folgen eines Schlaganfalles zu mindern, sagte Jäger. Auch auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose (MS) hätten sich in jüngster Zeit neue Therapie-Ansätze ergeben, betonte Jäger bei der Pressekonferenz. "Die Patienten, die immer wieder von Krankheits-Symptomen befallen werden, können heute von vorbeugenden Maßnahmen profitieren", sagte Jäger und verwies auf neuartige entzündungshemmende Medikamente, die die Folgen der so genannten MS-Schübe deutlich mindern. et