Von Herrensohr nach Ruanda

Herrensohr/Ottweiler. Dass dieser Mann bei all seiner lebendigen Freundlichkeit und trotz seines herzlichen Einlassens auf das jeweilige Gegenüber ab und an ein Gähnen nicht unterdrücken kann, ist sehr gut nachvollziehbar. Spätestens beim Blick auf das Programm von Bischof Nathan Gasatura während seines 20-tägigen Aufenthalts im Evangelischen Kirchenkreis Ottweiler

Herrensohr/Ottweiler. Dass dieser Mann bei all seiner lebendigen Freundlichkeit und trotz seines herzlichen Einlassens auf das jeweilige Gegenüber ab und an ein Gähnen nicht unterdrücken kann, ist sehr gut nachvollziehbar. Spätestens beim Blick auf das Programm von Bischof Nathan Gasatura während seines 20-tägigen Aufenthalts im Evangelischen Kirchenkreis Ottweiler. Voll mit Besichtigungstouren, Kennenlernterminen, Gottesdienstbesuchen und eben auch Treffen mit der Presse. So in der Superintendentur des Kirchenkreises in Ottweiler. Thema hier vor allem die Partnerschaft, die der Kirchenkreis seit 1985 mit der Diözese Butare der Anglikanischen Kirche im zentralafrikanischen Staat Ruanda pflegt. Dort ist Gasatura (53) seit Anfang 2009 Bischof und jetzt zum ersten Mal bei uns zu Besuch.Seine Partner sind von Nathan, wie ihn alle nennen, beeindruckt. Vor allem von "seiner Kontaktfreudigkeit und seiner tiefen Frömmigkeit", wie es Pfarrer Udo Nilius und Rüdiger Burkart beschreiben, beide Mitglieder im Arbeitskreis Ökumene und Weltmission des Kirchenkreises Ottweiler. "Ein verlässlicher Ansprechpartner, einer, der unsere Partnerschaft und unsere Projekte antreiben kann", nennt ihn Superintendent Wolfgang Struß aus Neuweiler.Etwa beim Projekt Technische Berufsschule in Butare. Diese Idee gibt es schon lange, hat sich aber auch wegen Unruhen in Ruanda und auch Turbulenzen innerhalb der Diözese Butare bisher nicht entscheidend auf den Weg bringen lassen, berichtet Nilius und formuliert die Schlussfolgerung: "Dieses Projekt müssen Partner vor Ort wollen und auch managen."Nathan Gasatura will. Für den Bischof ist es "einer der Hauptgründe, warum ich hier bin". Sein Land brauche Facharbeiter. Technisches Fachwissen könne helfen, ein Land zu industrialisieren. Politisch passe das Projekt auch in die Zeit: "Ruandas Regierung hat der Kirche ein Gelände zur Verfügung gestellt." Nathan Gasaturas Vision: "In zehn Jahren soll hier eine Technische Universität stehen." Ruanda sei gezeichnet, erinnert der Bischof: durch den Genozid 1994. Und durch die hohe Rate von Aids-Infizierten, mit vielen Waisen-Kindern als Folge: "Denen müssen wir eine Perspektive aufzeigen." Gasatura hat mit seiner Frau neben vier eigenen Kindern fünf Waisenkinder aufgenommen. 30 000 Euro, so Superintendent Struß, stehen zur Verfügung, um das Schul-Projekt anzuschieben. So machte sich der Bischof mit seinen Partnern vom Kirchenkreis dieser Tage auch auf nach Mainz. Dort fand ein Treffen statt mit Vertretern der Partnerschaft Rheinland-Pfalz - Ruanda und der Evangelischen Missionshilfe. Fürs Schul-Projekt sollen alle in ein Boot. Gasatura hat bewiesen, dass er Projekte stemmen kann: "Ich habe die persönliche Erfahrung, Projekte zu einem guten Ende zu bringen." Und dann weiter, jetzt wieder mit seinem gewinnenden Lachen: "Nicht jeder, der mit Geld zu tun hatte, wird nämlich hinterher noch zum Bischof gewählt."Während seines Aufenthalts im Kirchenkreis wohnt Gasatura bei den Burkarts in Herrensohr. Am morgigen Dienstag macht sich der Bischof auf den Heimweg ins zentralafrikanische Ruanda - knapp 6200 Kilometer. Er weiß, warum er solche Reisen auf sich nimmt.

Zur PersonNathan Gasatura wurde 1956 in Uganda geboren. Er studierte Psychologie und Theologie. 1982-1984 Projektmanager und kirchlicher Kommissar in der Diözese Namirmbe/Uganda. 1985-1989 Missionstätigkeit in Burundi. 1990 Weihe zum Diakon der Anglikanischen Kirche in Burundi. Danach Priesterweihe in Kenia. 2000-2002 Vikar in Kigali/Ruanda. Seit Januar 2009 Bischof der Diözese Butare/Ruanda. Gasatura ist zudem Vorsitzender von World Vision in Ruanda, Präsident der nationalen Kommission zur Bekämpfung von HIV/Aids und Vizepräsident der Organisation für Genozid-Waisen. cle