Bravouröses Konzert der "Berliner Barock Solisten" im Dillinger Saardom

Musikfestspiele Saar : Swinging Bach ohne Betulichkeit

Die „Berliner Barock Solisten“ gaben im Saardom die Brandenburgischen Konzerte.

Musikfestspiel-Chef Bernhard Leonardy hatte eingangs einen weiteren Höhepunkt des Festivals versprochen. Weltliche, höfische Musik im Saardom von Johann Sebastian Bach, zur Bewerbung um die Gunst des Markgrafen von Brandenburg. Doch Bach hatte keinen Erfolg. Dafür aber zählen die sechs Concerti grossi, die später den Namen „Brandenburgische Konzerte“ erhielten, heute zum Erfolgreichsten in Bachs Instrumentalschaffen. Dafür waren die „ Berliner Barock Solisten“ angereist.

Reinhard Goebel, ihr künstlerischer Leiter ist profunder Spezialist für Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Er brennt für die Musik. Und seine Musiker brennen mit ihm. Je näher man am Geschehen war, umso deutlicher wurde das Geben und Nehmen, die klangliche Differenzierung, die in der gewaltigen Über­akustik des Kirchenraumes nur schwer zu realisieren war. Alle Mitwirkenden sind exzellente Solisten, stellvertretend seien genannt der Konzertmeister Martin Funda, der in fast allen Konzerten auf Violine oder Violino piccolo seine konzertanten Aufgaben virtuos löste und Léon Berben, nicht nur routinierter Continuo-Cembalist, sondern auch makelloser Solist in Nr.5 mit ihrem abenteuerlichen Laufwerk.

Bis auf Violone, Gamben und Cembalo wird auf modernen Instrumenten gestrichen und geblasen, was temperament- und klangvollere Interpretationen ermöglicht. Goebel realisierte seine progressiven Tempo-Vorstellungen wie auch saftiges, ungeglättetes, hörbar handwerkliches Musizieren. Er trieb voran und forderte kraftvolle Dynamik ein. Dass die zarten Gamben in Nr.6 etwas ins Hintertreffen gerieten, nahm er wohl in Kauf. Krönender Abschluss wurde die Nr.2, mit den fein ziselierten Trompeten-Girlanden des unübertrefflichen Reinhold Friedrich, dem quirligen Concertino aus Flauto dolce, Oboe und Violine und dem Tutti aller Streicher. Überwältigender Beifall für Swinging Bach ohne museale Betulichkeit. Erfrischend, hinreißend.

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