Das neue Programm der Musikfestspiele Saar

Mit Til Brönner und Valentina Lisitsa : Jung, jünger, Musikfestspiele Saar

Unter dem Motto „New Generation“ steht das Programm der neu aufgestellten Musikfestspiele Saar, die vom 24. April bis 26. Mai stattfinden.

Jung, proeuropäisch und grenzüberschreitend – so präsentieren sie sich, die neuen Internationalen Musikfestspiele Saar unter dem Motto „New Generation“, die 2019 ihren 30. Geburtstag feiern und erstmals komprimiert in vier Wochen (24. April bis 26. Mai) stattfinden. Gestern stellten Festivalchef Bernhard Leonardy und seine Co-Leiterinnen Karin Maria Piening (Management) und Eva Karolina Behr (Dramaturgie, Konzeptentwicklung) das Programm in den neuen Räumen der Festspiele in der Bismarckstraße gleich gegenüber dem Saarlandmuseum vor.

Dass bei den Musikfestspielen dieser neuen Festivalmacher-Generation ein neuer, frischer Wind weht, spürte man im gerade eröffneten Büro auf der „Kulturmeile“ der Landeshauptstadt. Den Standort habe man auch gewählt, um sichtbarer zu sein, sagte Leonardy. Will heißen: Wir sind immer noch da! Auch ohne dass das Land bisher Zuschüsse zugesagt hätte. Dafür mit einer langen Liste potenter Sponsoren und einem 1000 Mitglieder zählenden Förderverein. 500 000 Euro müssen als Budget reichen. Man sei aber „guter Dinge“, dass Staatskanzlei und/oder Kultusministerium mehrere  Konzerte mit substanziellen Zuschüssen fördern werden, ist der Leiter zuversichtlich. Es habe „gute Gespräche“ gegeben. Man habe Projektanträge gestellt.

Till Brönner trompetet mit der Big-Band der Bundeswehr. Foto: Ulla Lommen

20 Veranstaltungen, vom Sinfoniekonzert über Jazz bis hin zu sakraler Musik wird es geben, an verschiedenen Orten im Saarland und in Petite Roselle. Statt eines Länder-Mottos wie in den Jahren unter der Leitung von Robert Leonardy, dem Vater des amtierenden Intendanten, hat man mit „New Generation“ ein Motto gewählt, mit dem man neues, jüngeres Publikum neugierig machen will. Konsequenterweise setzt das selbstbewusste Festivalteam auf junge, vielversprechende Künstler und Künstlerinnen. Unter dem Motto „Frauenpower“ gastiert die 22-jährige Pianistin Isata Kanneh-Mason im Kurhaus Harschberg in St. Wendel (26. April). Sie widmet ihr Programm Clara Schumann zum 200. Geburtstag. Die Kanneh-Mason-Familie gilt in England als musikalisch „talentierteste Familie der Welt“, alle sieben Geschwister sind Solisten. Isatas Bruder Sheku spielte Cello bei der jüngsten royalen Hochzeit.

„Youtube on stage“ in der Uni-Aula gibt es mit der Pianistin Valentina Lisitsa. Sie spielt bisher unentdeckte Werke von Tchaikowsky (3. Mai). Mit 200 Millionen Clicks (laut Leonardy) sei sie der erste Youtube-Star der „ernsten“ Musik.  Eingeladen sind auch vier junge Orchester: Das „European Union Youth Orchestra“ eröffnet die Festspiele am 24. April in der Congresshalle. Das Landesjugendsinfonieorchester spielt dort am 30. April Debussy und Dvorak. Sein rheinland-pfälzisches Pendant konzertiert am „deutsch-französischen Begegnungstag“ mit ganztägigem Programm auf dem Gelände des Musée les Mineurs in Petite Roselle (5. Mai). Das Bundesjazzorchester spielt open Air auf dem Saarbrücker Ludwigsplatz (23. Mai). Dort wird es einen Tag später ein „Musikalisches Feuerwerk“ mit dem Orchester der Musikhochschule Saar und einem Deutsch-Französischen Festivalchor geben – mit nie gehörten sakralen Werken aus der Feder von Jacques Offenbach. Auch für die Big-Band der Bundeswehr – mit Star-Trompeter Till Brönner und Flötist Magnus Lindgren – hoffen die Festivalmacher auf gutes Wetter: Das Konzert findet in den römischen Ruinen des Europäischen Kulturparks in Bliesbruck-Reinheim statt.

Die Deutsche Radiophilharmonie bittet zum „Frühlingstanz“ – und spielt am 26. Mai ein Festkonzert zum 50. Jubiläum der Informatik an der Saar-Uni. Ein Höhepunkt wird sicherlich das Konzert der „Academy of St. Martin in the Fields“ (Theater am Ring in Saarlouis, 10. Mai, fast ausverkauft). Auch die saarländischen Birringer-Schwestern Lea und Esther sind gesetzt. Die jungen Geigerinnen spielen in der Christuskirche in St. Ingbert und  – ja – im Autohaus Scherer in Saarbrücken (dort am 9. Mai). Die jüngst verjüngten „King’s singers“ gastieren in Merzig (19. Mai). Und mit den Berliner Barock Solisten könne man die besten Musiker der Berliner Philharmoniker im Saardom in Dillingen erleben (17. Mai), heißt es.

Leonardy freut sich besonders auf den „besten Trompeter der Welt“, Gabor Boldoczki, der mit einem hochkarätigen Trio im Saalbau in Homburg auftritt (16. Mai). „Lieder, Weine und Geschichten“ mit dem Tenor Andrew McTaggert und in Kooperation mit der„Opéra National de Lorraine“, wo McTaggert zeitgleich gastiert, gibt es am 6. Mai im Saarbrücker Schloss.

Bodenständig und pragmatisch hat sich das Festival ans Mainzer Straßenfest (1. Mai)  drangehängt – mit einem Bandwettbewerb. Auch so gewinnt man junge Leute.

„Dass wir viele britische Künstler eingeladen haben, liegt uns gerade wegen des drohenden Brexits sehr am Herzen“, sagt Karin Maria Piening. Man wolle zeigen, dass man „In Europa zuhause“ sei. Und so lautet denn auch das Motto des Eröffnungskonzerts.

Karten: Musikhaus Knopp in Saarbrücken, bei allen Proticket-Verkaufsstellen unter www.proticket.de oder unter Tel. (02 31) 91 72 290. das gesamte Programm unter www.musikfestspiele-saar.de

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