Die Sache mit dem Globus-Markt

Warum möchte Globus unbedingt nach Neunkirchen, was will das Unternehmen in Neunkirchen anbieten, welche Hürden müssen noch genommen werden? Verantwortliche der Warenhaus-Kette haben sich zu diesen Fragen in einem Redaktionsgespräch geäußert.

An 47 Standorten in Deutschland betreibt Globus seine Warenhäuser, sechs davon sind im Saarland. Ein siebtes soll, so sieht es die Globus-Planung vor, hinzukommen. Gelegen im Gebiet der Doppelhalde König, zwischen B 41 und Westspange, genau dort, wo sich derzeit ein Mitfahrerparkplatz befindet (wir berichteten). Die Lage an der B 41, mit 21 000 Autos täglich stark befahren, ist aus Sicht eines Warenhausbetreibers ideal.

"Wir haben im Saarland seit 30 Jahren kein Haus mehr eröffnet", sagt Architekt Rolf Alles, bei Globus zuständig für den Bereich des Bauwesens und Projektentwicklung. Ein langer Zeitraum, in dem sich im Einzelhandel viel getan habe, wie man etwa am Globus-Standort Saarlouis ablesen könne. Um diesen Standort herum sind in den vergangenen zwölf Jahren 15 neue Lebensmittel- und fünf Drogeriemärkte eröffnet worden. "Der Wettbewerb hat zugenommen, wir sind stehen geblieben", sagt Alles.

Seit über zehn Jahren sei man bei Globus auf der Suche nach einem geeigneten Standort im Einzugsgebiet des Mittelzentrums Neunkirchen . Interesse sei zunächst auch auf ein Gebiet in der Nähe des Stadions Kaiserlinde in Elversberg gefallen. Das Thema sei vom Tisch, denn der Landesentwicklungsplan im Saarland schreibe vor, dass Standorte einer Größe von über 5000 Quadratmetern, wie Globus es plant, nur in Mittelzentren errichtet werden dürften, also Gebieten mit mindestens 35 000 Einwohnern im Ort und seinem direkten Umkreis. Dahingegen könne man Märkte mit bis zu 800 Quadratmetern Fläche nahezu überall bauen. "Da sind dann auch schon mal vier Märkte oder mehr nebeneinander zulässig, die ohne Weiteres 4000 Quadratmeter oder mehr ergeben", sagt Alles und spricht in von einer "Schieflage im Planungsrecht", das den Kleinflächenbetreibern wie Discount- und Supermarktformaten mehr Expansionsmöglichkeiten einräume. Elversberg ist kein Mittelzentrum, Neunkirchen schon. "Wir konnten irgendwann nur noch in Neunkirchen nach einem Standort suchen, weil das die einzige Stadt ist, in der ein SB-Warenhaus in unserer Formatgröße nach Landesentwicklungsplan zulässig ist", fügt Andreas Bohlen, Regionalleiter Expansion bei Globus, hinzu. Der leer stehende Max-Bahr-Markt in Sinnerthal sei mit seinen 3,5 Hektar für die Ansprüche von Globus zu klein, sodass der jetzt gewählte Standort der einzig mögliche sei.

Dass es bei geplanten Neubauten immer mal wieder zu Widerständen kommt, kennt man bei Globus. "Das sind wir gewöhnt, haben an der Stelle aber auch einen langen Atem", erklärt Alles, der sich daher über die breite Zustimmung für das Projekt vonseiten des Neunkircher Stadtrates freut, zumal das Grundstück zur Doppelhalde König gehört, die wiederum Teil des Naturschutzgroßprojekts "Landschaft der Industriekultur Nord" (LIK Nord) ist. Bei der LIK Nord zählt sie zum Kerngebiet 8 - insgesamt gibt es 18 - mit dem Namen "AHA Hüttenpark Neunkirchen und Halde König".

Dass ein Naturschutzgroßprojekt nicht gleichzusetzen ist mit einem Naturschutzgebiet (siehe Infokasten), wird vonseiten der Globus-Verantwortlichen stets betont. Es sei auch nicht von der LIK Nord geplant, die Doppelhalde König zukünftig als Naturschutzgebiet auszuweisen. Auch dass das saarländische Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz bestätigt habe, dass es sich bei dem Areal um kein Landschaftsschutzgebiet, kein Natura-2000-Gebiet, keinen geschützten Landschaftsbestandteil oder um ein gesetzlich geschütztes Biotop handelt. Einiges sei da in der öffentlichen Diskussion durcheinandergeraten, meint Andreas Bohlen, und geht auf die Größenverhältnisse ein.

Globus benötigt ein Grundstück von 5,3 Hektar, von denen 8000 Quadratmeter bereits ein Mitfahrerparkplatz sind. Somit blieben 15 Hektar der Gesamtfläche der Doppelhalde König unangetastet. Diese war bis spät in die 60er Jahre eine Abraumhalde der Grube König. "Es kann also keine Rede von überwiegend 100 Jahre alten Bäumen sein, die dort stehen, wie zu hören war", betont Bohlen in diesem Zusammenhang.

Ein Nein bedeutet das Ende

Sollte die LIK Nord die Fläche an Globus abgeben, hat Globus im Gegenzug zugesagt, ein Areal gleicher Größe, den sogenannten Katzentümpel in Wiebelskirchen, von der RAG zu kaufen, damit dieses im Tausch der Fläche von LIK Nord wieder zugeführt werden kann. Mit der RAG sei man sich bereits einig, sagt Rolf Alles.

Aber bevor überhaupt ein Raumordnungsverfahren eingeleitet werden kann, muss das Bundesamt für Naturschutz bestätigen, dass der geplante Flächentausch die Ziele von LIK Nord nicht gefährdet und damit keine Rückforderung oder ein Verfall von bewilligten Fördermitteln verbunden ist. "Wenn das Bundesamt Nein sagt, wird das Projekt nicht weiter betrieben", sagt Andreas Bohlen. . Sollte das Bundesamt Ja sagen, will Globus auf dem angesprochenen Gelände Doppelhalde König 35 bis 40 Millionen Euro investieren, 350 bis 400 Arbeitsplätze sollen dort entstehen. "Wir sind ein produzierender Lebensmittelhändler", erklärt Globus-Architekt Rolf Alles, "alle Globus-Häuser verfügten über eine eigene Fachmetzgerei, Meisterbäckerei sowie eine Gastronomie. Globus beschäftige gelernte Bäcker, Köche und Metzger und bilde in diesen Berufen auch aus. Das unterscheide Globus von vielen Konkurrenten. Zu den Läden in der Innenstadt sei man keine Konkurrenz, zumal der Non-Food-Bereich, also alles, was nicht unter Lebensmittel fällt, weitaus kleiner sei als der Food-Bereich. "Im Elektrobereich etwa sind wir ausgestattet mit Kleingeräten wie Eierkocher und Kaffeemaschine, aber keine Unterhaltungselektronik beispielsweise", sagt Alles. Zusatz-Läden wie Schlüsseldienst, Apotheke, Friseur, Blumenladen seien in der Ladenstraße geplant, aber es gehöre zum Globus-Konzept, kaum eine Marke im Non-Food-Bereich, etwa bei Textilien, zu führen. "Unsere Stärke sind Lebensmittel", sagt Alles.

Eine Analyse des Büros "Markt & Standort" habe ergeben, dass eine Ansiedlung von Globus für die Gemeinden im Einzugsgebiet eine Umsatzwanderung bis zu 7,5 Prozent zur Folge hätte. Allerdings gingen diese zu 95 Prozent bei Wettbewerbern wie Rewe, Lidl , Edeka, Aldi oder Drogeriemärkten verloren. "Und wenn Globus kommt, geht kein Wettbewerber aus einem bestehenden Standort raus, es ist eher umgekehrt. Wettbewerber suchen die Nähe zu uns, beziehungsweise bilden Fachmarktzentren", betont Alles. Frühester Termin für eine mögliche Eröffnung wäre übrigens 2020.

Zum Thema:

Ein relativ junger Baumbestand wäre nach Globus-Angaben von einer eventuellen Ansiedlung betroffen. Archivfoto: Oliver Spettel.

Hintergrund Ein Naturschutzgroßprojekt ist eine Maßnahme zur "Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung". Deutschland fördert mit einem entsprechenden Programm seit 1979 Landschaften, die weit über ihre Umgebung hinaus Einfluss auf das Ökosystem haben. Damit sollen das nationale Naturerbe geschützt und Naturschutzverpflichtungen erfüllt werden. Naturschutzgebiete sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft in ihrer Ganzheit oder Teilen erforderlich ist, und zwar: - zur Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung von Lebensstätten, Biotopen oder Lebensgemeinschaften bestimmter wild lebender Tier- und Pflanzenarten, - aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder - wegen ihrer Seltenheit, besonderen Eigenart oder hervorragenden Schönheit. red

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