Hören, was die Menschen wollen

Lange hat der Geschäftsführer der Neunkircher Kulturgesellschaft, Uwe Wagner, gesucht. Nun hat er eine VHS-Leitung gefunden. Elke Leonhardt-Jacob erfüllt alle Wünsche, die Wagner für den Posten hatte.

Sie übernimmt am 1. Dezember eine Position, die es in dieser Form zumindest in Neunkirchen so nicht gab. Mit Elke Leonhardt-Jacob hat die Volkshochschule Neunkirchen erstmals eine echte Leitung mit klarer Zuordnung. Lange hatte der Pädagogische Mitarbeiter Thomas Haffner die Position kommissarisch geleitet, zuvor war der ehemalige Geschäftsführer Peter Bierbrauer sozusagen auch Leiter der der Kulturgesellschaft angegliederten VHS in Personalunion, erläutert Wagner. Nun darf Wagner sich freuen, vor allem auch über die Unterstützung des VHS-Verbandes und der Stadt. "Trotz der wirtschaftlichen Situation hat man die Wichtigkeit der Stelle erkannt."

Mittlerweile arbeiten neben Haffner, der vor allem die Qualität der Dozenten im Blick hat, Hannelore Melcher und Antonia Petrova, seit anderthalb Jahren für die Integrationskurse zuständig. Alles das, was die VHS mittlerweile bietet, unter einen Hut zu bekommen, das, so versichert Elke Leonhardt-Jacob, ist genau das, was sie an dem Job gereizt hat. Die Anzeige habe sie gelesen und fand spannend, was da erwartet wird. Die Vielfältigkeit mit Programmkino ("welche Stadt hat das schon?"), Studienreisen - und das alles zum ansonsten üblichen Programm. "Die Kommission hat sie sofort überzeugt", strahlt Wagner zufrieden mit der Wahl. Schließlich bringt die in diesen Tage gerade 50 gewordene Leonhardt-Jacob genau das mit, was gefordert wurde. Über zehn Jahre war sie in der Erwachsenenbildung tätig, hat Arbeiternehmer fit gemacht. War lange Dozentin und seit rund fünf Jahren Leiterin an ihrer ehemaligen Arbeitsstelle. Studiert hat die Mutter eines fast erwachsenen Sohne Betriebswirtschaftlehre an der Uni Saarbrücken. Doch nicht nur daher kommt die Verbundenheit mit dem Saarland, sagt die - auch gebürtige - Zweibrückerin. Zum einen sei sie mit einem St. Ingberter verheiratet, zum anderen sei der Weg ins Saarland immer selbstverständlich gewesen. Zurzeit ist sie schon täglich am - noch recht kargen Platz - im VHS-Gebäude. Dafür gibt es einen guten Grund: Das neue Heft entsteht grade, noch ohne Beteiligung der "Neuen". "Aber da kann ich schon mal einen guten Überblick bekommen." Viel hat sie sich vorgenommen. "Ich denke, die VHS kann viel abdecken, ist längst mehr als reine Erwachsenenbildung. Dadurch, dass sie in Neunkirchen Teil der Kulturgesellschaft ist, gibt es auch ganz neue Möglichkeiten." An die Menschen näher ran gehen will sie, hören, was man so an Wünschen und Bedürfnissen hat. Ideen jedenfalls hat sie selbst schon viele. Kinder und Jugendliche sollen stärker einbezogen werden. Da könnte sie sich beispielsweise Sommerkurse vorstellen - zu bestimmten Themen wie Ritter oder Kelten, aber auch Intensiv-Vorbereitungskurse fürs Mathe-Abi beispielsweise. Verbraucherwünsche berücksichtigen lautet ihr Motto. "Warum nicht beispielsweise einen Kurs zum Hochzeitsplanen?" Was läuft, das wird auch weiterlaufen - aber ausbauen und verstärken soll bei Bedarf schon sein. Auch in Betriebe gehen, die Älteren nach Zusatzwünschen fragen. Die Raumfrage wird dabei möglicherweise noch zu klären sein. Auch da ist es gut, dass man die "Mutter" Kulturgesellschaft hat, die hat da ja einiges zu bieten. "Da die VHS sich durch die Kurse weitestgehend selbst finanziert, gibt es da erst einmal viel Spielraum", sagt Wagner. Leonhardt-Jacob jedenfalls wirkt schon jetzt ein bisschen stolz auf die Neunkircher Volkshochschule.

Zusammenarbeit mit den anderen VHSen und auch mit dem Verband, das sei ihr selbstverständlich. "Man braucht ja keine zwei identischen Kurse in nebeneinanderliegenden Städten." Was will sie in einem Jahr erreicht haben? "Neue Akzente gesetzt, vielleicht sogar drei Hefte: allgemein, für die Jugend und für die Senioren; bei Betrieben vorbeigeschaut haben, Kontakte gepflegt und erfahren haben, wie gut es im Team und mit der Kulturgesellschaft läuft." Doch jetzt gilt es erst einmal, sich richtig einzurichten.