Wenn eine Stadt Rätsel aufgibt

In der Lesereihe „Haste Töne“, die der ehemalige SR-Jazzredakteur Peter Kleiß und die evangelische Kirchengemeinde Uchtelfangen veranstalten, hat Florian Brunner sein neues Buch vorgestellt. Ein lockerer Abend.

Warum hängen in Saarbrücken an manchen Häuserwänden große Metallhaken? Und dann auch noch weit oben, wo man gar nicht rankommt? Manch einer hat sich im Vorbeigehen sicher schon darüber gewundert - und die Sache dann vergessen. Nicht so Florian Brunner. Wenn er etwas Merkwürdiges entdeckt, spürt er ihm nach, fragt sich bei Behörden oder Anwohnern durch. Und ist erfolgreich: "Diese Haken waren einmal Befestigungen der Oberleitungen unserer Straßenbahn."

Das Publikum in der Alten Schule in Uchtelfangen dufte am Donnerstagabend über einige Rätsellösungen staunen. In der Lesereihe "Haste Töne", die der ehemalige SR-Jazzredakteur Peter Kleiß und die evangelische Kirchengemeinde Uchtelfangen veranstalten, stellte Brunner sein neues Buch "Saarbrücker Spurensuche" vor. Für das bereits dritte Werk über Saarbrücken hat der Autor, Fotograf und selbstständige Verleger mit Markus Phillip zusammengearbeitet.

"Da ist schon ein Stück Heimatliebe dabei", verriet er im Gespräch mit Kleiß, der moderierte. Er sei in Saarbrücken zur Welt gekommen, seine Eltern jedoch, da selbst keine Saarländer, hätten ihm nicht viel über die Heimatstadt sagen können. "Ich musste alles selbst herausfinden und dabei bin ich auf immer mehr interessante Dinge gestoßen." In jüngster Zeit beispielsweise auf ein Greifenrelief an der Apotheke Am Cottbuser Platz. Selbst die Apothekerin konnte Brunner nicht sagen, was der Vogel dort zu suchen hat. Das konnte erst die über 80-jährige Vorbesitzerin: Ihr Vater, der Gründer der Apotheke, sei der Chef der saarländischen Wandervögel gewesen. "Und der Greif ist das Wappentier der Wandervögel."

Unter anderem hat Brunner auch eine Fassade eines jüdischen Kaufhauses entdeckt, die Jahrzehnte hinter einer Werbetafel verborgen lag, und Glühbirnen, die beim Besuch Hitlers in Saarbrücken 1935 das Rathaus illuminierten. "Ich bin ganz erstaunt, was ich alles noch nicht gesehen habe", sagte Kleiß. Auch die Besucher ergriffen immer wieder das Wort in dieser lockeren, familiären Runde, in der viel gewitzelt und gelacht wurde.

Zu Beginn des Abends, nach einer Begrüßung durch Elmar Schneider von der Kirchengemeinde, hatte Brunner noch Kostproben aus seinen beiden Vorgängerbüchern "Unterirdisches Saarbrücken" und "Saarbrücken - Entdeckungen von oben" gegeben.

Dabei nahm er das Publikum mit in Braukeller und Bunkeranlagen und zeigte mit Fotografien die Wandlung bekannter Stadtviertel auf: Wo 1929 zwischen lockerer Bebauung Bettwäsche gefärbt wurde, stand 1949 ganz in der Nähe das Staatstheater, fuhren 1953 Kohletransporter über die Saar und fuhren 1977 Autos über die brandneue Stadtautobahn.