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Pianistin Julia Kadel beeindruckte in der Illinger Jazzlounge

Pianistin Julia Kadel beeindruckte in der Illinger Jazzlounge

. Kann die musikalische Karriere eine ernsthafte berufliche Option darstellen? Diese Frage stellte sich Julia Kadel, als es nach dem Abitur darum ging, den späteren Lebensweg festzulegen. Im Alter von 15 Jahren fing die Berlinerin mit einem schon damals ausgeprägten Sinn für Jazz an, Klavier zu spielen - um sich zumindest zeitweise doch für ein "solideres Handwerk" zu entscheiden.

Sie absolvierte das Vordiplom im Fachbereich Psychologie an der Humboldt-Universität Berlin und ließ die Tasten vorerst ruhen. Doch schließlich stellte sie fest, dass ihr das Klavierspiel zu sehr fehlte. Also nahm sie Unterricht bei Julia Hülsmann, die das Talent Kadels schnell erkannte: "Sag mal Julia, was willst du denn? Mach doch Musik!" Sie folgte dem Rat und studierte Jazzklavier an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden. 2013 wurde sie für die Endausscheidung des HFM Saar Jazzpreises ausgewählt und gewann diesen mit ihrem Trio souverän. Danach folgte mithilfe von Till Brönner ein Engagement bei Blue Note, einem legendären Label für Jazzmusik, bei dem das Trio im November des vergangenen Jahres sein erstes Album veröffentlichte.

Nach Illingen kam sie aber als Solistin. "Ich lasse mich von allem, was ich erlebe, inspirieren. Die Musik erlaubt mir, Dinge ausdrücken, die ich so nicht in Worte fassen kann." Als vorläufig letzte Frau am Klavier der Illinger Jazzlounge brachte Kadel ein Programm mit, "auf das ich mich selber schon länger freue". Dem Publikum im Rathaussaal präsentierte sie Varianten eigener Stücke mit ausgeprägter Klangvielfalt zwischen Komposition und Improvisation. Franz Kuhn aus Illingen bezeichnete ihr Spiel als "sehr eigenständig. Es ist keiner Schule zuzuordnen. Sie kann technisch alles und findet Klangkombinationen auf diesen 88 Tasten, die ich bis jetzt noch nicht gehört habe".

Die Titel behandelten vorwiegend persönliche Themen der Pianistin. So zeigte sie im "Popsong" ihr ungewöhnliches Verständnis von Popmusik. Das Stück "Held" hingegen ging zurück auf einen Sommer der Künstlerin, "in dem ich sehr viele Fantasy-Bücher gelesen habe".

Stefan Münzer aus Saarbrücken war angetan vom Ambiente der Veranstaltung zwischen Käse, Wein und Musik. "Mir gefällt die Atmosphäre sehr gut." Ende des Monats wird Julia Kadel nochmal ins Saarland kommen. Am 26. November ist sie mit ihrem Trio in der Stummschen Reithalle zu Gast.