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Fußball-Saarlandpokal
Noswendel und die „Mini-Minimalchance“

Thorsten Schütte, der Spielertrainer des FC Noswendel Wadern, grübelt darüber, wie seine Mannschaft ihre kleine Chance gegen die übermächtige SVE vielleicht doch nutzen kann. Er wisse „in etwa, was Elversberg vorhat“.
Thorsten Schütte, der Spielertrainer des FC Noswendel Wadern, grübelt darüber, wie seine Mannschaft ihre kleine Chance gegen die übermächtige SVE vielleicht doch nutzen kann. Er wisse „in etwa, was Elversberg vorhat“. FOTO: Achim Thiel
Wadern. Es ist ein Fußballfest für den FC Noswendel Wadern: Im ersten Saarlandpokal-Halbfinale der Vereinsgeschichte trifft der Verbandsligist heute auf die SV Elversberg – und damit auch erstmals auf Berufsfußballer. 800 Fans werden erwartet. Von David Benedyczuk

Eigentlich hatten sie ja kaum Zeit, die Vorfreude richtig auszunutzen. Nur eine Woche nach dem sensationellen 1:0-Erfolg über Saarlandligist SF Köllerbach  wartet nun schon das nächste Hammerspiel auf die Fußballer des Verbandsligisten FC Noswendel Wadern. Doch irgendwie sind sie das da gewöhnt. Seit dem ersten Pflichtspiel des Jahres im März folgt eine Englische Woche auf die andere.


Die vergangene aber war für den Verein dann doch eine denkwürdige. Eine, auf die der FC-Anhang lange mit Freude zurückblicken wird. Und mit der sich das Team nicht zuletzt den großen Höhepunkt heute Abend verdient hat: Im ersten Saarlandpokal-Halbfinale seiner Historie empfängt Noswendel Wadern am heutigen Mittwoch um 17.30 Uhr die SV Elversberg auf dem Rasen der Sportanlage Christianenberg.

Nach dem Oberligist FV Eppelborn (4:1 nach Verlängerung) im Achtel- und Saarlandligist SF Köllerbach (1:0) vor einer Woche im Viertelfinale wartet im nächsten „Spiel des Jahres“ mit dem Regionalligisten nicht nur die bisher höchste Hürde, sondern eine völlig neue Kategorie: Berufsfußballer.

„Wir sind da krasser Außenseiter. Die Jungs sollen es daher einfach genießen, mal gegen Profis zu spielen – hoffentlich vor guter Kulisse“, sagt Spielertrainer Thorsten Schütte, dessen erste Saison beim FC nach Startproblemen fast nicht besser hätte laufen können. In der Verbandsliga belegt der Aufsteiger den starken siebten Platz  – bei einem Spiel weniger als die Kontrahenten.

Am Ostermontag vor dem Köllerbach-Coup fertigte Schüttes Elf mal eben Spitzenreiter FC Rastpfuhl mit 6:2 ab. Marcel Lorig traf dabei nicht nur zum 3:1, sondern holte zudem gleich drei Elfmeter heraus, die Alexander Neu gewohnt sicher  verwandelte. Lorigs Schnelligkeit könnte heute zum Faustpfand werden, wenn es gegen die SVE darum geht, „eine Mini-Minimalchance“, die Schütte sieht, vielleicht wirklich zu nutzen. Offensivakteur Lorig, mit 17 Treffern Vierter der Torschützenliste und als Vorbereiter ähnlich erfolgreich, fiebert dem Halbfinale entgegen: „Die Vorfreude ist in der ganzen Mannschaft groß. Das ist für uns ein absoluter Höhepunkt, der vielleicht nie mehr kommt. Wir wollen allen zeigen, was wir draufhaben.“



Schon den Sieg im zweiten Anlauf über Köllerbach, nachdem das erste Mal wegen eines Tumults abgebrochen worden war (wir berichteten), wertete Lorig als „tolles Erlebnis. Gegen Elversberg wird es sehr anstrengend, wir haben aber keine Angst und versuchen, den nötigen Spaß ins Spiel einzubringen.“

Spaß bereiteten Lorig und seine Teamkollegen derzeit auch den FC-Verantwortlichen: „Ich kann der Mannschaft nur ein dickes Lob zollen, besonders Thorsten, der sie jedes Mal sehr gut einstellt. Man erkennt klar die Handschrift des Trainers“, findet der Vorsitzende Spielbetrieb Franz-Josef Görgen. Zum Halbfinale gegen die SVE sagt er: „Wir können im Prinzip nur gewinnen.“ Schon jetzt ist es der größte Erfolg der Clubgeschichte – und das genau 20 Jahre nach Gründung der SG Noswendel-Wadern, aus der 2016 der neue FC hervorging. Die Partie sei „zudem eine Riesenherausforderung“, so Görgen: „Wir erwarten 600 bis 800 Besucher. Da sind im Verein alle Hände gefragt. Verbunden mit den Auflagen ist das organisatorisch eine andere Hausnummer. Wir brauchen zum Beispiel Sicherheitspersonal, das am Eingang Kontrollen durchführt. Rucksäcke sind nicht erlaubt.“

Dennoch gilt: „Im ganzen Verein herrscht Euphorie. Jeder freut sich auf das Spiel und packt in der Organisation mit an. Da läuft es optimal“, verrät Schütte. Wie es dann auf dem Rasen läuft, bleibt abzuwarten. Was den Einzug ins Pokalfinale angeht, kennt sich Schütte aber bestens aus: Mit dem FC Homburg erreichte er 2003 und von 2006 bis 2008 vier Endspiele, 2006 und 2008 glückte der Pokalsieg. Er wisse „in etwa, was Elversberg vorhat“, sagt der Spielertrainer. „Vielleicht machen sie einen Fehler, den wir nutzen können. Klar ist, dass es ohne Glück in so einem Spiel nicht geht.“