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Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen in 54 Fällen angeklagt

Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen : Missbrauchs-Anklage gegen „Jugendpastor“

Staatsanwalt wirft Ex-Seelsorger der „Gemeinde ohne Mauern“ vor, sich an Jugendlichen vergangen zu haben.

54 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen und Jugendlichen wirft die Staatsanwaltschaft Saarbrücken dem früheren „Jugendpastor“ der sektenähnlichen Glaubensgemeinschaft „Gemeinde ohne Mauern“ vor. Diese hatte lange ihren Sitz im Mettlacher Ortsteil Wehingen. Der heute 48-Jährige G. soll sich vor dem Landgericht Saarbrücken verantworten. Nach Angaben von Pressestaatsanwalt Mario Krah soll er bis 2017 als Seelsorger unter anderem für die sexuelle Aufklärung jüngerer Gemeindemitglieder zuständig gewesen sein. Die Eltern der Minderjährigen waren damit angeblich einverstanden. Diese besondere Vertrauensposition und die sexuelle Unerfahrenheit seiner Opfer habe der Mann im Tatzeitraum von 2013 bis 2017 ausgenutzt. An zwei Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren habe er „sexuelle Handlungen vorgenommen, oder umgekehrt, an sich vornehmen lassen“, so die Anklage.

Eingestellt hat die Staatsanwaltschaft die Verfahren wegen Missbrauchs an vier weiteren jungen Frauen. Der Grund: Diese waren im Tatzeitraum bereits volljährig, und ein Nachweis möglicher sexueller Nötigung war angeblich nicht zu führen. Gegen die Einstellung der Ermittlungen hat eine Frau Beschwerde erhoben.

In dem mutmaßlichen Sexskandal in der „Gemeinde ohne Mauern“ wurde G. Ende 2018 fristlos gefeuert. Er erstattete auf Druck von leitenden Gemeindemitgliedern Selbst­anzeige. Weil durch den Skandal die Spenden ausblieben, kam die Glaubensgemeinschaft in Zahlungsschwierigkeiten und  musste Insolvenz anmelden. Ihr Hotel- und  Tagungszentrum „My Place“ wurde zwischenzeitlich verwertet, wechselte nach Angaben von Insolvenzverwalter Marc Herbert für rund 700 000 Euro den Besitzer.