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Kreis Merzig-Wadern gilt seit 14. Oktober als Corona-Risikogebiet

Grenzwert überschritten : Kreis Merzig-Wadern ist jetzt Risikogebiet

Am Mittwoch wurde die kritische Marke von 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten.

Seit Mittwoch ist auch der Kreis Merzig-Wadern Corona-Risikogebiet. Wie die Kreisverwaltung am Mittwochnachmittag auf SZ-Anfrage mitteilte, stieg der so genannte Inzidenzwert auf 51,3 und überschritt damit die kritische Marke von 50. Ab diesem Wert gilt eine Region als Risikogebiet. Der Inzidenzwert gibt die Zahl der Corona-Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage an. Er lag schon seit dem Wochenende nur noch knapp unter der Schwelle von 50.

Am Mittwoch nun sind nach Auskunft des Landkreises zehn neue Fälle registriert worden. Sie verteilen sich wie folgt: Sechs der Betroffenen kommen aus der Gemeinde Mettlach, zwei aus der Kreisstadt Merzig, je einer aus Perl und Losheim am See. Zugleich gelten acht bislang Erkrankte als genesen. Somit steigt die Zahl der akut an Covid-19 erkrankten Menschen im Landkreis auf 61, am Tag zuvor waren es noch 59 gewesen. Die Infektionsfälle verteilen sich wie folgt: 27 an Corona Erkrankte leben in der Stadt Merzig, 19 in der Gemeinde Mettlach, jeweils sechs in Perl und Losheim, zwei in Beckingen und einer in Wadern. Die Kurgemeinde Weiskirchen ist derzeit frei von Corona-Patienten.

Zuletzt waren insbesondere in der Gemeinde Mettlach die Infektionszahlen nach oben geschnellt: Noch am Freitag hatten die Behörden dort nur einen akuten Fall vermeldet. Wie Werner Klein, Pressesprecher des Landkreises, auf Anfrage der SZ erklärte, hätten sich in der Gemeinde getrennt voneinander mehrere Infektions-Cluster (also ein gehäuftes Auftreten von Infektionen innerhalb einer bestimmten Gruppe) gebildet. Anders als in anderen Regionen, etwa in der Gemeinde Marpingen im Kreis St. Wendel, ließen sich diese Cluster aber nicht auf einen gemeinsamen möglichen Ursprung zurückführen. „Die Infizierten haben wenig miteinander zu tun gehabt“, sagte Klein. Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich erklärte: „Der Fallanstieg erklärt sich überwiegend aus mehreren privaten Feierlichkeiten, die jeweils längere Infektionsketten in Gang gesetzt haben.“ Jetzt gelte es umso mehr, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten, so Schlegel-Friedrich. „Kontakte müssen beschränkt werden, damit das Gesundheitsamt in der Lage bleibt, die Kontaktketten zeitnah zu verfolgen.“

Als Reaktion auf das Überschreiten des Grenzwertes ergreift der Landkreis Merzig-Wadern die gleichen Maßnahmen, die schon die Kreise St. Wendel und Neunkirchen umgesetzt haben. Sie hatten bereits am Samstag (St. Wendel) beziehungsweise Dienstag (Neunkirchen) die Warnmarke von 50 überschritten. Ab Mitternacht wird nun auch im Grünen Kreis die Höchstzahl an Personen, die bei Feiern in öffentlichen oder angemieteten Räumen zulässig sind, auf 25 beschränkt. Bislang waren hier 50 Personen zugelassen. Für Feiern in privaten Räumen wird in der entsprechenden Verfügung des Kreises eine Höchstzahl von zehn gleichzeitig anwesenden Personen empfohlen. Zudem bleibt das bereits am Sonntag verfügte Verkaufsverbot für Alkohol in der Zeit zwischen Mitternacht und sechs Uhr früh in Kraft. Damit hatte der Kreis am Wochenende auf das Überschreiten einer ersten Warnmarke reagiert: Am Samstag war die Inzidenzzahl auf über 35 geklettert. Das Ausschankverbot gilt in Gaststätten, insbesondere Restaurants, Kneipen, Schank- und Speisewirtschaften, Bars, Kantinen, Hotelrestaurants und -bars sowie Eisdielen und Eiscafés. Verkaufsstätten und ähnlichen Einrichtungen, insbesondere Tankstellen, Kiosken, Einzelhandelsgeschäften und Supermärkten, ist es in dieser Zeit ebenfalls untersagt, Alkohol abzugeben. Sportveranstaltungen können vorerst weiter stattfinden. Die neue Verfügung gilt bis 1. November.

Die Einstufung als Risikogebiet hat nach Mitteilung des Kreises folgende Auswirkungen: Einwohner des Landkreises Merzig-Wadern, die in den kommenden Tagen in Urlaub fahren, haben die jeweils geltenden Bestimmungen in den Urlaubsorten zu beachten. Sie können sich ab Donnerstag, 15. Oktober, kostenlos auf dem Testgelände in Saarbrücken auf das Virus testen lassen. Für Personen, die im Landkreis Merzig-Wadern Urlaub machen, gelten keine besonderen Regelungen. Bei der Rückreise seien die geltenden Bestimmungen in der Heimatregion zu beachten.

Landkreis-Sprecher Klein betonte, dass weiterhin die Kontaktnachverfolgung den Schwerpunkt der Bemühungen der Behörden bilde, um die weitere Verbreitung des Virus einzudämmen. Bereits seit vergangenen Donnerstag werden die Mitarbeiter des Kreis-Gesundheitsamtes von sechs Bundeswehrangehörigen dabei unterstützt. Am Mittwoch sei dem Landkreis weitere Unterstützung seitens der Bundeswehr angeboten worden. „Wir prüfen das“, betonte Klein. Das zusätzliche Personal bedeute durchaus eine Entlastung. „Allerdings müssen wir vorher die räumlichen und technischen Voraussetzungen für diese zusätzlichen Kräfte schaffen“, sagte Klein. Bereits jetzt seien acht Arbeitsplätze für die Kontaktnachverfolgung im Museum Schloss Fellenberg eingerichtet worden. Trotz des beständigen Anstiegs der Neuinfektionen haben die Gesundheitsbehörden des Kreises die Situation noch im Griff: „Es gibt zwar viel zu tun. Aber wir können die Infektionsketten noch gut nachverfolgen“, betonte er.

Klein appellierte an die Menschen im Kreis, auch nach Überschreiten der kritischen Grenze nicht in Panik zu verfallen. Vielmehr sei es geboten, die bestehenden Infektionsschutz-Regelungen zu beachten. Dies gelte insbesondere für die Hinterlegung persönlicher Daten, was im Ernstfall die Kontaktnachverfolgung erheblich unterstützen könne.

Zudem prüft der Landkreis, ob ein zusätzliches Abstrichzentrum im Kreisgebiet eingerichtet werden solle. „Wir wollen die Abstrichkapazitäten erhöhen und diese Testungen aus dem Gesundheitsamt heraus verlagern“, erklärte Klein. Hierzu würden aktuell mehrere mögliche Standorte geprüft. Eine Entscheidung könnte am Donnerstag fallen.

Der Landkreis bleibt solange Risikogebiet, bis der kritische Wert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner an fünf Tagen in Folge unterschritten wird.