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Merchingen
88 statt 85 Jahre: Das Merchinger DRK ist älter als vermutet

Merchingen.

„Heute kann das Merchinger DRK statt 85 Jahren, 88 Jahre feiern“, lautete die überraschende Nachricht des Chronisten Franz-Josef Körner an die im Vereinshaus zum Jubiläum versammelten DRK’ler. Nach seinen Recherchen wurde das Merchinger Rote Kreuz schon am 22. Oktober 1930 als Freiwillige Sanitätskolonne durch Nikolaus Lorang, von den Mitbürgern „Dorfdoktor“ genannt, gegründet. 24 Männer gehörten von Anfang an der Sanitätskolonne an. Frauen wurden damals keine aufgenommen. Zum Aufbau der Handlungsfähigkeit der Sanitätskolonne gewährte der Gemeinderat Merchingen durch Beschluss vom 4. November 1930 eine einmalige Beihilfe von 6000 Franken. Am 9. November 1930 begann die Freiwillige Sanitätskolonne mit der Schulung ihrer Mitglieder.


Zum 15. März 1933 wurde festgestellt, dass sie sich im Ort etabliert habe und nun auch nach den Richtlinien des Landesvereins des Roten Kreuzes ausgerüstet ist. 1933 wurde auf Betreiben maßgeblicher Kräfte erreicht, dass Frauen ebenfalls in die Sanitätskolonnen Eingang fanden, so auch in Merchingen.

Der „Vaterländische Frauenverein vom Roten Kreuz“ beschloss am 9. November 1933 in seiner Jahreshauptversammlung in Merzig, dass ab jetzt die so genannten Samariterinnen im Roten Kreuz an den Übungen der Sanitätskolonnen teilnehmen werden. Am 8. Januar 1934 fand in Merchingen für 27 Merchinger Frauen ein Samariterinnenkurs statt.



Die erste gemischte Sanitätskolonne (Männer und Frauen) im Dorf entstand in den Jahren 1934 bis 1935. Die Übungen fanden immer noch getrennt nach Geschlechtern statt. Die Führung der gemischten Sanitätskolonne im Roten Kreuz in Merchingen war allerdings jetzt aufgeteilt in den Kolonnenführer in der Person von Nikolaus Lorang und Klara Jung als der ersten Bereitschaftsführerin der Frauen.

Während des 2. Weltkrieges oblag es unter anderem auch dem Roten Kreuz Merchingen, dafür zu sorgen, dass die Evakuierungszüge auf ihrem Tross in die Aufnahmegebiete versorgt und umsorgt wurden. Insbesondere waren hierbei die Rot-Kreuz-Frauen gefragt.

Nach dem Krieg vorerst verboten, gründete sich das DRK-Merchingen wieder am 7. Dezember 1952. Gründer waren: Nikolaus Lorang, Nikolaus Adam, Wilhelm Geier, Alban Seiwert, Ludwig Leutner, Erwin Kratz, Alois Condé, Klara Jung, Maria Bastian, Hedwig Welsch, Marga Seiwert, Agnes Wilbois, Elisabeth Dillschneider, Gertrude Krier und Paula Seiwert. Erster Vorsitzender und Kolonnenführer wurde Nikolaus Lorang und erste Bereitschaftsführerin der Frauen Klara Jung.

Am 23. Januar 1955 gab Nikolaus Lorang den Vorsitz im, wie es jetzt hieß, SRK-OV Merchingen (Saarländisches Rotes Kreuz), an seinen Sohn Hermann ab. 1957 führte der Ortsverein den so genannten Seniorentag, früher Altentag, ein. Am 15. November 1959 wurde Nikolaus Lorang für seine Verdienste um das Rote Kreuz mit der Verleihung des DRK-Ehrenzeichens durch den damaligen Präsidenten des DRK-Landesverbandes Saar, Heinrich Welsch, in Saarbrücken geehrt. Nikolaus Lorang starb im Jahre 1969 im Alter von 88 Jahren.

Beim Fest zum 50-jährigen im Jahre 1983, das auch gebührend gefeiert wurde, waren mit Klara Jung und Wilhelm Geier zwei Gründer der ersten Generation noch am Leben. Mit Jung verstarb im Oktober 1992 die letzte von diesen. Im Jahre 2008 feierte der DRK-OV Merchingen sein 75-jähriges Bestehen. Am 22. Mai 2016 erhielt er im Rahmen einer Feier sein erstes Fahrzeug und ist seitdem motorisiert.