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Merzig
Viele Gäste prosten dem Zimmermann zu

 Zimmermann Johannes Bies verkündet seinen Richtspruch zum Neubau des Awo-Seniorenzentrums Klosterkuppe Merzig.
Zimmermann Johannes Bies verkündet seinen Richtspruch zum Neubau des Awo-Seniorenzentrums Klosterkuppe Merzig. FOTO: Ruppenthal
Merzig. Ende des Jahres soll das neue Seniorenzentrum in Merzig öffnen. Beim Richtfest gab es einen ersten Blick hinter den Bauzaun. Von Margit Stark

Für den Zimmermannmeister Johannes Bies, der in schwindelnder Höhe seinen Richtspruch verkünden muss, serviert Anneliese Fixemer Sprudel in einem Sektglas. „Ich bin seit 40 Jahren Hauswirtschaftsleiterin in der Awo. Für mich wird der Umzug vom Heinrich-Albertz-Haus in das Seniorenzentrum Klosterkuppe ein Erlebnis“, verrät die charmante Frau. Läuft alles nach Plan, soll das neue Gebäude, das die Arbeiterwohlfahrt (Awo) in der Merziger Innenstadt hochzieht, Ende des Jahres fertig sein. Am Freitag stand das Richtfest an (wir berichteten bereits).


Während Bies, zur Feier des Tages in Zunftbekleidung, sich auf den Weg zum Dach macht, versorgen Fixemer und ihre Mitarbeiterinnen die Gäste mit Sekt und Orangensaft. Zum Richtspruch wechseln sie das Angebot – in Marillenlikör und Mirabellenschnaps. Beifall brandet auf, als der Handwerksmeister sein Glas nach altem Brauch auf den Boden des Hauses wirft. Zufrieden lässt Marcel Dubois, Landesvorsitzender der Awo, seine Blicke über die große Zahl an Gästen schweifen: Die Idee, Nachbarn zu der Fete einzuladen, ist nicht auf taube Ohren gestoßen. Neben Gästen aus der Politik lassen es sich viele Awo-Mitglieder und Anrainer nicht nehmen, einen Blick hinter den Bauzaun zu werfen.

„Vorgesehen sind im Seniorenzentrum elf Einheiten in drei Wohnebenen“, sagt Dubois ein wenig später im Festzelt, das eigens zu der Fete errichtet worden ist. Das Konzept richtet sich laut dem Vorsitzendem nach den Anforderungen der zukünftigen Bewohner und sieht Wohn- und Betreuungsmöglichkeiten vor, die von Selbstständigkeit bis hin zu intensiver Pflege reichen.



110 Plätze sollen entstehen, 88 Einzelzimmer und elf Doppelzimmer. „All dem soll auch die offene und lichtdurchflutete Bauweise mit Innenhof entgegenkommen“, sagt Dubois. Für die Erdgeschosse von Gebäudebereich A, B und C kündigt er Plätze für 30 Menschen mit demenzieller Erkrankung an. „Wir orientieren uns am Umfang und an der bisherigen Größenordnung des Heinrich-Albertz-Hauses, auch die Zahl der Arbeitsplätze soll unverändert bleiben“, betont Dubois. Die Gesamtinvestition beziffert er auf rund 15 Millionen Euro, die reine Bauleistung auf 11,5 Millionen Euro.

„Unser Haus öffnet sich in das Wohnquartier mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten, und wir wollen durch die Einbindung des Außenbereiches am Ritzerbach und Parkgelände das Bistrogebäude zur allgemeinen Nutzung, zur Begegnung mit Konzerten und sonstigen Veranstaltungen fördern.“ Die Fertigstellung ist laut Dubois Ende des Jahres geplant.

Für das Seniorenzentrum kündigt er ein Energiekonzept mit erhöhter Wärmedämmung, einer eigenen gekoppelten Strom- und Wärmeerzeugung über zwei Blockheizkraftwerke, ein dezentrales Lüftungssystem und eine Infrastruktur für Elektromobilität an. Für die E-Tankstelle, die die Awo für Elektrofahrräder und für zwei Autos plane, sei man in Abstimmung mit den Merziger Stadtwerken, die für die Klosterkuppe einen Förderantrag gestellt haben. Diese Ankündigung vernimmt Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld gerne. Er bezeichnet die geplante Tankstelle als weitere Innovation für die Stadt. Hoffeld lobt die gute Pflege und die gute Mannschaft der Awo und dankte – wie zuvor Dubois – dem Projektbeauftragten Wolfgang Hermann. Dass gute Nachbarn zu dem Richtfest einladen, ist „ein besonderes Erlebnis, für das wir auch gekämpft haben“, sagt der Verwaltungschef mit Blick auf die Vergangenheit. Denn die Erschließung der Klosterkuppe war umstritten. 2013 hat sich eine Bürgerinitiative (BI) aus umliegenden Anwohnern gegründet – mit dem Ziel, eine Bebauung des Geländes zu verhindern. Damals waren noch zwölf Einfamilienhäuser, zwei Mehrfamilienhäuser sowie zwei Wohnblocks geplant. Die BI befürchtete eine noch stärkere Verkehrsbelastung – vor allem in der Schiller- und der Uhlandstraße. Auch der Nabu und die Grünen sprachen sich gegen eine Bebauung aus, da nach ihrem Bekunden damit weitere Grünflächen in der Stadt verloren gingen.