Linke im Saarland: Stellvertretende Landesvorsitzende tritt zurück

Doktor-Titel-Affäre im Vorstand : Vize-Chefin der Saar-Linke tritt von ihrem Amt zurück

Im Streit um ein Strafverfahren wegen des Verdachts des Titelmissbrauchs gegen ihren Vorstandskollegen Andreas Neumann hat Patricia Schumann nun für sich die Konsequenzen gezogen.

Was hat es mit dem Doktortitel auf sich, von dem die Rede ist, dass dieser überhaupt keine Bewandtnis hat? Das wollte Patricia Schumann von ihrem Amtskollegen im Landesvorstand der Saar-Linken, Andreas Neumann, wissen. Gleichzeitig forderte sie seinen Rücktritt, wenn das nicht geklärt wird. Der Streit um den akademischen Titel schwelt weiter, Neumann ist nach wie vor auf seinem Posten. Darauf hat die parteiinterne Kritikerin jetzt eine Entscheidung gefasst und ist selbst vom Posten der Vize-Parteichefin zurückgetreten. Entsprechende Information bestätigen am Samstag (13. Juli) auf Nachfrage Parteimitglieder.

Strafanzeige wegen Akademikertitel

Andreas Neuman, einer der noch verbliebenen beiden Vize-Chefs der Saar-Linke, hier während des politischen Aschermittwochs im März in Neunkirchen. Er steht im Verdacht, unrechtmäßig einen Doktortitel zu tragen. Foto: BeckerBredel

Auslöser für den Streit: Neumann soll zu unrecht einen Doktortitel tragen. Entsprechende Dokumente, die eigentlich die Rechtmäßigkeit dieses Namenszusatzes belegen sollten, seien nicht echt. Darum stellte das Wirtschaftsministerium Strafanzeige.

Schon geraume Zeit ohne Parteispitze

Nach Schumanns Rücktritt bleiben der Partei an der Saar nur noch zwei stellvertretende Vorsitzende: Den aus Wadgassen stammenden Neumann und Barbara Spaniol aus Homburg. Den Vorsitz hatte Jochen Flackus bereits im Februar 2018 aufgegeben. Gesundheitliche Gründe gab er damals für den Rückzug an. Er war nur kurze Zeit im Amt. Während eines Landesparteitages Ende November 2017 hatten ihn die Delegierten gewählt. Die neuen Wahlen stehen im September an.

landtagsfraktion sieht Lagerkämpfe

Aus Kreisen der Linke-Landtagsfraktion wird auf die bereits zahlreichen Konflikte innerhalb der Partei verwiesen. Ob diese Auseinandersetzungen nach der Wahl eines neuen Landesvorstandes überwunden werden, sei offen. Die Flügelkämpfe konnten bislang nicht beigelegt werden, heißt es. Das könne sich auch auf die Kandidaten auswirken, die die verschiedenen Lager womöglich ins Rennen schicken.

Rückkehr zu Sachthemen verlangt

Allerdings fordern Mitglieder, dass die Linke zu Sachthemen zurückkehrt.. Ansonsten sei ein Ergebnis bei den nächsten Landtagswahlen – voraussichtlich 2022 – nicht zu erzielen, dessen Potenzial die Partei bei bis zu 18 Prozent der Wählerstimmen sieht.

Generationswechsel möglich?

Ob bei der Wahl junge Hoffnungsträger wie der Landtagsabgeordnete Dennis Lander (26) im September zum Zuge kommen und im Vorstand an entscheidender Position mitmischen, bleibt abzuwarten, heißt es am Wochenende aus Parteikreisen. Zurzeit engagiert sich der Saarbrücker Politiker stark bei der Nachwuchsorganisation Linksjugend.

Die Saarbrückerin Schumann war am Samstag auf SZ-Nachfrage nicht zu erreichen.

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