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Peta zeigt Misshandlung von Hund durch Jugendlichen in Pirmasens

Tierschützer verbreiten Video : Junge in Pirmasens tritt auf Hund ein und wird gefilmt

Tierschutzorganisation veröffentlicht Video von der Attacke. Veterinäramt: Nicht von Emotionen, sondern von Recht und Gesetz leiten lassen.

Immer und immer wieder tritt ein etwa zwölfjähriger Junge dem Hundewelpen brutal an den Kopf und in den Bauch. „Der Hund soll anfangen zu beißen“, sind die Worte des Jugendlichen in Richtung eines Nachbarkindes. „Uns erreichen diese erschreckenden Aufnahmen aus Pirmasens“, schreibt die weltweit größte Tierschutzorganisation Peta auf ihrer deutschen Internetseite. Ein Whistleblower habe ihr ein Video zugespielt, auf dem die Misshandlung des jungen Hundes dokumentiert werden: Pirmasens ist wieder in den bundesweiten Schlagzeilen – und es sind keine positiven.

Das Bildmaterial wurde laut Peta Anfang September mit einer versteckten Kamera aufgenommen. Das Anwesen soll sich nach Informationen unserer Zeitung in einem Hinterhof in der Winzler Straße befinden. Das Gesicht des jugendlichen Tierquälers ist aus datenschutzrechtlichen Gründen verpixelt. Der Welpe soll mit Tritten scharfgemacht werden, vermuten die Tierschützer. 

Sie machen sich außerdem große Sorgen, da trotz Sommerhitze weder Wasser noch Futter auf den Bildern zu sehen sind. Auf dem Gelände gebe es auch keine Hütte oder andere Möglichkeiten zum Unterschlupf für den Vierbeiner.

Peta hat die Vorfälle dem Kreisveterinäramt Südwestpfalz gemeldet und die sofortige Beschlagnahmung des Hundes gefordert. Nach Angaben der Tierschützer wird der Hund mittlerweile im Haus gehalten und es müsse befürchtet werden, dass die Misshandlungen weiter gehen. „Wir fordern auch das Jugendamt zum Eingreifen auf, denn verantwortlich für Empathielosigkeit von Kindern ist in der Regel das familiäre Umfeld. Damit die Behörden den Hund retten, haben wir Strafanzeige gegen die Eltern erstattet“, ist auf der Peta-Seite zu lesen. 

Besagte Strafanzeige ist bei der Pirmasenser Polizei bisher nicht eingegangen. „Wir haben aber aufgrund der Bilder im Internet von dem Fall Kenntnis und uns an die Kreisverwaltung gewandt“, erklärte Polizeisprecher Werner Häfner auf Anfrage unserer Zeitung. Für die Bewertung der Lage sei das Veterinäramt zuständig. Noch sei nicht bekannt, ob es sich um eine Straftat oder eine Ordnungswidrigkeit handele. Damit eine Straftat vorliege, müsse einem Tier über einen längeren Zeitraum erhebliche Schmerzen zugefügt werden. Ob dies in diesem Fall so sei, müsse zunächst geklärt werden, betonte Häfner.

Thorsten Höh, Pressesprecher des Landkreises Südwestpfalz, bestätigt den Vorgang samt laufenden Untersuchungen. Das Veterinäramt sei nach Hinweisen mehrmals vor Ort gewesen. Bei dem Hund handele es sich um eine englische Bulldogge. Diese Rasse zähle nicht zu den Kampfhunden, dementsprechend sei kein Nachweis zur Haltung nötig.

Im konkreten Fall beinhalte die Arbeit des Veterinäramtes aber auch das mehrfache Beobachten des Hundes. Bislang seien die Bebachtungen nicht dahingehend einzuordnen, dass mit einer Herausnahme des Hundes aus der Familie eingeschritten werden müsse, erklärte Höh. Das Tier sei tierärztlich untersucht worden und es seien keine Anzeichen von Misshandlung, Verletzungen oder Verhaltensauffälligkeiten festgestellt worden.

Für die Tierhalter habe es eine Ansprache durch den Vollzugsdienst des Ordnungsamtes gegeben, berichtet Höh und erklärt weiter: „Wir verstehen die Reaktionen, die ein solches Video auslöst. Und wir schätzen den aufmerksamen Einsatz besorgter Bürger und von Peta.“ Allerdings müssten sich die zuständigen Kollegen des Veterinäramtes – wie in jedem anderen Fall auch – an Recht und Gesetz halten. Das Tierschutzgesetz sei Grundlage des Handelns, auch und gerade dann, wenn öffentlich stark emotionsgeladen über solche Tierschutzfälle berichtet werde. Auch gingen einige Reaktionen in den sozialen Netzwerken auf das Video deutlich über einen gut gemeinten Einsatz für den Hund hinaus und seien selbst besorgniserregend.