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Hornbach: Rainer Hohn fordert praktikable Lösungen für Grenzpendler

Kritik an Grenz-Regelungen : „Die Menschen hier verstehen die Welt nicht mehr!“

Vater und Sohn Hohn führten der Staatssekretärin Schmitt in Hornbach die Schattenseiten der Grenz-Regelungen vor – und wie man sich helfen kann.

Berliner Beschlüsse zur Corona-Pandemie und deren Umsetzung auf Seiten der Bundesländer sind eine Seite der Medaille. Die Realität an der Basis ist die andere. Bei Hornbachs Stadtbürgermeister Reinhold Hohn konnte die FDP-Staatssekretärin Daniela Schmitt am Donnerstag Eindrücke davon sammeln, wie eine über 50 Jahre ständig wachsende Freundschaft zwischen Deutschen und Franzosen regelrecht ins Wanken gerät. Der Hornbacher Stadtbürgermeister deshalb auch heftig und unverblümt: „Die Menschen hier verstehen die Welt nicht mehr!“ 

Das Reinhold Hohn auch bei hohem politischen Besuch kein Blatt vor den Mund nimmt, ist bekannt. Der FDP-Politiker stellte auch gleich zum Gesprächsbeginn klar, dass es sich beim Besuch der FDP-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl nicht um eine Wahlveranstaltung handele. Ihm sei wichtiger, einer Politikerin wie der Staatssekretärin Daniela Schmitt mit ihrem direkten Bezug zur Landesregierung basisnah deutlich zu machen, wo der Schuh drückt. Reinhold Hohn: „Es nutzt nichts, wenn jetzt auch der Oberbürgermeister der Stadt Zweibrücken mitteilt, dass Rotkreuzler von 10 bis 12 Uhr auf Corona testen. Hier in unserem Betrieb, mit zwei Dritteln an Arbeitskräften aus dem benachbarten Frankreich, beginnt der Arbeitstag morgens um sieben Uhr.“

Die Problematik der Grenzgänger wurde der Staatssekräterin Daniela Schmitt sehr vielschichtig vor Augen geführt. Wie sehr dabei ein mittelständisches Unternehmen mit 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu kämpfen hat, machte Gärtnereiinhaber Thomas Hohn, zudem Beigeordneter der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land mit vielen Beispielen deutlich.

Zum Wochenbeginn galt es, hausintern die Weichen für einen betrieblichen Neustart nach dem sich abzeichnenden Lockdown-Ende zu stellen. Dieser sei mit erheblichen Umsatzeinbußen einhergegangen, allein im Februar sei ein Umsatzminus von rund 250 000 Euro aufgelaufen. Thomas Hohn: „Unsere französischen Mitarbeiter sind am letzten Montag hier gewesen, hätten dann aber nicht mehr kommen können, weil sie als Grenzgänger keinen Test nachweisen konnten. Die Apotheken in Bitsch wären dafür Anlaufstelle gewesen, doch das konnten sie organisatorisch vergessen. Was haben wir getan? Wir testeten alle hier vor Ort im Betrieb.“

Der Hornbacher Arzt Thomas Klein spielte mit, Thomas Hohn als ausgebildeter Rettungssanitäter wie eine Betriebsangestellte mit entsprechender Vorbildung konnten unter der ärztlichen Aufsicht die Tests selbst vornehmen. Das Testmaterial hatte zuvor bereits Thomas Hohn besorgt und zur Verfügung gestellt. Der zur Situation: „Wir wissen, dass beispielsweise in Bayern jetzt wieder die Baumärkte öffnen. Da haben wir viel Abnehmer und müssen unsere Pflanzen, Kakteen und Bonsai in allen Variationen liefern, sonst sind wir am Ende.“

Als führende FDP-Politikern stellte Daniela Schmitt unumwunden in Hornbach fest: „Wir brauchen Öffnungsperspektiven, vor allem ein Bürgerverstehen, warum das so geregelt sein muss. Der Staat verlangt viel von den Bürgern, doch was der Staat derzeit als seine Leistung erledigen muss, testen und impfen, ist desaströs. Beim Impfen haben wir die Katastrophe und beim Testen jetzt auch. In Bayern, die schauen über die Grenze und sehen, wie es in Österreich läuft – und wir sind die Deppen!“

Der Schlüssel zum Herauskommen aus der Pandemie seien Perspektiven. Die müssten allerdings verantwortungsbewusst und vertretbar sein. Daniela Schmitt bekannte sich zu den Gesundheitstests, lenkte jedoch zugleich den Blick auf die wirtschaftlich wie gesellschaftlich-sozialen Auswirkungen durch die Pandemie.

Für die Handhabung in Hornbach hatte sie viel Lob übrig: „Das ist hier ja gelebter Arbeitsschutz, so sollte es sein“, meinte sie. „Es müssen in den Betrieben Teststationen, Testmöglichkeiten und Kapazitäten aufgebaut werden. Wir brauchen praktikable Lösungen. Realitätsnah, damit der Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten werden kann“.