Klänge helfen der Erinnerung

Freisen. Oft sind es äußere Anlässe, die Erinnerungen in Menschen wecken. Der Geschmack eines Gerichts, das Riechen eines Duftes oder das Betrachten eines Films können bewirken, dass sich plötzlich alte Gedanken und Bilder ins Bewusstsein rufen

Freisen. Oft sind es äußere Anlässe, die Erinnerungen in Menschen wecken. Der Geschmack eines Gerichts, das Riechen eines Duftes oder das Betrachten eines Films können bewirken, dass sich plötzlich alte Gedanken und Bilder ins Bewusstsein rufen. Der saarländische Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) setzt auf die Musiktherapie, um demenzkranken Menschen und ihren Angehörigen zu helfen. Bereits seit vergangenem Juni läuft das Projekt "Klänge der Erinnerung" in Türkismühle, seit dem 1. Dezember gibt es das Musiktherapie-Angebot auch in Freisen. Und im kommenden Januar startet das Projekt im Roschberger "Café Vergissmeinnicht". Unter diesem Namen betreut der DRK-Landesverband Gruppen für demenzkranke Menschen im gesamten Saarland.Wie läuft die Musiktherapie ab? "Zu Beginn singen wir ein Begrüßungslied, mit dem jeder Teilnehmer namentlich angesprochen wird", sagt Musiktherapeutin Ute Ripplinger vom DRK-Landesverband. Auch zum Abschluss stimmten die Demenzkranken ein Lied an. Dadurch solle eine "zeitliche Struktur" geschaffen werden, so Ripplinger. Schwerpunkte der Musiktherapie seien das Singen von Volksliedern sowie das gemeinsame Musizieren mit Musikinstrumenten wie Klangschalen, Rasseln oder Trommeln. "Dafür sind keine musikalischen Vorkenntnisse notwendig", sagt Therapeutin Ripplinger. Nach Ripplingers Angaben wirkt die Musiktherapie auf verschiedene Weise. Durch das Erinnern alter Volkslieder erlebten die Demenzkranken "Erfolgserlebnisse", indem sie sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzten und zu erzählen beginnen. "Das Musizieren in der Gruppe soll neben der Erleichterung des emotionalen Erlebens ebenfalls zur Aufhebung der Isolation und zur sozialen Integration beitragen", so Ripplinger. Sie wird in ihrer Arbeit von ehrenamtlichen Helfern unterstützt, die in der Musiktherapie geschult sind. Martin Erbelding, Leiter der Stabsstelle beim DRK-Landesverband, verweist auf einen weiteren Vorteil der Vergissmeinnicht-Cafés: "Die Angehörigen der Demenzkranken werden für zwei, drei Stunden entlastet, können sich erholen oder Besorgungen machen." Die Musiktherapie fördere nicht nur die Kontaktfreude und Konzentration der Kranken, sondern helfe ebenfalls den Angehörigen, sagt Ute Ripplinger. Entspannung durch MusikDie Betreuung der Demenzkranken im Alltag werde erleichtert, weil die Teilnehmer an den "Klängen der Erinnerung" entspannter würden. Dies sei ein Ergebnis einer Studie des Saarbrücker Instituts für Gesundheitsforschung und -technologie, das die fünf Pilotprojekte in Türkismühle, Perl, Saarbrücken, Dudweiler und Saarwelligen wissenschaftlich begleitet. Die Untersuchungen laufen zurzeit noch. Stabsstellen-Leiter Erbelding weist darauf hin, dass die Kosten für das Betreuungsangebot "zu 100 Prozent abgerechnet werden" könnten.

DRK-Betreuungsgruppen für Demenzkranke im Landkreis St. Wendel im Überblick: Türkismühle, in den Räumen des Pflegedienstes Marga Sticher, Saarbrücker Straße 36, mittwochs von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Freisen, Rathaus, dienstags von 9.30 bis 11.30 Uhr. Namborn-Roschberg (ab Anfang Januar 2010), in den Räumen des Pflegedienstes Cura Vita, Rotenberger Weg 6, dienstags von 14 bis 16 Uhr. mic