Spurensuche und Sockensalat

Oberkirchen. Gerade mal 13 Buchstaben haben die 20 Erstklässler in ihrer noch jungen Schullaufbahn bislang verinnerlicht. Texte schreiben können sie deshalb nicht, aber in der Erzähl- und Bewegungswerkstatt merken sie schnell, dass sie schon eine Menge lesen können: Bilder Spuren und Zeichen

Oberkirchen. Gerade mal 13 Buchstaben haben die 20 Erstklässler in ihrer noch jungen Schullaufbahn bislang verinnerlicht. Texte schreiben können sie deshalb nicht, aber in der Erzähl- und Bewegungswerkstatt merken sie schnell, dass sie schon eine Menge lesen können: Bilder Spuren und Zeichen. "Was könnte denn das für eine Spur sein", fragt Cornelia Werhann die Kinder, und hält dabei ein großes Bild aus dem textlosen Buch "Was war hier bloß los?", von Gerda Müller hoch. Sebastian Gisch, ein Spross vom Waldhof in Asweiler, erweist sich als Fachmann und ordnet die Tierspuren richtig zu. "Mit motivierenden Bilder kann man ohne Worte das Wahrnehmungsvermögen fördern", erklärt sie. Die Referentin verbindet in dem von ihr konzipierten Workshop das Geschichtenlesen und -erzählen mit Bewegungsübungen und trainiert so Sprach- und Körpergefühl gleichzeitig. "Wer etwas erfahren will muss sich bewegen. Bewegung ist das Tor zum Lernen", meint die Erziehungswissenschaftlerin. Im zweiten Teil ihres Kurses werden die Spurensucher in der Fuß-Werkstatt schnell zu Spurenlegern. "Unsere Aufmerksamkeit gilt nun ganz unseren Füßen", sagt Werhann. Mit lustigen Fußspielen regt sie die Kinder zu einer vertieften Wahrnehmung des eigenen Körpers an. Es wird viel gelacht als die Dozentin die Schüler dazu auffordert, sich mit den Füßen ihre Socken abzustreifen und diese - ebenfalls ohne Zuhilfenahme der Hände - in der Mitte des Sitzkreises zu einem "Sockensalat" zusammenzuwerfen. Bei einer genauen Betrachtung ihrer Füße fallen Hannah Nickel viele Falten auf. Die anschließende Fußmassage und weitere Übungen dienen dazu, die Geschicklichkeit und fast unbemerkt das Körpergefühl zu fördern. Ein Abc-Schütze steht dabei auf einem großen Blatt Papier, während sein Partner die Konturen seines Fußes mit einem Stift umrandet. Danach schreiben alle mit den Füßen ihren Name neben den Abdruck. Klassenlehrer Klaus Klein leistet sofort die nötige Hilfestellung "Schreibt in großen Buchstaben, oder malt einfach eine Sonne, oder den Mond", empfiehlt er seinen Schützlingen. "Damit hinterlassen alle ihre bleibenden Spuren", freut sich Werhann, denn die Kunstwerke erhalten einen festen Platz im Klassenzimmer. Nach drei Stunden verabschiedet sich die Gastlehrerin mit einem bleibenden Eindruck.

Auf einen Blick Zur Person: Cornelia Werhann, geboren 1960 in Saarbrücken. Sie studierte in Saarbrücken und Berlin Germanistik und Erziehungswissenschaften mit Magisterabschluss. Tätigkeiten im Bereich Kinderliteratur und Leseförderung unter anderem beim Kinderfunk des Saarländischen Rundfunks und im Projekt Leseförderung für Kleinkinder beim Staatlichen Büchereiamt für das Saarland. Ausbilderin für Tagesmütter auch im Hinblick auf Leserziehung. Seit 2006 freiberuflich als Yogalehrerin für Kinder und in der kreativen Leseförderung tätig.Zum Projekt: Die Lese-Initiative "Wasserkästen für Bücherkisten" wird vom Friedrich - Boedecker - Kreis mit Unterstützung von der Hochwald Sprudel GmbH durchgeführt und setzt sich für die Förderung der Lese- und Bildungslust der Grundschüler sowie der 5. und 6. Klassen in Rheinland- Pfalz und dem Saarland ein. frf