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Madeleine Giese schreibt Kopfkino

Madeleine Giese schreibt Kopfkino

Saarlouis. Wenn sich Menschen in Stuhlreihen quetschen, gibt es meistens etwas zu Sehen. Aber in der Saarlouiser Stadtbibliothek gab es am Montag keine Bühne, keine Leinwand. Die zwanzig Besucher starrten ins Leere oder hatten die Augen geschlossen. Eine knappe Stunde lang Kopfkino

Saarlouis. Wenn sich Menschen in Stuhlreihen quetschen, gibt es meistens etwas zu Sehen. Aber in der Saarlouiser Stadtbibliothek gab es am Montag keine Bühne, keine Leinwand. Die zwanzig Besucher starrten ins Leere oder hatten die Augen geschlossen. Eine knappe Stunde lang Kopfkino. Zusammen mit dem Saarländischen Rundfunk hat die Lebacher Autorin Madeleine Giese ihren neuen Saarlouiser Radio-Tatort "Der lachende Tod" vorgestellt.Der Saal in der historischen Kaserne war in weiches, orangefarbenes Licht getaucht, nichts sollte vom Krimihörspiel der Saarländerin ablenken. "Beim letzten Mal hat sie die Bibliothek abgebrannt", scherzte Bibliotheksleiter Georg André, in ihrem Radio-Tatort "Kein Feuer so heiß". Diesmal ging es um einen vermeintlichen Unfall und um einen Kochkurs mit außergewöhnlich großem Witwenanteil.

Im neuen Fall der Saarlouiser Kommissare Kathrin Krämer und Michel Paquet fährt ein Saarlouiser auf schnurgerader Straße gegen einen Baum. Die Autopsie ergibt: Der Tote hatte eine Überdosis Safran intus. Die Ermittlungen bringen Paquet und Krämer mit dem Frauen-Kochklub "Hauptsach gudd gess" in Kontakt. Ihre toten Männer hatten allesamt Lebensmittelallergien.

Die Zuhörer tauschen in der abgedunkelten Bibliothek flüsternd ihre Theorien zur Tat aus. War es die Ehefrau zusammen mit den Hobby-Köchinnen oder doch der frustrierte französische Gewürzhändler aus Saargemünd, der dem Opfer zu viel Safran verabreichte? "Zehn Gramm sind tödlich", weiß Giese. In ihrem Krimi hat sie noch weitere mörderische Kulinarien aufgetan. "Passt doch zu einem Tatort von der Saar", findet die 51-Jährige.

Ob sie denn nicht mal ein Hörspiel schreiben wolle, hatte Anette Kührmeyer, Hörspiel-Chefin des Saarländischen Rundfunks, Giese gefragt, als man in der ARD beschloss, den Radio-Tatort einzuführen. "Die Bedeutung des Hörspiels ist durch das Hörbuch wieder bewusst geworden", sagte Kührmeyer. Giese machte mit und stellte fest: "Das ist ein ganz anderes Schreiben." Man habe nur den Dialog, um die Personen vorzustellen, "das finde ich schwierig", sagte Giese. Trotzdem habe sie eine optische Vorstellung von ihren Figuren.

Im Werkstattgespräch stellten sich Giese, Kührmeyer, Regisseur Stefan Dutt und Komponist Stefan Scheib den Fragen der Besucher. Wie Giese auf die verdächtigen kochenden Witwen gekommen ist? Auf der Beerdigung eines Bekannten hatte sie jemanden sagen gehört: "Seine Frau hatte ja auch immer viel zu fett gekocht." Da kam ihr die Idee.

Die Autorin gibt nur die Dialoge vor, Geräusche und Musik fügen Komponist und Regisseur hinzu. Viel Geräuschatmosphäre statt anhaltender Dialoge macht das Hörspiel lebendig und unterscheidet es vom Hörbuch. Produziert hat der SR den Hör-Krimi in Baden-Baden, "aber die Geräusche sind alle aus dem Fenster da vorne aufgenommen worden", sagte Dutt. Neben den Geräuschen ist Tafelmusik zu hören. "Ich fand, das passte zum Essen", sagte Komponist Scheib.

Den Produzenten ist bewusst: Das Hörspiel vermittelt auch ein Bild von Saarlouis nach außen. Deshalb steht immer zur Debatte: Was gibt es zu Essen, soll ein Franzose als Freund einer saarländischen Figur auftauchen? Wie sprechen die Figuren? Wann Hochdeutsch, wann Dialekt? "So viele Mundartschauspieler haben wir gar nicht mehr im Saarland", sagte Dutt. "Wenn ich von einem weiß, dass er den Dialekt beherrscht, lasse ich ihn auch oft so sprechen." Eine Besucherin wünschte sich sogar noch mehr Saarlouiser Identität. Der französische Nachname des Kommissars Michel Paquet wird natürlich auf der hinteren Silbe betont. "Wenn er im Stück so durch Saarlouis läuft, sollte er aber öfter mal von Passanten mit 'Tach, Herr Páquet' begrüßt werden!" Die Saarlouiser betonen eben auf der ersten Silbe, egal ob im Deutschen oder im Französischen. Und das soll ruhig jeder wissen.

Auf einen Blick

Der neue Radio-Tatort "Der lachende Tod" ist am Sonntag, 19. Februar, ab 17.04 Uhr auf SR 2 Kulturradio zu hören, UKW 91,3.

"Der lachende Tod" ist der fünfte Radio-Tatort, der in und um Saarlouis spielt und der zweite von Autorin Madeleine Giese.

Die beiden Saarlouiser Tatort-Kommissare, Kathrin Krämer und Michel Paquet, werden gesprochen von Marie-Lou Sellem und André Jung. Die beiden Sprecher leben in Berlin.

Die Autorin Madeleine Giese wohnt heute in Kaiserslautern. kj