Nicht viel Zeit zum Überleben

Steinrausch. "So eine Gelegenheit gibt es selten." Wolfgang Scharfe steht auf der gefrorenen Wasseroberfläche des Schwimmerbeckens im Saarlouiser Steinrauschbad. Etwa 15 Zentimeter Eis sind das am Samstagmittag und mittendrin klafft ein dreieckiges Loch. Das hat die DLRG-Ortsgruppe Saarlouis mit einer Axt hineingehackt. "Schon gestern

Steinrausch. "So eine Gelegenheit gibt es selten." Wolfgang Scharfe steht auf der gefrorenen Wasseroberfläche des Schwimmerbeckens im Saarlouiser Steinrauschbad. Etwa 15 Zentimeter Eis sind das am Samstagmittag und mittendrin klafft ein dreieckiges Loch. Das hat die DLRG-Ortsgruppe Saarlouis mit einer Axt hineingehackt. "Schon gestern. Bis heute war es wieder fünf Zentimeter dick zugefroren."Scharfe ist technischer Leiter und Vorsitzender der Ortsgruppe. Mit 15 ehrenamtlichen Rettern übte er am Samstag die Selbstrettung aus dem Eis und Tauchen unter einer gefrorenen Wasserfläche im Steinrauschbad in Saarlouis.

Theorie stand am Vormittag im Schulungsgebäude direkt am Freibad an. Darunter auch Eisregeln wie: Betrete einen See erst, wenn das Eis 15 Zentimeter dick ist. Bei fließendem Gewässer sollten es mindestens 20 Zentimeter sein.

Denn bricht das Eis, bleibt nicht mehr viel Zeit fürs Überleben. "Etwa 15 Minuten", schätzt Scharfe. Nach dem ersten Schock im eisigen Wasser lähme die Kälte Finger, Arme und Beine. Wer dann in Panik versuche, sich am Eisrand aufzustützen, um wieder herauszukommen, breche immer wieder ein. "Wenn ich dann Leute auf dem Altarm sehe oder auf der Saar", äußert er sein Unverständnis, "da gibt es überall Quellen, und darüber wird das Eis dünn."

Kontrollierte Bedingungen waren das am Samstag im Freibad. Glasklares Wasser, eine stabile Eisdecke, Sicherungsleinen sowie warme und wasserfeste Kleidung. "Lang machen", sagt Scharfe am Loch im Eis. "Beine raus, um den Druck aufs Eis zu verteilen." "Wenn man reingeht, dann merkt man, wie die Kälte kommt. Das Wasser drückt ja den Anzug an den Körper", schildert Nicole Österreicher in Schutzkleidung. Danach vertreiben warme Getränke und eine Linsensuppe im Schulungsraum die Kälte.

Später machen sich fünf DLRGler fertig für den Tauchgang. Schwerfällig hockt sich Hansi Meiers-Leik in voller Tauchermontur ans Eisloch. "Maximal zehn Minuten", gibt Scharfe das Limit vor. Jörg Dorschain sichert mit straff gehaltener Leine.

"Die Eiswelt da unten ist schon bizarr", meint Hansi Meiers-Leick nach dem Auftauchen. Drei Personen mussten ihn aus dem eisigen Wasser des Freibades wieder zurück aufs Eis ziehen. Und dann beginnen auch schon die Tropfen am Anzug zu gefrieren. "Die Eiswelt da unten ist schon bizarr."

Eine Menschenkette schiebt sich übers Eis im Steinrauschbad, um Charline Lotter aus dem eisigen Wasser zu ziehen. Foto: Bodwing.

Hansi Meiers-Leick