Erster Schultag Einschulung Grundschule im Vogelsang

Erster Schultag : „Die Schule war heute viel zu schnell vorbei“

Alles redet vom ersten Schultag. Aber was passiert da eigentlich, in der ersten Stunde? In einer der drei neuen ersten Klassen an der Vogelsangschule in Saarlouis spielte in der ersten Stunde Willi eine große Rolle.

„Vielen Kindern fällt es schwer, sich von ihren Eltern zu lösen. Sie haben regelrecht Abschiedsschmerz“, scherzte Rektorin Petra Gitzinger von der Grund- und Ganztagsgrundschule im Vogelsang in Saarlouis. Es dauerte seine Zeit, bis sich am Montag, am ersten Schultag, alle Erstklässler bei ihren Lehrern gesammelt hatten, um gemeinsam mit ihnen von der Begrüßungsfeier zu den Klassenzimmern zu gehen. Nachdem die ein oder andere Träne vergossen und alle Eltern zum Abschied gedrückt waren, startete dann auch der Tross von Lehrerin Susanne Grittmann und ihren 23 ABC-Schützen in Richtung Schulgebäude.

Sichtlich nervös, aber auch mit einigem Gelächter ging es durch den Flur des Untergeschosses die Treppe hinauf zu dem Raum, in dem die Jungen und Mädchen in den nächsten vier Jahren so einige Stunden verbringen werden. Im Klassenzimmer angekommen, hatte Grittmann Mühe, die aufgewühlte Meute unter Kontrolle zu bringen: „So, jetzt sucht sich jeder erst einmal einen Sitzplatz“, wies sie die Erstklässler an.

Leichter gesagt als getan. In den ersten Minuten wurden   Plätze getauscht, bis schlussendlich jeder seinen Wunschnachbarn gefunden hatte. Mit einem Gongschlag, den Grittmann ertönen ließ, wurde es schlagartig mucksmäuschenstill: „Das geht ja schneller als ich gedacht habe. Das klappt bei den Viertklässern aber nicht so gut“, lobte die junge Lehrerin ihre neuen Schüler.

Mit der Ruhe war es dann aber auch ganz schnell wieder vorbei, als die Lehrerin die Schüler dazu aufforderte, einer nach dem anderen sein eigenes Namensschild auf der Tafel zu suchen. Dabei konnte niemand früh genug an der Reihe sein, jedes Kind wollte zeigen, wie schnell es seinen Namen gefunden hatte.

Um  etwas Ordnung in das Gewimmel zu bringen, sollte jeder der Schüler jemanden aufrufen, der als nächstes zur Tafel geht, um sich seinen Namen zu suchen. Sichtlich nervös aber tapfer ging ein Schüler nach dem anderen zur Tafel: „Ich bin Ali. Hallo, ich bin Maxim“, flüsterten die Schüler schüchtern in die Klasse. Nachdem alle Kinder ihre Schilder gefunden hatten, waren sie verdutzt: „Wer ist denn Willi“?, fragte ein Junge, denn ein Namensschild war an der Tafel übrig geblieben. Nach ein paar Minuten Rätselraten lüftete die Lehrerin das Geheimnis und stellte den Schülern einen Plüschbiber vor: „Das ist euer Mitschüler Willi, er wird euch in den kommenden Jahren begleiten“, sagte Grittmann.

Zu Willi gebe es auch noch eine kleine Geschichte zu erzählen, zuerst sollten die Schüler aber einige erste Aufgaben lösen: „Jetzt wird es ernst, ihr müsst eure Namensschilder ausmalen“, erklärte Grittmann. Schlagartig wurde es wieder laut im Klassenzimmer. „Bekomme ich einen Wachsmalstift? Wo ist denn der rote Filzstift?“ Im Sekundentakt wechselten die Mal- und Schreibwerkzeuge den Besitzer, und kurze Zeit später waren alle Namen in knallbunten Farben ausgemalt.

Grittmann war am Ende der Stunde sichtlich zufrieden mit ihren neuen Schützlingen: „Sie waren alle wirklich nervös, das hat man gemerkt. Dafür haben sie sich aber gut geschlagen.“ Nervosität gehöre schließlich dazu, es beginne ja ein neuer Lebensabschnitt für die Kinder. Den ersten Schultag werden die meisten auch niemals vergessen, ist sich die Lehrerin sicher. Voller Vorfreude auf das was noch kommen mag, zeigte sich der sechsjährige Artur: „Ich habe mich wirklich auf die Schule gefreut, bin froh, dass es jetzt endlich losgeht.“ Zwar sei er die letzten Tage sehr aufgeregt gewesen, aber er sei zusammen mit seinem Kindergartenfreund Ali eingeschult worden, das habe es ihm leichter gemacht. Aufgeregt ist auch die kleine Elisa gewesen, die Freude auf die Schule und die neuen Kinder hätten aber überwogen. Auch sie sei froh, dass sie mit zwei Freundinnen aus dem Kindergarten zusammen in die Klasse gehe, vor allem könne sie es aber kaum erwarten, endlich lesen und schreiben zu lernen: „Ein bisschen lesen kann ich zwar schon, aber noch nicht so gut. Freue mich vor allem auf das Schreiben, ich will endlich schlau sein,“ sagte die Sechsjährige lachend.

Maxim, der stolz seinen Schulranzen mit Superheldenmotiv in der Klasse präsentierte, fand, dass die Schulstunde zu schnell vorbeiging: „Ich wäre gerne noch länger geblieben, die Schule war heute viel zu schnell vorbei.“ Ein Gutes habe es aber, nach der Schule bekomme er endlich seine Schultüte und gefeiert werde zuhause mit der Familie auch noch.

Als letzte Aufgabe des Tages mussten die Schüler ihren Platz blitzsauber wieder verlassen. Auch das meisterten die ABC-Schützen zur Zufriedenheit ihrer neuen Lehrerin. Und über ihre erste kleine Hausaufgabe freuten sich die Kinder auch noch, ob das wohl in Zukunft so bleiben wird?

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