Bilder mit Sogkraft

Saarlouis. Horst Weiss hat nie unterschieden zwischen Fotografie und Leben. Er hat gelebt, wie er fotografiert hat, und fotografiert, wie er gelebt hat. Seine dynamisch-lyrischen Porträts waren dem Leben entnommen, das er kannte. Arbeiter, Bauern, einfache Menschen, wie er selbst einer war, hat er mit klaren Linien und grobem Korn skizziert

Saarlouis. Horst Weiss hat nie unterschieden zwischen Fotografie und Leben. Er hat gelebt, wie er fotografiert hat, und fotografiert, wie er gelebt hat. Seine dynamisch-lyrischen Porträts waren dem Leben entnommen, das er kannte. Arbeiter, Bauern, einfache Menschen, wie er selbst einer war, hat er mit klaren Linien und grobem Korn skizziert. Entstanden sind wunderbare, traumhafte, spannungsgeladene Schwarz-weiß-Fotos von großer expressiver Kraft. Er experimentierte häufig mit Doppelbelichtungen, dem so genannten Sandwichverfahren. Mit seinen wilden, fast aggressiven Sandwichs addierte er seine Eindrücke, verstärkte sie. So erzeugten seine Bilder - wie die Ansicht von Köln - einen Sog, dem sich der Betrachter nicht entziehen kann. Manch einer hat ihn schon den Saarlouiser Chargesheimer genannt. Jenen berühmten Kölner Fotografen, den Horst Weiss tatsächlich sein Vorbild nannte. Im Gegensatz zu Chargesheimer blieb Weiss das Akademische oder Intellektuelle in der Fotografie fremd. Er erklärte und deutet seine Welt durch den Sucher seiner Nikons und Hasselblads. "Unbewaffnet", also ohne Kamera, verließ er seine Wohnung nicht. In den vergangenen Jahren war es ruhig geworden um Horst Weiss. Er hatte sich verausgabt, war müde. In Saarlouis, in seiner geliebten Altstadt, hat ihn jeder gekannt, den Schmodder.Wie jetzt bekannt geworden ist, starb Horst Weiss Ende vergangener Woche in seiner Saarlouiser Wohnung.

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