"Besitzer antiker Lampen sollten einfach keine Energiespar-Birnen kaufen"

"Besitzer antiker Lampen sollten einfach keine Energiespar-Birnen kaufen"

Herr Schirra, Sie verkaufen viele alte Lampen. Was wird daraus, wenn die alten Glühbirnen nicht mehr verkauft werden dürfen?Schirra: Kommt drauf an. Technisch passen die Energiesparlampen ja in die Fassungen der alten Lampen wie bisher. Das gilt für unsere deutschen Schraubfassungen genauso wie für die in Frankreich oder Belgien üblichen Bajonett-Fassungen

Herr Schirra, Sie verkaufen viele alte Lampen. Was wird daraus, wenn die alten Glühbirnen nicht mehr verkauft werden dürfen?Schirra: Kommt drauf an. Technisch passen die Energiesparlampen ja in die Fassungen der alten Lampen wie bisher. Das gilt für unsere deutschen Schraubfassungen genauso wie für die in Frankreich oder Belgien üblichen Bajonett-Fassungen. Aber optisch? Meistens eine Katastrophe. Matte Energiesparlampen in einem Kristall-Lüster? Unmöglich. Allerdings sind jetzt auch Birnen mit einer Glaskugel auf den Markt gekommen. Auch in schlanker Kandelaber-Form. Die sehen fast so aus wie bisher. Allerdings verspricht der Hersteller eine Energie-Einsparung von höchstens 30 Prozent. Andere Sparlampen sollen bis zu 80 Prozent haben. In Frankreich habe ich gerade kleine Energiesparlampen gefunden. Die passen in viele alte Lampen - aber sie sind mit zehn bis 20 Euro arg teuer. So viel Strom spart keiner damit.Das kann teuer werden. Alte Lampen haben bis zu fünf Brennstellen.Schirra: Stimmt. Ich denke ohnehin, hinter der Entscheidung steht nur die Lampen-Lobby. Mit den alten Glühbirnen ist kein Geschäft mehr zu machen. Die kosten ja oft nur ein paar zehn Cent. Dabei ist technisch doch schon die nächste Entwicklung in Sicht, die LED-Birne. Und das Energiesparlicht hat einen großen Blaulicht-Anteil. Der bekommt nicht jedem. Und ob die Sparbirnen wirklich so viel sparen, wie angegeben ist - daran hat nicht nur Ökotest Zweifel.Was raten Sie denn Besitzern antiker Lampen?Schirra: Keine Energiesparlampen kaufen. Aus ästhetischen Gründen, aber auch, weil Liebhaber dieser Lampen 200 bis 1500 Euro zahlen - da sollten ein paar mehr Euro für den Strom in Ordnung gehen. Nein, wer eine solche Lampe hat, sollte sich fünf herkömmliche Birnen pro Brennstelle auf Lager legen. Das kostet fast nichts, ist ewig lagerfähig und sichert das Licht auf wenigstens zehn Jahre. In der Zeit werden die passenden Energiesparlampen billiger. Dann wird man sehen.Sie helfen Ihren Kunden dabei?Schirra: Ja. Ich habe einen Posten von 3500 Glühbirnen mit Bajonett-Fassung gekauft. Die meisten mit 40 Watt. Wer eine alte Lampe kauft, bekommt den Vorrat gleich mit. Zehn Stück für sechs bis zehn Euro. Schön. Aber irgendwann dürfen Sie die ja nicht mehr verkaufen.Schirra: Ich streite dafür, Gesetzesausnahmen zu machen für alte Lampen. Das muss einfach toleriert werden. Man hat ja auch das Kulturgut Oldtimer nicht verboten, weil sie nicht modernen Schadstoffklassen entsprechen.Und wenn das nicht klappt?Schirra: Dann muss ich über andere Wege nachdenken. Außerhalb der EU werden die Glühbirnen ja weiter produziert. Hat die Umstellung der Glühbirnen dem Verkauf antiker Lampen geschadet?Schirra: Das habe ich bisher noch nicht beobachtet.

Ästhetischer Technik-Wechsel: Diese Lampe wurde um 1900 von Gas auf Strom umgestellt. Man sieht noch die Sperrhähne für das Gas. Fotos: Hartmann Jenal.

Zur PersonHelmut Schirra, 64, unterhält in Lisdorf eins der beiden Auktionshäuser im Saarland. Einen Schwerpunkt legt er seit Jahrzehnten auf den Verkauf alter Lampen. Die ältesten sind umgerüstete Gaslampen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. we