Ein Minarett für Wehrden?

Wehrden. Wer sich nicht auskennt, läuft glatt an ihr vorbei: an der Selimiye-Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Wehrden. Äußerlich kennzeichnen nur zwei Transparente an der Schaffhauser Straße und der Saarstraße das frühere Kino als kulturellen und religiösen Treffpunkt der Gemeinde

Wehrden. Wer sich nicht auskennt, läuft glatt an ihr vorbei: an der Selimiye-Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Wehrden. Äußerlich kennzeichnen nur zwei Transparente an der Schaffhauser Straße und der Saarstraße das frühere Kino als kulturellen und religiösen Treffpunkt der Gemeinde. Preis für FassadensanierungAus der Umgebung sticht es höchstens dadurch heraus, dass es tipptopp gepflegt wirkt. Und das wird auch anerkannt: Die islamische Gemeinde hat von der Stadt einen Preis für vorbildliche Fassadensanierung erhalten. Und im Jahreskalender 2010 des Wehrdener Stadtteilforums ist der Gebetsraum der Moschee zum Foto des Monates August geworden.Auch in der Völklinger Innenstadt gibt es eine islamische Gemeinde, und deren Moschee in einem Hinterhof in der Moltkestraße wird längst von einer Kuppel geziert. Auf die Dauer wollen da offenbar auch die Muslime in Wehrden nicht ohne deutlich sichtbare Zeichen bleiben. Sie haben bei der Stadt einen Antrag auf Erteilung eines Vorbescheides für die Errichtung eines Minaretts und von Kuppeln auf ihrem Gebäude gestellt. Dieser Antrag steht bei der nächsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am Dienstag, 12. Januar, auf der Tagesordnung - im nicht öffentlichen Teil, wie es bei Vorberatungen für den Stadtrat üblich ist.Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) sagte auf SZ-Anfrage, dass er die Minarett-Frage überwiegend als eine Angelegenheit der Meinungsbildung innerhalb der Wehrdener Bürgerschaft sehe. Das Stadtteilforum, in dem auch die islamische Gemeinde aktiv mitarbeite, biete hier den geeigneten Rahmen. Dementsprechend werde er auch Vertreter des Forums sowie der islamischen Gemeinde zu der Ausschusssitzung am 12. Januar einladen. Ansonsten sei das Bau- und Nachbarschaftsrecht zu beachten. Ein Muezzin, der frühmorgens zum Gebet rufe, sei "sicher nicht genehmigungsfähig", und die ursprünglich geplante Höhe der Aufbauten ("zwei Minarette zu je 10,50 Meter Höhe ab Dach") erscheine nicht akzeptabel.Heute BesichtigungsterminDas Wehrdener Stadtteilforum wird laut Sprecher Helmut Tamblé die Diskussion aufnehmen und dann selbst am 19. Januar gemeinsam beraten. "Ich hoffe, dass diese Frage keinen Keil in die Bevölkerung treibt", betont Tamblé, der bisher über die Integrationsbereitschaft der Türken "nur Gutes sagen" kann. Anfragen der SZ-Redaktion Völklingen für ein Gespräch mit der Türkisch-Islamischen Gemeinde sind bisher unbeantwortet geblieben. Für den heutigen Donnerstag, 16 Uhr, hat nun (überraschend) die Stadtratsfraktion der Linken "alle interessierten Bürgerinnen und Bürger" zu einer Besichtigung der Moschee und einer Begegnung mit Vertretern der Gemeinde eingeladen.