Schonfrist für die Neptun

Völklingen/Saarbrücken. Zum Jahresende hatte die Terrag AG den Völklinger Marinekameraden den Liegeplatz im Gewerbehafen bei Fürstenhausen gekündigt. Nun hat die Firma auf Bitte von Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig hin der Neptun noch eine Schonfrist eingeräumt. Die wird sicher noch bis 11. Januar dauern

Völklingen/Saarbrücken. Zum Jahresende hatte die Terrag AG den Völklinger Marinekameraden den Liegeplatz im Gewerbehafen bei Fürstenhausen gekündigt. Nun hat die Firma auf Bitte von Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig hin der Neptun noch eine Schonfrist eingeräumt. Die wird sicher noch bis 11. Januar dauern. Dann, sagt Geschäftsführer Albert Winzent auf SZ-Anfrage, werde ein neues Gespräch geführt. Hinter der Kündigung stehe kein böser Wille, sondern dringender Eigenbedarf. So würden im Januar zehn große Schiffe mit insgesamt 20 000 Tonnen Kraftwerkskohle erwartet, die im Hafen umgeschlagen werden müssten. Und da blockiere die Neptun den nötigen Platz. Das Entgegenkommen bedeutet für die Marinekameraden zumindest einen kleinen Zeitgewinn. Sonst hätten sie das Schiff, das über keinen eigenen Antrieb verfügt, auf eigene Kosten wegschleppen lassen müssen - zum Beispiel an die Fahrgast-Anlegestelle am Wehrdener Saarufer. Aber auch die wäre - wie zuvor schon der Gewerbehafen Fürstenhausen - nur ein Provisorium gewesen. Die Marinekameraden wollten mit der Neptun zurück an ihre frühere Anlegestelle am historischen Schleusenkanal bei Wehrden. Was aber das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt Saarbrücken unter Hinweis auf Eigenbedarf verneinte. Eine Sprecherin sagte auf SZ-Anfrage, das Amt erhalte nach wie vor sein Angebot aufrecht, die Neptun an die Staustufe Rehlingen zu verlegen. Dorthin wollen aber die Völklinger Marinekameraden nicht, weil ihnen der Standort zu abgelegen erscheint.Der Ortsrat hatte einstimmig für den Verbleib der Neptun in Völklingen votiert. Oberbürgermeister Lorig hatte sich dafür eingesetzt. Und auch Weltkulturerbe-Generaldirektor Meinrad Maria Grewenig hätte das historische Kriegsschiff in Nähe des Weltkulturerbes auf der Saar zumindest interessant gefunden. Bei der Völklinger Marinekameradschaft zeigt sich derweil bittere Enttäuschung. "Wir haben 19 Jahre lang gekämpft. Glauben Sie noch an das Christkind?", sagte nun Pressesprecher Gerhard Kasper auf SZ-Anfrage. Kasper bestätigte, dass die Vereinigung ihre Auflösung beschlossen hat. Zudem hat sie bereits im Dezember beim Deutschen Marinebund den Antrag gestellt, die Neptun zurückzunehmen. Albert Rohde, Bundesgeschäftsführer dieser Dachorganisation der Marinekameradschaften mit Sitz in Laboe bei Kiel, sagte auf SZ-Anfrage, dieser Antrag sei an die zuständige Stelle bei der Marine weitergeleitet worden. Die Bundesmarine hatte die Neptun 1990 außer Dienst gestellt, woraufhin sie auf dem Weg über den Marinebund den Völklingern übergeben wurde; die Marine blieb aber weiterhin Eigentümerin. Laut Rohde ist das künftige Schicksal der Neptun offen: "Wir warten nun auf einen Hinweis der Marine, was mit dem Boot geschehen soll." So sei auch die Frage, ob die Neptun mindestens im Saarland bleiben könne, derzeit nicht zu beantworten.