Waldwerkstatt : Wenn der Wald zur Werkstatt wird

Hunderte Kinder und Erwachsene nutzten den gestrigen Feiertag, um im Wald bei Neuweiler zu spielen und zu lernen.

Es war ein Hämmern und Sägen, ein Klopfen und Trommeln, ein Singen und ein Lachen, dass es eine wahre Freude war. Am gestrigen Maifeiertag verwandelte sich die Schlucht am Karl-May-Weg im Wald bei Neuweiler wieder zu einem großen kreativen Abenteuer- und Entdeckerwald für hunderte von Kindern und ihre Eltern. Der ungeahnte Zuspruch der Veranstaltung bei der Premiere im vergangenen Jahr wurde in diesem Jahr sogar noch übertroffen. Bei bestem Frühlingswetter nahmen die Besucherströme kein Ende. Ein Team von Wald- und Erlebnispädagogen sowie Mitarbeiter des Kulturamts und des Forsts hatten ein abwechslungsreiches Programm für die sogenannte „Waldwerkstatt“ auf die Beine gestellt. Zahlreiche spannende Themen rund um das Thema Wald und kreatives Werken mit Naturmaterialien warteten auf die Gäste.

„In fünf Minuten beginnt die Kräutersammlung“ ruft Guido Geisen alias „Lumbricus“ (lateinisch für „Regenwurm“) seine Truppe zusammen. Mit etwa 30 Erwachsenen und Kindern zieht der Landschaftsökologe und Edutainment-Pädagoge wenig später los, um im Wald nach Brennesseln, Waldkresse, Knoblauchrauke und vielen anderen Kräutern zu suchen. Aus diesen wird er gemeinsam mit den Kindern anschließend einen köstlichen Kräuterquark herstellen. „Die Brennessel ist die Königin des Waldes. Aus ihr kann man köstliche Sachen machen und sie sogar als Medizin verwenden“ erklärt er den staunenden Besuchern.

Die beiden syrischen Handwerkskünstler Hany Yabrouby und Omar Zlak zeigen interessantes Kunsthandwerk aus ihrer Heimat und motivieren die Kinder, es selbst zu probieren. An den Ständen von Norbert Margardt und seinem Team dürfen die Gäste Armbänder oder Lederbeutel herstellen. An den Tischen des städtischen Kindergartens bemalen der kleine Lias (4) und seine Schwester Mia (4) gerade Leinenbeutel. Gemeinsam mit ihren Eltern Jennifer und Christian Clemens sind sie aus Bildstock gekommen. „Wir waren im letzten Jahr schon mal hier und waren begeistert. Wir verbringen hier den ganzen Tag und den Holzhammer und das Armband vom letzten Jahr haben die Kinder immer noch aufbewahrt“, erzählen sie. Besonders die Musikecke hat es ihnen angetan, in der Stefanie Bungart-Wickert mit den Kindern gemeinsam singt, trommelt und musiziert. „Die Idee dahinter ist, dass die Eltern ihre Kinder nicht einfach nur abgeben sollen, sondern gemeinsam den Wald und die eigene Kreativität entdecken. Alles im Einklang mit der Natur. Wenn wir heute Abend abbauen, soll nichts mehr darauf hindeuten, was hier heute los war“, erklärt Heike Kneller-Luck vom Kulturamt.

Essen und Getränke gibt es im nahe gelegenen IPA-Heim das auch als „Elternparadies“ genutzt wird, wenn die Kinder mal alleine loslegen wollen. Dort kann man am „Markt der Nachhaltigkeit“ regionale Produkte wie Honig oder Kräuter kaufen. Ein echter Renner ist das Rösten von Stockbrot an der offenen Feuerstelle. Dicht gedrängt halten die kleinen und großen Waldentdecker ihre Stöcke mit dem Teig über die Glut, während wenige Schritte weiter die kleine Louisa (6) ihr Geschick auf dem Balance-Seil testet, das Stefan Dana vom Seilgartenteam „Gipfelkids“ zwischen die Bäume gespannt hat. Sie ist zusammen mit der Zwillingsschwester Amélie sowie mit Mama Bettina und Papa Christian aus Großrosseln nach Sulzbach gekommen. „Wir haben schon im letzten Jahr gehört, wie toll das hier ist. Und da haben wir uns gedacht: Ab in den Wald nach Sulzbach!“, erzählen die Eltern lachend. Der Hang an der Schlucht wird zur riesigen Rutschbahn, umgefallene Bäume dienen als Klettergerüst. Handys sieht man an diesem Tag bei kaum jemandem. Statt dessen wird gedrechselt, gesägt und geschnitzt, oder man lauscht den spannenden Informationen über Wölfe und andere Wildtiere.

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