Warum die Gaspreise nur wenig sinken

Wer aufgrund des derzeit sinkenden Ölpreises auch auf billigeres Gas hofft, wird enttäuscht. Die Saarbrücker Zeitung hat bei der Energie SaarLorLux AG und der Energis GmbH nachgefragt, warum das so ist.

Der Ölpreis liegt derzeit bei rund 70 Dollar pro Barrel (159 Liter) und damit so niedrig wie lange nicht mehr. Deshalb sinken auch die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl. Müssten jetzt nicht auch die Gaspreise sinken, fragen sich viele Verbraucher? Schließlich wurde die Erhöhung der Gaspreise in der Vergangenheit meistens mit einem erhöhten Ölpreis begründet. Doch zu früh gefreut. Denn der Ölpreis ist kaum mehr an den Gaspreis gekoppelt. Stefan Eichacker, Sprecher von Energie SaarLorLux erläutert: "Der Gasmarkt hat sich in den letzten Jahren weitestgehend vom Ölmarkt abgekoppelt. In den Gas-Beschaffungsverträgen der Energie SaarLorLux gibt es mittlerweile keine Ölpreisbindung mehr." Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass eventuell steigende Ölpreise auf dem Weltmarkt keine großen Auswirkungen auf den Gaspreis haben. "Während der Ölpreis in den vergangenen Jahren teilweise deutlich gestiegen ist, konnte durch neue Bezugsverträge und neue Beschaffungsmärkte der Gaspreis bei Energis konstant gehalten werden. Daraus folgt, dass die nun fallenden Ölpreise nicht zur Senkung von Gaspreisen führen können", erklärt auch Jochen Strobel, Marketingleiter der Energis GmbH.

Hintergrund ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem März 2010, in dem die Kopplung des Gaspreises alleine an den Ölpreis als nicht zulässig untersagt wurde. Einen weiteren Grund nennt Stefan Eichacker: "Das liegt auch daran, dass sich die Struktur des Gasmarktes auf der Angebotsseite weiterentwickelt hat. Auch haben sich ehemalige Importländer zu Gasexporteuren entwickelt." Es gibt also neu entdeckte Gasvorkommen. So wird etwa in den USA jetzt Schiefergas gewonnen und das Land wurde so zum Gasexporteur. Energie SaarLorLux beschafft ihr Gas mittlerweile über Standardprodukte, die an der Leipziger Börse (EEX) gehandelt werden, beziehungsweise über Produkte, deren Preise sich an der EEX orientieren. Es werden also freie Erdgasmengen über die Börse gehandelt.

Eichacker weißt darauf hin, dass die Gaspreise derzeit ebenfalls tendenziell sinken, "wobei insbesondere durch die Ukrainekrise hohe Preisschwankungen zu verzeichnen waren", ergänzt der Pressesprecher. Auch die geringere Nachfrage aufgrund der relativ warmen Temperaturen im vergangenen Jahr, ein geringerer Verbrauch in den Kraftwerken und ein derzeit gestiegenes Angebot auf dem Weltmarkt spielen eine Rolle.

Und Energieversorgungsunternehmen kaufen Gas in der Regel für ein komplettes Lieferjahr mit einem zeitlichen Vorlauf von mindestens ein bis zwei Jahren, erklärt Eichacker. "Dadurch werden extreme Preisschwankungen nach oben und nach unten geglättet, die sich sonst stark auf die Verbrauchspreise auswirken würden."

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HintergrundDie Energie SaarLorLux AG ist ein Unternehmen der GDF SUEZ Energie Deutschland AG und der VVS Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Saarbrücken mbH. Und an der Energis GmbH sind die VSE AG, die Enovos Deutschland AG (ehemals Saar Ferngas AG) und die KEW AG beteiligt. dög