Verwirrung um Notrufnummern im Saarland

Das Scheitern der Integrierten Leitstelle mit zwei Standorten auf dem Winterberg und bei der Saarbrücker Berufsfeuerwehr hat bei vielen Bürgern zu Verunsicherung geführt. Das Innenministerium betont: Die Annahme des Notrufes 112 sei in jedem Fall gewährleistet. SZ-Redakteur Daniel Kirch erklärt die Funktionsweise der einzelnen Notrufnummern.

Welche Notrufnummern gibt es im Saarland?

Bundesweit gibt es zwei klassische Notrufnummern: die 110 für polizeiliche Notrufe und die 112 (auch europaweit gültig) für alle nichtpolizeilichen Notrufe , also für Rettungsdienst und Feuerwehr. Daneben gibt es im Saarland die Nummer 19 222, vom Mobiltelefon aus (06 81) 19 222, für medizinische Notfälle . Die 19 222 ist aber keine klassische Notrufnummer, weil bei ihr nicht garantiert ist, dass die Nummer und der Standort des Anrufers übermittelt werden - dies kann im Notfall, etwa wenn die Verbindung abreißt, jedoch entscheidend sein.

Wo lande ich jeweils, wenn ich die Notrufnummern wähle?

Wer die 110 anruft, kommt immer bei der Führungs- und Lagezentrale des Landespolizeipräsidiums in Saarbrücken raus. Bei der 19 222 erreicht man die Rettungsleitstelle auf dem Winterberg, die den Einsatz von Rettungs- und Krankentransporten, des Notarztdienstes und des Rettungshubschraubers steuert. Komplizierter ist es bei der 112: Je nach Standort und Telefonnetz des Anrufers meldet sich entweder die Polizei , die Haupteinsatzzentrale der Berufsfeuerwehr Saarbrücken oder die Rettungsleitstelle Winterberg. Die Annahme des Notrufs 112 sei "in jedem Fall gewährleistet", betont das Innenministerium.

Wer ab 1. Januar 2015 aus einem der fünf Landkreise (also aus dem ganzen Land mit Ausnahme des Regionalverbands Saarbrücken ) die 112 wählt, gelangt unabhängig vom Netz direkt zur Leitstelle auf dem Winterberg. Von dort aus werden dann auch die jeweiligen Feuerwehren alarmiert. Bis zum Jahresende landen Anrufer aus den Landkreisen Merzig-Wadern und Saarpfalz noch bei der Berufsfeuerwehr Saarbrücken , die für diese Kreise bis dahin auf Vertragsbasis die Feuerwehr-Alarmierung übernimmt.

Beim Regionalverband Saarbrücken ist dies komplizierter: Wer über einen klassischen Telefonanschluss die 112 wählt, gelangt zur Berufsfeuerwehr. Im Brandfall alarmiert diese die jeweilige Feuerwehr vor Ort, bei einem medizinischen Notfall stellt sie den Anruf auf den Winterberg durch. Wer vom Handy aus oder von Telefonanschlüssen auf IP-Basis (etwa Kabel Deutschland , Vodafone , VSENet/schlau.com) anruft, gelangt zunächst zur Polizei , die nach einer eigenen Erstabfrage den Notruf an die jeweils zuständige Stelle - also Rettungsleitstelle oder Berufsfeuerwehr - weiterleitet.

Warum ist es nicht möglich, dass alle 112-Notrufe - egal ob für Rettungsdienst oder Feuerwehr - bei einer einheitlichen Stelle auflaufen?

Dies war das Hauptziel der Integrierten Leitstelle. Die Nummer 112 sollte zentral auf dem Winterberg abgefragt werden. Für den Rettungsdienst sollte die Leitstelle auf dem Winterberg zuständig sein, feuerwehrbedingte Notrufe sollten unterbrechungsfrei an die Berufsfeuerwehr weitergeleitet werden. Laut Gesetz hätte die gemeinsame Leitstelle von Stadt Saarbrücken und Rettungszweckverband mit zwei Standorten bei der Berufsfeuerwehr und auf dem Winterberg bereits 2009 ihren Betrieb aufnehmen sollen. Doch beide Seiten konnten sich nicht über Kosten und Abläufe einigen.