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Rodenhofer wollen Stadt verklagen

Saarbrücken. Stinksauer sind sie. Jedes Gewitter macht ihnen Angst. Sie fühlen sich im Stich gelassen und abgewimmelt von der Stadt und deren ZKE (Zentraler Kommunaler Entsorgungsbetrieb). Aber sie sind entschlossen, sich zu wehren und gegen die Stadt vor Gericht zu ziehen - die Bürger vom Rodenhof, deren Keller am Sonntag, 10. Mai, voll Wasser liefen (die SZ berichtete) Von SZ-Redakteur Jörg Laskowski

Saarbrücken. Stinksauer sind sie. Jedes Gewitter macht ihnen Angst. Sie fühlen sich im Stich gelassen und abgewimmelt von der Stadt und deren ZKE (Zentraler Kommunaler Entsorgungsbetrieb). Aber sie sind entschlossen, sich zu wehren und gegen die Stadt vor Gericht zu ziehen - die Bürger vom Rodenhof, deren Keller am Sonntag, 10. Mai, voll Wasser liefen (die SZ berichtete).



Hintergrund: Unterhalb der Ecke Sittersweg, Ziegel- und Jägersfreuder Straße baut der ZKE einen neuen Hauptkanal (HK) für Regen. So lange stoppt der ZKE das ankommende Wasser aus dem HK Jägersfreuder Straße und dem Zubringer Ziegelstraße in einem Schacht zwischen den Straßen. Eine Pumpe befördert das Wasser hoch in ein Rohr, das über die Ziegelstraße wieder zu einem HK führt. Am 10. Mai regnete es enorm. Die Pumpe fiel aus. Der Schacht lief über. Wasser floss in mehrere Häuser.

Keine Rückschlag-Klappen

Der ZKE hatte am Dienstag erklärt, er habe daran keine Schuld: Denn die Kanalanschlüsse der Häuser dort müssten - laut Bauvorschrift - Rückschlag-Klappen haben. Doch das sei nicht der Fall. Und nur deshalb sei das Wasser eingedrungen.

Damit brachte der ZKE mehrere Wasser-Opfer vom Rodenhof auf die Palme. Gestern präsentierten sie der SZ ihre Bilanz. Dieter Brombacher, Jägersfreuder Straße 15, sagt, er braucht für geschätzte 10 000 Euro eine neue Heizung.

Wolfgang Koch und seine Schwester Ingeborg Koch-Celaudoux, Jägersfreuder Straße 13, mussten das Inventar von Keller und Souterrain-Wohnung wegwerfen, Wert: etwa 4000 Euro. Der ZKE konnte den Sperrmüll nicht abholen, also fuhr Koch seine aufgeweichte Einrichtung selbst zum Wertstoffhof, wo er 40 Euro an den ZKE bezahlen musste, damit er abladen durfte.

Christel Görlinger, Jägersfreuder Straße 11, schätzt ihren Schaden - neue Möbel, die zufällig im Keller standen, Elektro-Werkzeuge, Musikinstrumente - ebenfalls auf 4000 Euro. Bei Petra Miessemer, Ziegelstraße 8, sind es wohl "nur" 400 Euro für Elektrogeräte. Sabine Schneider, Ziegelstraße 2, vermutet, dass ihr Schaden bei rund 15 000 Euro liegt, ihre Heizung ist kaputt, dazu Möbel und Elektrogeräte.

"ZKE hat sich verrechnet"

Am schlimmsten hat es Christa Sander getroffen. Sie sagt, ein Sachverständiger ihrer Hausratversicherung habe ihren Schaden auf rund 40 000 Euro veranschlagt - Heizung plus Inventar von Souterrain-Wohnung und Keller.

Brombacher, Koch, Sander und Schneider berichten, dass ihre Hausrat- und Gebäudeversicherungen erklärt haben, für diese Schäden müsse der Verursacher haften, und das sei der ZKE. Sander: "Ich glaube, der ZKE hat sich verrechnet. An den HK Jägersfreuder Straße ist der ganze Rodenhof angeschlossen. Es ist unmöglich, alles Wasser aus dem HK (Durchmesser 90 cm) und aus dem Zubringer Ziegelstraße (Durchmesser rund 35 cm) in einem Rohr mit nur etwa 35 Zentimeter Durchmesser abzupumpen. Außerdem hätte der ZKE für den Notfall eine zweite Pumpe mit Notstrom-Aggregat bereitstellen müssen."

Brombacher, Koch und Schneider sehen das genauso. Und Sander, deren 85-jährige Mutter nach dem Wassereinbruch in ihre Souterrain-Wohnung mit Nervenzusammenbruch ins Krankenhaus kam, beklagt die menschliche Seite: "Ich bin von der Stadt zutiefst enttäuscht. Niemand hilft. Es sieht so aus, als müssten meine Mutter und ich so lange im Wasserschaden wohnen, bis der Rechtsstreit vorbei ist."