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Kramp-Karrenbauer neue VHS-Präsidentin

Annegret Kramp-Karrenbauer wurde einstimmig zur DVV-Präsidentin gewählt. Foto: Staatskanzlei
Annegret Kramp-Karrenbauer wurde einstimmig zur DVV-Präsidentin gewählt. Foto: Staatskanzlei FOTO: Staatskanzlei
Saarbrücken. 27 Jahre stand Rita Süssmuth (CDU) dem Deutschen Volkshochschul-Verband vor – nun wurde sie von der Saar-Ministerpräsidentin abgelöst. Sie sieht die drängendste Aufgabe darin, mehr Deutsch- und Integrationskurse für Flüchtlinge zu ermöglichen. Nora Ernst

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ist neue Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV). Sie wurde gestern in Saarbrücken von der Mitgliederversammlung des DVV, der die 924 Volkshochschulen in Deutschland vertritt, einstimmig gewählt. Kramp-Karrenbauer löst damit die Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (beide CDU ) ab, die das Amt 27 Jahre inne hatte - "der Abschluss einer Ära", wie Ernst Dieter Rossmann, Vorsitzender des DVV, sagte.

Die größte Herausforderung für die Volkshochschulen sieht Kramp-Karrenbauer in der wachsenden Zahl von Flüchtlingen und Migranten: "Wir brauchen mehr Deutsch- und Integrationskurse." Sie kündigte an, sich bei den Bund-Länder-Gesprächen zu Flüchtlingen für mehr Bundesmittel für diese Kurse einzusetzen.

2005 wurden die ersten Integrationskurse an Volkshochschulen gestartet, in denen Migranten und Flüchtlinge Deutsch, aber auch etwas über die deutsche Rechtsordnung, Geschichte und Kultur lernen. Seitdem ist die Zahl der Teilnehmer laut DVV kontinuierlich gestiegen.

Eine weitere Herausforderung sei der demografische Wandel, erklärte die Saar-CDU-Chefin: "Wir haben eine fitte ältere Generation und eine digital interessierte jüngere Generation. Für beide müssen wir Angebote schaffen."

In den kommenden Jahren will der DVV zudem seine digitalen Lernangebote ausbauen, um auch Menschen zu erreichen, die bisher nicht ausreichend teilnehmen konnten. Aber auch hier seien zusätzliche öffentliche Mittel notwendig, erklärte der Vorsitzende Rossmann.

Rita Süssmuth wurde zur Ehrenpräsidentin ernannt. Die 78-Jährige betonte die Bedeutung der Bildungsstätten: "Weiterbildung ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für alle." Die Gesellschaft befinde sich im ständigen Wandel: "Das Wissen veraltet schnell." Süssmuth ist stolz, dass es ihr in den vergangenen 27 Jahren gelungen sei, das Ansehen der Volkshochschulen zu stärken: "Heute weiß jeder, dass sie mehr bieten als nur Ikebana und Kochrezepte." Dass der DVV gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt und dem Bundesentwicklungsministerium auch Bildungskurse in Afghanistan anbiete, sei vielen noch nicht bewusst. Mehr als 190 000 afghanische Jugendliche haben 2014 solche Kurse besucht.

Auf eine 27-jährige Amtszeit wie ihre Vorgängerin wird Kramp-Karrenbauer wohl nicht kommen. Die Satzung des DVV wurde zwischenzeitlich geändert: Nun kann die Präsidentin nur noch zwei Mal wiedergewählt werden - für jeweils vier Jahre.


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Hintergrund924 Volkshochschulen gibt es in Deutschland. Jährlich besuchen rund neun Millionen Menschen über 700 000 Veranstaltungen.Im Saarland werden an 16 Volkshochschulen jedes Jahr fast 9000 Angebote gemacht, die rund 120 000 Menschen nutzen.Finanziert werden die Volkshochschulen über Länder und Kommunen (rund 40 Prozent), aus Drittmitteln, etwa vom Bund und der EU (rund 20 Prozent) sowie aus Teilnahmegebühren (rund 40 Prozent). noe