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Doch kein Dach für die Schifferstraße

Das Dach zwischen dem Rivage-Gebäude und dem Kaufhaus Primark wird wohl nicht gebaut. Entwurf: GIU/lukasundlukas architektur
Das Dach zwischen dem Rivage-Gebäude und dem Kaufhaus Primark wird wohl nicht gebaut. Entwurf: GIU/lukasundlukas architektur FOTO: GIU/lukasundlukas architektur
Saarbrücken. Fast 340 000 Euro sind bereits in Planung und in Vorarbeiten für das Dach der Schifferstraße gesteckt worden. Etwa zwei Millionen Euro würde das Projekt kosten. Nun hat es sich die Verwaltung anders überlegt: Ohne Dach sei es auch schön. Peter Wagner

Die Schifferstraße ist das gut 50 Meter lange Stück, das in Höhe der Bahnhofstraße 80 (zwischen Primark und Salamander) zur Berliner Promenade führt - das also die beiden Fußgängerzonen verbindet. Vor der Sanierung der Promenade hatte die Schifferstraße die Bahnhofstraße und das Ufer der Saar verknüpft. Sie wurde aber im Zuge des Projektes "Stadtmitte am Fluss" angehoben und ermöglicht nun das Flanieren auf der oberen Ebene. Nicht zuletzt seit an der Ecke Schifferstraße/Berliner Promenade im Haus "Rivage" (erbaut von der Stadt-Tochterfirma GIU) ein großes Café eröffnete, hat sich der Ort deutlich belebt. Die Fußgänger beziehen die Berliner Promenade wieder in ihre Wege ein.



Abgerundet werden sollte die Schifferstraße noch mit einem Kunstobjekt (Montage steht noch aus) sowie einer gläsernen Überdachung in etwa 14 Metern Höhe. Von diesem Unterstand möchte die Verwaltung nun allerdings Abstand nehmen und bittet die politischen Gremien um Zustimmung. Für den Rückzug aus dem Projekt werden vor allem Kostengründe angeführt. Die Gesamtherstellung des Daches würde nach Schilderung aus dem Bauamt etwa zwei Millionen Euro kosten, zwei Drittel der Summe wäre Fördergeld, blieben also knapp 700 000 Euro an der Stadt hängen. Bisher wurden fast 220 000 Euro für Planung und Vermessung ausgegeben;die Vorkehrung für die Verankerung des Daches in der Straße kostete etwa 120 000 Euro . Insgesamt flossen also bereits 340 000 Euro . "Die entstandenen Planungskosten sind nicht vergeblich", sagt Stadt-Sprecher Thomas Blug. Die Überdachung könne zu einem späteren Zeitpunkt jederzeit realisiert werden, die Voraussetzungen dazu hätten aber bereits bei der Anhebung der Schifferstraße geschaffen werden müssen. Von den 340 000 Euro würden etwa 170 000 Euro von Bund und Land im Rahmen der Finanzierungsvereinbarung "Stadtmitte am Fluss" übernommen.

Als Grund für den Verzicht werden vor allem die jährlichen Folgekosten eines so großen Glasdaches ins Feld geführt. Die Verwaltung sagt, dass man diese Kosten erst jetzt auf Basis der abgestimmten Planungsunterlagen (unter anderem mit Nachbarn und der Feuerwehr) habe genau ermitteln können. Sie lägen bei 23 500 Euro pro Jahr. Wobei vor allem die zweimalige Dachreinigung zu Buche schlüge. Die Argumentation lautet jetzt: Die Schifferstraße ist schon umfangreich aufgewertet (für 2,1 Millionen Euro ), so dass ein Dach unter Abwägung von Nutzen und Kosten keinen großen Zugewinn mehr brächte. Zumal in der Straße kein Geschäft liegt und Primark wohl keinen Eingang zur Schifferstraße legen möchte. Wörtlich heißt es: "Angesicht der schwierigen allgemeinen Haushaltslage erscheint der Zusatznutzen, den die Überdachung der Schifferstraße zur Erfüllung der Sanierungsziele noch beitragen könnte, aus heutiger Sicht nicht ausreichend genug."

Die SPD hat angekündigt, den Verzicht mitzutragen. Es wäre natürlich "sehr schön, wenn die Schifferstraße überdacht würde", andererseits sei der Abschnitt auch so schon "sehr attraktiv", folglich sei es "sinnvoll angesichts der knappen Investitionsmittel der Landeshauptstadt, auf die Überdachung zu verzichten", erklärt der baupolitische Sprecher Günther Karcher. Und SPD-Fraktionschef Peter Bauer ergänzt, dass man das Geld besser in einen schönen Belag für die Bahnhofstraße stecken sollte.